Rentnerpaar auf einer Bank: Eine Rürup-Rente kann die private Altersvorsorge ergänzen. | © imago images / Jochen Eckel Foto: imago images / Jochen Eckel

Altersvorsorge-Vehikel

Ein Investment in die Zukunft – die Rürup-Rente

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Wenn Kunden heute auf einen Finanzberater zukommen, um ihre Altersvorsorge zu gestalten, möchten sie dabei oft nicht einfach nur Standardlösungen wählen. Aus diesem Grund liegt das Augenmerk in diesem Bereich eher auf Finanzprodukten zur vollständig eigenverantwortlichen Geldanlage.

Dabei kann insbesondere die Rürup-Rente durchaus einen interessanten Beitrag leisten, weil sie hohe Steuereinsparungen mit sich bringt. Doch wie lässt sich ein gutes Rürup-Produkt in die Altersvorsorge von Selbstständigen oder Gutverdienern mit hohem Steuersatz einbauen?

Warum überhaupt die Rürup-Rente?

Zu starr, schlechte Produktauswahl und miese Renditen – die Liste der Argumente gegen die Rürup-Rente erscheint auf den ersten Blick lang. Trotzdem erweist sich ein genauerer Blick auf die staatlich geförderte Rente für Selbstständige als durchaus interessant. Auf der Haben-Seite stehen nämlich:

  • Flexible Einzahlungsmodelle (hoher Einmalbetrag, monatliche Zahlungen oder Kombinationen)
  • Enorme Steuerersparnis
  • Wachsende Möglichkeiten bei der Produktauswahl (nicht mehr nur klassische RVs)

Am stärksten sticht hierbei natürlich die mögliche Steuerersparnis heraus. Im Jahr 2020 kann ein Betrag von bis zu 25.046 Euro sinnvoll in einen Rürup-Vertrag investiert werden. Davon lassen sich 90 Prozent (22.541 Euro) als Sonderausgaben in der Steuerklärung geltend machen. Somit profitieren also Gutverdiener und Selbstständige in besonderer Weise von dieser Rentenform. Bei einem persönlichen Grenzsteuersatz von 42 Prozent (zu versteuerndes Einkommen: 57.400 Euro) könnte eine jährliche Einzahlung von 7.200 Euro zu einer Steuerminderung von 2.254 Euro führen.

Wer also hohe Summen investiert, erhält auf diesem Weg praktisch eine anteilige Beitragsrückerstattung in Form der Steuerersparnis in dem betreffenden Jahr der Einzahlung. Grund genug also, die Rürup-Rente für die private Altersvorsorge der eigenen Kunden zumindest in Erwägung zu ziehen.

Rürup-Rente ist bei Arbeitslosigkeit unantastbar

Ein weiteres Argument für die Rürup-Rente besteht darin, dass Nutzer diese nicht antasten müssen, wenn sie einmal auf ALG II angewiesen sein sollten. Wer hingegen einen eigenen Weg für die private Altersvorsorge wählt, wird dazu gedrängt, das Kapital zu verbrauchen, bevor der Staat mit ALG-II-Leistungen einspringt.  

Den richtigen Rürup-Vertrag wählen – worauf kommt es an?

Die Auszahlung der Rürup-Rente erfolgt später in Form einer regelmäßigen und lebenslang garantierten Rente. Diese besteht aus verschiedenen Komponenten:

  1. Die garantierte Rente (oft Beitragsgarantie)
  2. Überschussanteil

Doch welche Rürup-Verträge lohnen sich am Ende wirklich? Unter https://www.finanzen.de/altersvorsorge/ruerup-rente/test hat man sich dem Thema etwas intensiver gewidmet und einige interessante Verträge genauer beleuchtet. Die wichtigsten Entscheidungskriterien bei einem Rürup-Vertrag für die eigenen Kunden sind:

  1. Die Kosten

Gerade klassische Rentenversicherungen stehen in dem Ruf, dass ihre Kosten die mögliche Rendite auffressen. In der Vergangenheit waren Gesamtkostenquoten von 3-4 Prozent keine Seltenheit.

Mittlerweile existieren glücklicherweise auch günstigere Angebote, bei denen sich die Gesamtkosten mit 0,8-2 Prozent im Rahmen halten. Wer also eine gute Rürup-Rente sucht, sollte dafür sorgen, dass die Kosten als Renditefresser am Ende möglichst klein ausfallen.

  1. Die mögliche Rendite

Die mögliche Rendite wird bei entsprechenden Verträgen gleich in Form der auszahlbaren Rente angegeben. Gerade die garantierten Renten fallen dabei oft sehr bescheiden aus. Dies liegt an der Tatsache, dass gerade chancenorientierte Verträge versuchen, einen möglichst großen Anteil der Beiträge in renditeträchtige Anlagemöglichkeiten wie Aktien, Aktienfonds oder Indexfonds zu investieren. Aus diesem Grund garantieren die Anbieter oft nur die eingezahlten Beiträge oder weichen davon sogar nach unten ab. Dafür steigert sich die mögliche Rendite mitunter deutlich.

Wie bei einem herkömmlichen Aktieninvestment ist dies Rendite zwar nicht sicher, aber gerade bei der Nutzung von Indexfonds lässt sich ein gewisses Wachstum unterstellen.

Aus diesem Grund hängt die Rendite natürlich stark davon ab, welche Art Rürup-Vertrag am Ende gewählt wird. Fondsgebundene Alternativen stellen dabei bekanntlich die interessantere Wahl dar. Trotzdem kommt es hier auch immer auf die Auswahl der jeweiligen Fonds an. Einige Versicherer stellen dem Nutzer heute die Möglichkeit zur Verfügung, selbst die genutzten Fonds aus einer Vorauswahl zu selektieren. Leider bleibt diese Vorauswahl oft noch sehr begrenzt, weswegen ein genauerer Blick sich als unabdingbar erweist.

Wann lohnt sich eine Rürup-Rente?

Die Rürup-Rente ist vor allem für Selbstständige mit einem hohen Einkommen und entsprechend hoher Steuerlast konzipiert. So ermöglicht sie es auch Personen im Alter von über 50 Jahren, noch eine private Altersvorsorge aufzubauen. Wer dann einige Jahre lang jeweils den steuerlich begünstigten Höchstbetrag einzahlt, hat schnell einen attraktiven Kapitalbetrag aufgebaut, der dann noch 10-15 Jahre bis zur Rentenauszahlung wachsen kann.

Natürlich können auch Angestellte und Beamte mit hoher Steuerlast eine Basisrente in Anspruch nehmen und so zusätzlich steuermindernd für das Alter vorsorgen. Doch Achtung: Der Höchstbetrag für die Steuerminderung gilt auch für den Arbeitnehmeranteil der gesetzlichen Rentenversicherung.

Bei sehr kleinen Ansparbeträgen fällt der Steuereffekt hingegen nur sehr gering aus, was aufgrund der Progression die Einsparung minimiert.

Letztlich gilt es hier für den Finanzberater, die Lebenswirklichkeit der jeweiligen Person zu analysieren:

  • Wie hoch fällt die Steuerlast für den Kunden aus?
  • Hat dieser bereits sinnvoll für das Alter vorgesorgt?
  • Wie viel Zeit bleibt noch bis zum Renteneintritt?
  • Wie sieht das Risikoprofil der Person aus?

Die Antworten auf diese Fragen können Hinweise darauf geben, ob eine Rürup-Rente sich am Ende als Beimischung zum Portfolio lohnen kann. Letztlich sprechen Argumente wie die Steuerersparnis, die Sicherheit im Falle der Arbeitslosigkeit sowie die Möglichkeit, auch auf fondsgebundene Lösungen zu setzen, durchaus für einen genaueren Blick.

Achtung: Die Rürup-Rente wird im Alter versteuert. Auch wenn der dortige Steuersatz langsamer ansteigt als die Steuerminderung der Beiträge, gilt es auch hier, einen genaueren Blick auf die spätere Steuerlast zu werfen. Im Normalfall ergibt sich jedoch schon dadurch ein Vorteil, dass im Alter aufgrund geringerer Einkünfte auch die Steuerlast geringer ausfällt.

Rürup-Rente: In Einzelfällen durchaus interessant

Auch wenn die Rürup-Rente nicht gerade als besonders attraktiv gilt, wenn es um den Vermögensaufbau geht, kann sie die private Altersvorsorge durchaus sinnvoll flankieren. Die Steuerersparnis sowie die Absicherung des Kapitals im Fall von Arbeitslosigkeit machen das Ganze zu einem interessanten Konzept. Gerade für Selbständige, die sonst keine Rentenansprüche erwerben, stellt dies ein gangbarer Weg dar.

Dies ist auch im Hinblick auf Pläne der Regierung interessant, auch für Selbständige eine Altersvorsorgepflicht einzuführen. Sollten also Kunden mit entsprechenden Wünschen auf ihren Finanzberater zukommen, gehört die Rürup-Rente durchaus zum Katalog an Lösungen.    

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