Nachhaltigkeit gilt als gesellschaftlicher Maßstab für Zukunftsfähigkeit und Verantwortung – dadurch prägt sie zunehmend auch das Bild, das Unternehmen nach außen abgeben wollen. Eine positive Kommunikation des Themas im eigenen Kontext, bewusst gesteuert oder öffentlich zugewiesen, ist für sie wichtig, da sie das Image verbessert, Kunden und Investoren anzieht und die Wettbewerbsfähigkeit stärkt.

Wie die Studie Nachhaltigkeit versteht

Genau daran knüpft das Marktforschungsunternehmen Servicevalue bei einer aktuellen Untersuchung mit dem FAZ-Institut an. Diese versucht ein digitales Stimmungsbild der öffentlichen Wahrnehmung abzubilden, darüber, welche Unternehmen kommunikativ als nachhaltig gelten.

Insgesamt 93 Branchen wussten die Studienmacher zu unterscheiden, darunter auch die Gruppe der Versicherer. Eine objektive Untersuchung über echte Nachhaltigkeitsleistungen anhand von Kennzahlen oder gesetzlich geregelter Berichterstattung ist es indes nicht.

Die Methodik

Die Studie „Top Sustainable Companies 2025“ basiert auf einem umfassenden Social-Media-Monitoring, mit dem ermittelt werden soll, welche Unternehmen in Deutschland besonders häufig – und besonders positiv – im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit genannt werden. Dazu wurden im extrem langen Zeitraum von März 2023 bis Februar 2025 mehr als 100 Millionen frei zugängliche Online-Quellen analysiert: darunter Nachrichtenportale, Unternehmenswebseiten, Blogs, Foren und soziale Netzwerke. Insgesamt fließen laut der Autoren über 14,2 Millionen relevanter Nennungen in die Auswertung ein.

Mithilfe künstlicher Intelligenz werden laut der Studienmacher diese Beiträge automatisch den folgenden fünf Themenfeldern zugeordnet: Nachhaltigkeit, Ökologische Nachhaltigkeit, Soziale Nachhaltigkeit, Ökonomische Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit. Wie diese Einordnung zur gängigen ESG-Systematik passen soll, erklären die Studienmacher nicht. Für jedes dieser Felder werden die zwei zentralen Faktoren Tonalität und Reichweite bewertet.

Die Ergebnisse werden innerhalb der jeweiligen Branche normiert, um vergleichbare Bewertungen zu ermöglichen. Bewertet werden die fünf Nachhaltigkeitsdimensionen mit gleicher Gewichtung – also mit jeweils 20 Prozent Anteil an der Gesamtnote. Die Berechnung des Punktwertes erfolgt laut der Autoren auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten. Der jeweilige Branchensieger erhält 100 Punkte und setzt damit den Benchmark für alle anderen untersuchten Unternehmen innerhalb der Branche. Eine Auszeichnung erhalten diejenigen Unternehmen, die zum besten Drittel ihrer Branche gehören.

Mehr zur Methodik gibt es hier.

Wie Servicevalue viele Auszeichnungen produziert

Durch die Verfahrensweise werden Unternehmen nach ihrer relativen Leistung und nicht in absoluten Zahlen bewertet. Diese Verfahrensweise wurde vielfach kritisiert, unter anderem von Verbraucherschützern. Statistisch führt sie zwangsläufig zu einer hohen Zahl von Auszeichnungen. Dies ist erfahrungsgemäß dem Geschäftsmodell von Servicevalue geschuldet, bei dem prämierte Unternehmen Siegel zu Vertriebs- und Marketingzwecken erwerben können.

Bei den Versicherern konnte nach der Auswertungsmethodik von Servicevalue neben dem Branchensieger Generali 15 weitere Unternehmen zu vermeintlichen „Siegern“ deklariert werden.

Platz 10: LV 1871 (92,9 Punkte)
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Gebäude der LV 1871 in München. Bildquelle: LV 1871