Nachruf Der Mann aus Korschenbroich
Zuletzt hatten wir noch viel vor, große Pläne. Eine jüngst von mir mitgegründete IT-Company in Berlin namens Science of Seconds sollte diese Pläne umsetzen. Wir wollten uns regelmäßig in der Hauptstadt treffen und mit den Jungs vor Ort Neues für die Fondsbranche entwickeln. Daraus wird nun nichts mehr. Seine Idee vom perfekten Robo-Advisor der neuen Generation hat er mit ins Grab genommen.
Begraben wurde der Gerd mit seiner letzten Zigarette und drei Urnen, die die Asche seiner früheren Hunde enthalten. Im Sarg hat er also alles dabei für die lange Reise, die er jetzt angetreten hat. Seine Hunde waren ihm immer treue Weggefährten, somit ist es konsequent und zeigt das Unkonventionelle an Gerd, dass er sie nun mitnimmt.
Wir alle, die ihn lange kannten, werden uns daran erinnern, wie wir mit ihm am großen Konferenztisch in Glehn saßen und Anekdoten über die Branche sowie viel Privates austauschten. Und wir erinnern uns, wie der Gerd dabei viel und herzlich lachte. Menschen waren ihm wichtig, er hing an ihnen. Ich erinnere mich auch noch an die warmen Apriltage Anfang der 2000er Jahre in Korschenbroich, an denen wir draußen im Gasthaus Dyk saßen, mitten im Grünen, und Pläne für das restliche Jahr schmiedeten, während es in Hamburg noch kalt war.
Vielleicht war es nicht so warm, wie ich es in Erinnerung habe, und vielleicht konnten wir nicht jeden April draußen sitzen. Realität verklärt sich halt, das wohnt ihr inne. So verklären sich auch Menschen im Rückblick. Entscheidend ist das Gefühl zu jemandem, das zurückbleibt. Vielleicht ist das der einzig wahre Bestandteil der Realität, den wir behalten. Und das Gefühl zu Gerd ist ein sehr großes und herzliches. Er war ein großer Mensch mit einem großen Herzen. Er nahm seine Mitmenschen ernst und fühlte mit ihnen. Er war nie fahrig oder gedanklich abwesend im Gespräch, egal wie es ihm ging, sondern immer ganz präsent. Er war also genau das, was einen großen Menschen ausmacht.
Mach et jut, Gerchd. Und komm gut drüben an. Du bleibst ein Teil der Branche. Und ein Teil derer, die dich kannten. Ob Rheinländer oder nicht.


