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Kames CapitalLesedauer: 4 Minuten
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Nachhaltigkeits-Ratings „Die alleinige Bewertung von Produkten reicht nicht“

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4. Regionale Schwerpunkte verzerren Nachhaltigkeits-Rankings

Ein Zusammenhang besteht auch zwischen den ESG-Ratings und dem Unternehmenssitz. Führend in dieser Hinsicht ist meist Europa mit vergleichsweise strengen Nachhaltigkeits-Vorschriften. Folglich schneiden bei europäischen Unternehmen übergewichtete Fonds in der Regel besser ab als Portfolios mit Schwerpunkt aus US-amerikanischen Wertpapieren.

5. Inkonsistenz bei Bewertungen

Obwohl die Rating-Agenturen bei der Bewertung von Nachhaltigkeitsfaktoren einen weitgehend ähnlichen Ansatz verwenden, kann ihr Fazit für ein und dasselbe Unternehmen sehr unterschiedlich ausfallen. Anleger sollten sich unbedingt der mangelnden Konsistenz der Untersuchungsergebnisse bewusst sein, wenn sie auf die Ratings als Beweis für die Nachhaltigkeit eines Unternehmens vertrauen.

Als aktiver Anlageverwalter stützen wir unsere Entscheidungen nicht ausschließlich auf Nachhaltigkeits-Ratings, sondern auf eine Mischung aus quantitativen Daten und qualitativen Analysen. Um die Eigenschaften eines Unternehmens in Sachen Nachhaltigkeit zu verstehen, nehmen wir direkten Kontakt zur Unternehmensleitung auf, um Schwerpunkte zu verstehen, die sich durch Faktoren wie Größe oder Standort erklären lassen.

Bei der Beurteilung der Nachhaltigkeit sollten unserer Ansicht nach die folgenden drei Aspekte im Vordergrund stehen:

  • Produkte: Welche Erzeugnisse und Dienstleistungen stellten Unternehmen bereit und welche Auswirkungen hat das auf die Gesellschaft?
  • Praktiken: Wie betreiben Unternehmen Geschäfte?
  • Fortschritte: Verändern und verbessern sich die Bemühungen eines Unternehmens im Bereich Nachhaltigkeit im Laufe der Zeit?

Fortschritte sind beim Thema Nachhaltigkeit besonders wichtig, da Unternehmen mit verbesserten Prozessen den Anlageertrag meist am stärksten beflügeln.

Schwieriger zu beantworten ist dagegen die Frage, wie sich die Vergleichsgruppen in Nachhaltigkeits-Rankings am besten zusammensetzen sollten. Eine Mischung aus quantitativen und qualitativen Informationen liefert zwar ein angemesseneres Bild, doch die Rating-Agenturen können diese kaum beschaffen.

Die Absichten von Fondsmanagern sollten in Nachhaltigkeits-Ratings unbedingt berücksichtigt werden. So kann eine bessere Vergleichsgruppe bestimmt werden. Zunächst wäre es unserer Auffassung zufolge sinnvoll, wenn die Absicht eines bestimmten Fonds berücksichtigt würde, um eine besser geeignete Vergleichsgruppe zu bestimmen.

Insgesamt betrachtet sind die Ansätze der Finanzbranche bei der Bereitstellung von Nachhaltigkeits-Ratings für Unternehmen und Fonds durchaus lobenswert. Die Ratings sind zwar nicht perfekt, entwickeln sich aber weiter. Das ist ermutigend. Ob sich alle Schwachstellen ausbügeln lassen, bleibt jedoch abzuwarten.

Hinweis: Diese News ist eine Mitteilung des Unternehmens und wurde redaktionell nur leicht bearbeitet.
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