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Stahlherstellung in Duisburg: Asset Manager wie Fidelity pochen vor allem in emissionsstarken Branchen auf Bemühungen, den CO2-Ausstoß zu reduzieren.  | © imago images / Rupert Oberhäuser Foto: imago images / Rupert Oberhäuser

Nachhaltigkeitsstrategie Engagement

Was Asset Manager von Unternehmen fordern

Jenn-Hui Tan, Global Head of Stewardship and Sustainable Investing bei Fidelity

2017 besiegelten die führenden Brillenhersteller Essilor aus Frankreich und Luxottica aus Italien ihren Zusammenschluss zum Optik-Giganten EssilorLuxottica. Die Verhandlungen über die künftige Führung des neuen Konzerns gestalteten sich schwierig. In die offizielle Fusion im Herbst 2018 starteten Essilor und Luxottica jeweils mit ihrem eigenen CEO. Im Frühjahr 2019 kam es dann öffentlich zum Streit zwischen den Frischvermählten, was auch den Aktienkurs belastete. Fidelity hat sich daraufhin mit anderen Minderheitsaktionären der Gruppe besprochen und den Mehrheitsaktionären einen Vorschlag unterbreitet, wie endlich ein Group CEO gefunden werden könnte. Zwar ist der Vorschlag auf der Hauptversammlung nicht durchgekommen, aber die beiden Seiten legten den Konflikt bei. Fidelity erachtet seine Aktion als durchaus positiv, denn dadurch fanden die Parteien wieder an den Verhandlungstisch zurück, um zu einer Einigung bezüglich der Führungsposition zu kommen.

Engagement ist ein zentrales Element in der Nachhaltigkeitsstrategie zahlreicher Asset Manager. Einfach nur ökologische, soziale und Governance-Kriterien bei der Unternehmensbewertung einfließen zu lassen, reicht vielen nicht. Sie wollen nicht immer automatisch Unternehmen mit schlechter ESG-Bewertung ausschließen oder verkaufen, wenn sie dort bereits investiert sind. Vielmehr wollen sie Einfluss nehmen, dass sich das Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit bessert. „Wir glauben, stetes und tiefgreifendes Engagement ist der beste Weg, einen positiven Einfluss auf das Verhalten von Gesellschaften zu nehmen“, sagt Jenn-Hui Tan, Global Head of Stewardship and Sustainable Investing bei Fidelity.  

Risiken erkennen, die nicht in der Bilanz zu finden sind

Engagement kann über die Ausübung von Stimmrechten auf der Hauptversammlung erfolgen. Noch wichtiger ist aber das direkte Gespräch mit den Verantwortlichen der Unternehmen. Hier können Asset Manager Druck auf das Unternehmen ausüben, in bestimmten kritischen Bereichen nachhaltiger zu agieren. „Wir können so unseren Bedenken bezüglich der Auswirkungen des Unternehmens auf die Umwelt, seine Führungsstruktur und seinen Einfluss auf die Gesellschaft Ausdruck verleihen“, sagt Tan. Und gleichzeitig helfen Gespräche, das Unternehmen und seine ESG-Risiken besser einzuschätzen und zu bewerten: „Nur durch diesen Prozess können wir Risiken und Chancen erkennen, die nicht in der Unternehmensbilanz zu finden sind“, so Tan.

Da Asset Manager in vielen Fällen die gleichen Probleme bei Unternehmen oder in gewissen Branchen sehen, handeln sie zwar häufig allein, bündeln aber auch gern ihre Kräfte und treten gemeinsam auf. Zu den bekanntesten Investoreninitiativen im Nachhaltigkeitsbereich zählt beispielsweise Climate Action 100+, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die größten Treibhausgasemittenten zu einer Reduzierung ihrer Emissionen zu bewegen.

Engagement findet in allen drei ESG-Bereichen statt. Im Governance-Bereich geht es mal um Führungsstrukturen, wie das einleitende Beispiel zeigt. Ein anderes immer wieder kehrendes Thema ist die Vergütung der Führungsebene. „Mit dem technologischen Fortschritt rücken zudem Datenschutz und Cyber Security auf die Agenda“, sagt Tan. Seine Kollegen haben im vergangenen Jahr beispielsweise mit einem Atomkraftwerksbetreiber, einer Fluggesellschaft und einer Bank über ihre Anstrengungen für die Abwehr von Cyber-Attacken gesprochen.

Lieferketten sind wichtiges Engagement-Thema

Im sozialen Bereich ist ein großes Engagement-Thema das Management einer nachhaltigen Lieferkette. Dies ist für viele Unternehmen eine große Herausforderung, da die Ketten oft um die ganze Welt reichen und sich durch weniger entwickelte Länder ziehen, in denen es an Transparenz mangelt. Hier lauern hohe Risiken, denn Kunden der westlichen Welt wollen keine Produkte, die mit Kinderarbeit, Menschenrechts- oder sonstigen Arbeitsrechtsverletzungen in Verbindung gebracht werden.

Im Umweltbereich ist der Umgang mit dem Klimawandel und speziell die Reduzierung von Treibhausgasemissionen das wohl wichtigste Engagement-Thema. Asset Manager pochen vor allem in emissionsstarken Branchen auf Bemühungen, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Zudem drängen sie auf die transparente Offenlegung der Emissionen und ihrer Entwicklung, um mögliche Risiken besser abschätzen zu können. So haben Fidelity-Analysten einen US-Gasproduzenten bestärkt, die Offenlegung der Scope-3-Emissionen, also der Emissionen entlang der Wertschöpfungskette, zu verbessern und sich ein Ziel für die Senkung ihrer CO2-Emissionen zu setzen. Letzteres fehlt noch, die Scope-3-Emissionen sollen jedoch im nächsten Jahresreport enthalten sein.

Handlungsbedarf sieht Fidelity beispielweise auch im Bankenbereich. Entgegen dem weltweiten Trend wächst in Südostasien, speziell in Singapur, die Finanzierung von Kohlekraftwerken. Zusammen mit anderen Investoren will der Asset Manager erreichen, dass die Banken auf kurzfristige Chancen mit Kohle verzichten und ihre Klimawandel-Strategien verbessern – mit Erfolg: Nachdem die erste Bank ihren Rückzug auf der Kohle-Finanzierung verkündet hat, sind andere gefolgt.

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