Olaf Scholz: Der Finanzminister steht für die Finanztransaktionssteuer in der Kritik. | © Getty Images Foto: Getty Images

Nachteile für Kleinanleger

Gutachten stützt Kritik an Finanztransaktionssteuer

Bei der Finanztransaktionssteuer handelt es sich im Kern um eine Kleinanlegersteuer, die Spekulanten schont: Zu diesem Ergebnis kommen die Wirtschaftswissenschaftler Hans-Peter Burghof und Robert Jung von der Universität Hohenheim, die im Auftrag der FDP ein Gutachten zu den Plänen des Bundesfinanzministeriums erstellt haben. Der Entwurf des Ministeriums um Finanzminister Olaf Scholz sieht vor, dass Anleger bei Aktienkäufen von Unternehmen mit mehr als einer Milliarde Euro Marktkapitalisierung 0,2 Prozent der angelegten Summe als Steuer abführen.

Insbesondere Privatanlager, die ihr Portfolio häufiger umschichten oder Geld in aktive Fonds anlegen, sind laut den Ökonomen von der Abgabe betroffen. Dazu rechnen sie konkrete Beispiele durch, denen die Rendite des Aktienindex Dax zugrunde liegt. So werden grundsätzlich in zehn Jahren aus 10.000 Euro vor eventuellen Steuern 21.951,19 Euro. Unterstellt man eine Finanztransaktionssteuer von 0,2 Prozent und schichtet jedes Jahr ein Zehntel des Portfolios um, sinkt der Endwert um 0,4 Prozent, rechnen Burghof und Jung vor. Vergleichbar wird es aber erst, wenn man den Abschlag auf den reinen Gewinn anrechnet. Und der würde um 0,73 Prozentpunkte schmaler ausfallen.

Die Einbuße wird größer, je länger das Geld liegt oder je reger man es verwaltet. Schichtet man also etwa ein Drittel des Portfolios pro Jahr um, kostet den Anleger eine solche Steuer bereits knapp 1,5 Prozentpunkte des Gewinns.

Wobei ja noch gar nicht feststeht, dass die Finanztransaktionssteuer nur bei 0,2 Prozent liegt. Laut Studie geistern auch Werte von 0,3 und 0,5 Prozent durch die Flure der Regenten. Sollte sie also bei 0,5 Prozent liegen, kostet das in zehn Jahren bei einer Umschichtung von einem Drittel des Portfolios 3,6 Prozentpunkte des Gewinns.

Klar, dass das kein Werbeschreiben für Aktien als Anlageform ist. Die ohnehin sehr geringe Quote von gegenwärtig etwa 16 Prozent der Anleger in Deutschland, die in Aktien investieren, dürfte sich durch Einführung der Steuer weiter verringern, urteilen die Autoren. Auch das ursprüngliche Ziel, Stabilisierungseffekte zu erzeugen, werde nicht erreicht. Aus einem geschätzten Handelsvolumen an den Finanzmärkten der Europäischen Union von mehr als 428 Billionen Euro unterliegen gerade einmal 2,2 Billionen Euro der Steuer, heißt es in dem Papier. „Wir haben es nicht mit einer Finanztransaktionssteuer zu tun, die in irgendeinem größeren Umfang die Märkte besteuert“, sagt Ökonom Burghof.

Petition gegen Finanztransaktionssteuer gestartet

Auch bei Branchenkennern stoßen die Pläne auf Kritik. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat eine Petition gegen die Steuer gestartet. Unter www.dsw-info.de/steuerirrsinn haben nach Angaben des Anlegervereins bislang knapp 29.000 Menschen unterzeichnet.

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