Nachhaltigkeits-Test Darum machen wir mit Emerging-Markets-Aktien den ESG-Check

Seite 2 / 2


Soziale Fragen in Schwellenländern teils nicht ausgereift

Auf Schwellenmärkten sind Regulierung und Durchsetzung im Zusammenhang mit Korruption, Corporate Governance, Umwelt und anderen sozialen Fragen unter Umständen noch nicht ausgereift. Im Zuge der Entwicklung eines Landes werden solche Schutzvorkehrungen meist umfassender und strikter durchgesetzt.

Unternehmen, die heute schon mit einer soliden Governance-Bilanz aufwarten, was Einfluss haben kann auf den Umgang mit Umwelt- und sozialen Fragen, sind daher unter Umständen besser für die Zukunft gerüstet und folglich interessantere Anlageobjekte.

Unzulängliche Umweltrichtlinien eines Unternehmens werfen unseres Erachtens beispielsweise nicht nur ein schlechtes Licht auf die bestehende Corporate Governance, sondern potenziell auch auf die künftige Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens.

Starkes Management in den Unternehmen wichtig

Angesichts der Bedeutung von Corporate Governance für die Bewertung von Anlagechancen ist einer der Aspekte, auf die wir bei einem Managementteam am meisten achten, eine starke, von ethischem Geschäftsgebaren geprägte Kultur und Tradition. Wir analysieren die Eigentümerstruktur, die Erfolgsbilanz des Managementteams, die Corporate-Governance-Historie des Unternehmens und sein Engagement für Shareholder Value.

Außerdem bevorzugen wir Manager, die ihr Geschäft verstehen, Erfahrung auf dem jeweiligen Fachgebiet besitzen und durch Optionen auf Aktien des Unternehmens die richtigen Anreize bekommen. Wir beobachten auch, wie sie unvermittelte Veränderungen im geschäftlichen Umfeld bewältigen. Beim Marktcrash Mitte und Ende der 1990er-Jahre in Thailand, als das Anlegervertrauen am Boden war, zeigte sich, was ein starkes Management und die Maßnahmen wert sind, die solche Unternehmen ergriffen, um die Krise zu überstehen.

Überwachung von Corporate-Governance-Methoden

Im Rahmen unseres Research-Verfahrens achten wir genau auf potenzielle Corporate-Governance-Bedenken und stellen uns auch aktiv gegen das Management, wenn dies im besten Interesse unserer Anlagen ist. Wir überwachen Corporate-Governance-Praktiken nicht nur proaktiv, sondern prüfen auch Fragen, die zum Beispiel die Beziehungen eines Unternehmens zu seinem Abschlussprüfer und Transaktionen mit nahe stehenden Parteien betreffen. Solche Angelegenheiten können Aufschluss über potenziell unzulängliche Corporate-Governance-Praktiken geben.

Die Qualität des Managements ist für uns ein wichtiger Gesichtspunkt, da Inkompetenz großen Schaden anrichten kann. Beim Unternehmens-Research besuchen wir daher nicht nur Managementteams und Betriebe, sondern suchen nach Möglichkeit auch Kontakt zu Konkurrenten, Zulieferern, Kunden und Vertretern von Aufsichtsbehörden.

Die aus diesen Begegnungen gewonnenen Informationen können entscheidende Erkenntnisse über das Unternehmen und die Qualität seines Managements vermitteln. In Unternehmen mit regelmäßigen Zahlungsrückständen bei Zulieferern könnte es beispielsweise am Liquiditätsmanagement hapern.

Risiken gibt es überall, in vieler Form, doch bei richtiger Prüfung, Erkenntnis und breit angelegtem Research im Team können wir besser entscheiden, welche Risiken sich lohnen – und welche nicht.

Mehr zum Thema
Mark Mobius: Die besten Chancen finden sich abseits der Indizes Mark Mobius: Schwellenmarkt-Skeptiker brauchen andere Perspektive Aus 25.000 Unternehmen: Wie Templetons Emerging-Markets-Team die richtigen Aktien auswählt