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Nachhaltigkeitsstudie: Leitlinien sind nur Lippenbekenntnisse

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Viele Firmen haben sich mittlerweile zu ihrer Verantwortung für die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards bekannt. „Lippenbekenntnisse“, stellen Experten der auf nachhaltige Kapitalanlagen spezialisierten Rating-Agentur Oekom Research und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PWC) in ihrer aktuellen Studie „Corporate Responsibility bei Auslandsinvestitionen“ fest. Denn an ausländischen Standorten liegen in vielen Branchen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander. Vor allem in Branchen wie Öl und Gas, Bergbau, Nahrungsmittel sowie Kommunikationstechnologien haben zwar viele Unternehmen Leitlinien für eine verantwortungsvolle Unternehmensführung formuliert, erklären die Forscher. Bei der Umsetzung gibt es jedoch nach wie vor große Defizite. In einigen Branchen sind Verstöße gegen die Richtlinien sogar eher die Regel als die Ausnahme. So weisen knapp zwei von drei Unternehmen aus der Unterhaltungselektronikbranche (62,5 Prozent) sowie mehr als jede zweite Firma (53,3 Prozent) aus der Computerbranche einen Verstoß im Bereich der Arbeitsrechte auf. Mit Menschenrechtsverletzungen wird mehr als jedes dritte Bergbauunternehmen und jedes fünfte Öl- und Gasunternehmen in Verbindung gebracht. Auch beim Thema Umweltschutz werden immer wieder Fälle massiver Umweltverschmutzungen publik. Dabei gewinne der Einfluss nachhaltig orientierter Investoren am Finanzmarkt immer mehr an Bedeutung, so die Experten. Mit rund 2,7 Billionen Euro betrug der Anteil nachhaltiger Kapitalanlagen 2007 am europäischen Gesamtmarkt bereits 17,6 Prozent. Marktbeobachter gehen beinahe einhellig davon aus, dass trotz beziehungsweise in Folge der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise der Marktanteil des nachhaltigen Investments weiter wachsen wird. Auch das Verhalten der Unternehmen in Schwellen- und Entwicklungsländern wird von Investoren zunehmend unter die Lupe genommen, erklären die Forscher. Für deutsche Unternehmen, die mit der zunehmenden Globalisierung ihre Auslandsinvestitionen in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert haben, bekommt angesichts dieses Trends das Thema verantwortungsvolle Unternehmensführung (Corporate Responsibility) zusätzliche Relevanz. „Unternehmen sollten neben einer umfassenden Analyse der sozialen und umweltbezogenen Situation in den Zielländern ihrer Auslandsinvestitionen die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in ihre Investitionsstrategie sicherstellen“, fordern die Experten. Dabei sollen soziale und ökologische Standards sowie Vorschriften der Unternehmensführung der Muttergesellschaft auch auf ausländische Standorte übertragen und klare Ziele vorgegeben werden. Durch konsequentes Corporate-Responsibility-Management lassen sich Probleme minimieren und somit letztlich ein strategischer Vorteil erzielen, so die Experten weiter. Auch für die Banken als Kreditgeber gilt es, die Bewertung von Sozial-, Umwelt- und Corporate Governance-Aspekten stärker in das Tagesgeschäft zu integrieren, um so den langfristigen Investitionserfolg abzusichern.

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