In einem Beitrag zum vorherigen großen Update Anfang des Jahres hatte ich noch kritisiert, dass die Zyklen der Marktanpassung beim Volkswohl Bund in der Berufsunfähigkeitsversicherung zu lange dauern. Nun gibt es nach nur einem halben Jahr bereits die nächsten Neuerungen. Ich merke daran, dass sich in Dortmund personell etwas getan hat. Das Produktmanagement achtet jetzt verstärkt auf den Markt und reagiert schneller.
Verbesserung bei der Nachversicherung
Jahrelang war es im Markt in Stein gemeißelt, dass eine Erhöhung bei einem Ereignis nur um maximal 500 Euro stattfinden kann. Doch erste Versicherer lassen mittlerweile 50 Prozent der bisherigen BU-Rente zu. So jetzt auch der Volkswohl Bund. Eine Person kann beim Ziehen einer Erhöhungsmöglichkeit, wie zum Beispiel der Geburt eines Kindes, statt von 2.000 Euro auf 2.500 Euro jetzt direkt auf 3.000 Euro gehen. Für alle, die über 1.000 Euro beim Volkswohl Bund versichert haben, also eine Verbesserung.
Im Zuge dessen gab man der Erhöhungsmöglichkeit „Einkommensprung“ auch einen neuen Namen. Diese kennt man besser als Karrieregarantie, die mittlerweile von einer Vielzahl von Versicherern angeboten wird. Bei der Karrieregarantie des Volkswohl Bund sind nun Erhöhungen von bis zu 500 Euro möglich, solange die finanzielle Angemessenheit vorherrscht. Üblich am Markt ist eine prozentuale Erhöhung. Nachteil: Über die gesamte Laufzeit kann die Karrieregarantie für maximal 1.500 Euro in Anspruch genommen werden.
Die Dynamikform bleibt kompliziert, zeigt sich aber verbessert
Der Volkswohl Bund leistete sich bisher als einer der wenigen Produktgeber zwei unterschiedliche Formen der Beitragsdynamik zur Auswahl bei einem Neuantrag. Bei der „I-Dynamik“ gab es eine Steigerung nach dem Verbraucherpreisindex, aber von mindestens 2,5 Prozent. Zudem gab es die „Q-Dynamik“, die die bekannte Dynamik zwischen drei und fünf Prozent darstellte
Die „Q-Dynamik“ bleibt identisch, bei der „I-Dynamik“ gibt es aber eine kleine, sinnvolle Änderung. Die Steigerung beträgt mindestens drei statt wie bisher 2,5 Prozent. Aufgrund der Bindung an die Steigerung des Verbraucherpreisindex lag diese für Kunden mit entsprechendem Vertrag zuletzt aber wesentlich höher (2022 bei über 8 Prozent und 5 Prozent 2023) hatten. Die „I-Dynamik“ hat dabei den Charme, dass sie immer die Leistung um die mindestens drei Prozent erhöht, nicht aber den Beitrag. Denn jede Beitragsdynamik ist technisch gesehen so etwas wie ein Neuvertrag mit neuem Eintrittsalter.
An folgender Tabelle sieht man den Dynamikverlauf:
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Vermittler sollten zudem beachten, dass bei der Auswahl der Q-Dynamik ab einer gewissen Höhe eine Prüfung der finanziellen Angemessenheit erfolgt. Kommt man dieser nicht nach, endet die Erhöhung der BU-Rente. Dies ist bei der „I-Dynamik“ nicht der Fall, diese läuft, außer man widerspricht, einfach weiter.
Zeitlich befristetes Anerkenntnis wieder möglich
Bisher gab es einen Verzicht auf das befristete Anerkenntnis im Leistungsfall, wenngleich mit kleinem Hintertürchen. Nun schreibt man wieder klar und deutlich in seinen Bedingungen, dass ein zeitlich befristetes Anerkenntnis möglich ist und man damit wieder die Tarifnote „FFF+“ im Rating bei Franke & Bornberg bekommt. Bemerkenswerterweise ist es bei den Vergleichsrechnern von Morgen & Morgen oder Comparit ein Negativpunkt, wenn man nicht auf das befristete Anerkenntnis verzichtet. Makler bewerten diesen Punkt, für mich spielt er in der Beratung keine Rolle.
Verbesserung bei der Teilzeitklausel
Die Teilzeitklausel ist eine der jüngeren Neuerungen, welche Einzug in die BU-Bedingungen im Markt hielt, bei der es bei Versicherern und Vermittlerkollegen oft noch Interpretationsspielräume gibt. Der Volkswohl Bund hat mit seinem Update die Regelungen fraglos verbessert. Jetzt profitieren auch Selbstständige von der Teilzeitklausel, ebenso Personen, welche schon bei Abschluss Ihres BU-Vertrags nicht Vollzeit gearbeitet haben. Ebenso hielt die Günstigerprüfung mit dem Prüfverfahren von drei Stunden Einzug in die Bedingungen. Aus meiner Praxis kann ich berichten, dass die Regelungen der Teilzeitklausel von Kunden hinterfragt werden. Dieser Punkt hat eine gewisse Relevanz.
Klarheit bei der Antragsstellung des BU-Airbags
Der BU-Airbag ist ein Zusatzbaustein, der noch zu selten am Vermittlermarkt genutzt wird, teilweise ist es auch unbekannt. Grundsätzlich handelt es sich dabei um eine fondsgebundene Rentenversicherung, deren monatlicher Beitrag im BU-Leistungsfall übernommen wird. Der Clou am Airbag beim Volkswohl Bund ist, dass er die Einzahlung im Leistungsfall um fünf Prozent dynamisiert. 2025 sind maximal 322 Euro an Absicherung möglich.
Bisher gab es beim Volkswohl Bund dafür eine stark verkürzte Gesundheitsprüfung. Diese entfällt jetzt. Stattdessen kommt eine marktübliche dreijährige Wartezeit mit ins Spiel. Der Airbag eignet sich für alle, die bei der maximalen Höhe Ihrer BU-Rente angekommen sind, Ihre Altersvorsorge aber noch nicht in trockenen Tüchern haben oder generell bei der Aufbereitung der Gesundheitshistorie scheitern würden. Allerdings sind fehlende Gesundheitsfragen grundsätzlich kein Freifahrtschein.
Dabei solle jeder Vermittler die Thematik „eingebrachte Berufsunfähigkeit“ beachten. Sprich, wenn die Person schon jetzt nicht mehr voll arbeitsfähig ist und sich die Berufsunfähigkeit abzeichnet, sind Aktionen „ohne Gesundheitsfragen“ in meinen Augen nicht möglich.
Auch an der Preisschraube wurde gedreht
Wie so oft kommen mit einem neuen BU-Update auch Preissenkungen. Der Volkswohl Bund wirbt offen dafür, dass man bei verschiedenen Berufen vom Entwicklungsingenieur, über den Chirurgen oder Studenten der Physik auf Platz Eins oder Zwei im Marktvergleich steht. Ob es ein Ziel sein sollte, immer zum günstigsten Anbieter zu gehören, sehe ich durchaus kritisch. Schon jetzt sehe ich die BU-Kalkulation auf Messers Schneide, die mittelfristigen Folgen durch Leistungsfälle werden wir erst noch erleben.
Mein Fazit
Ich finde es gut, dass die Zyklen der sinnvollen Produktanpassungen nun kürzer vonstattengehen. Dafür sehe ich es weiterhin kritisch sehen, wenn immer alles besser und für viele Berufe es gleichzeitig immer günstige wird. Es ist aber sicherlich auch ein Drahtseilakt für den Versicherer, denn man lebt ja auch wiederum immer vom Neugeschäft. Das aktuelle Produktupdate bringt in jedem Fall Verbesserungen. Grundsätzlich sind die Bedingungen beim Volkswohl Bund nicht überdreht, sondern sehr solide und deshalb spielen die Dortmunder in der Gesamtbetrachtung eine große Rolle in meiner Beratung.
Über den Autor:
Tobias Bierl wurde 1984 geboren. Als ausgebildeter Versicherungsfachmann und Finanzanlagenfachmann gründete er mit seinem Bruder 2008 Stefan die Finanzberatung Bierl in Walderbach in der Oberpfalz. Als einer der Geschäftsführer liegt sein Schwerpunkt im Bereich Biometrie / Berufsunfähigkeitsversicherung. Bierl gewann 2019 den OMGV Makler-Award für den besten Blog / Content auf der Homepage und 2021 für die besten Kundenbewertungen.
