Nachwuchssorgen Provinz-Banken schnappen Global Playern die Top-Talente weg

Die Wallstreet in New York. Foto: Getty Images

Die Wallstreet in New York. Foto: Getty Images

// //

Die Regionalbanken locken Manager von ihren weltweit agierenden Konkurrenten mit einer noch nie da gewesen Leichtigkeit und Häufigkeit. Etwa die Hälfte der Kandidaten für Stellen im gehobenen Management bei Banken mittlerer Größe sind Menschen, in deren Lebensläufen sich Namen wie Citigroup  und JPMorgan finden, schätzt Robert Voth, Geschäftsführer für den Finanzdienstleistungssektor beim Personalberater Russell Reynolds Associates. Vor der Kreditkrise 2008 lag der Prozentanteil bei rund einem Fünftel, sagt Voth.  Regionalbanken sind zwar nicht die aggressivsten Jäger - mit den Verlockungen von Investmentgesellschaften und Technologieunternehmen können sie nicht mithalten - aber sie sind überaus motiviert. Neue Regulierungen, neue Technologien und der Wettbewerb durch Start-up Unternehmen zwingen sie zur Anpassung. Personalberater verweisen darauf, dass in manchen Fällen ganze neue Abteilungen aufgebaut werden. In diesen Fällen werden sie bei Firmen fündig, die ihnen einen Schritt voraus sind.
„Regionalbanken verfügen nicht über ein umfassendes Reservoir an Leuten mit diesen Fähigkeiten, deshalb müssen sie sich weiter oben umschauen“, sagt Voth. In Interviews äußert ein Dutzend von Führungskräften eine Reihe von Gründen für entsprechende Karriereschritte in den letzten beiden Jahren: Die Chance, weitreichende Entscheidungen mitzugestalten, ohne von der Bürokratie erschlagen zu werden; der Wunsch, sich in einer Turnaround-Situation hervorzutun, und eine bessere Vereinbarkeit von Arbeitsplatz und Familie. So kommt es, dass sich die Manager in die Dienste von Banken begeben, wie Regions Financial  in Birmingham im US- Bundesstaat Alabama oder Fifth Third Bancorp. in Cincinnati im US-Bundesstaat Ohio.
Die Manager machten keine Angaben zur Vergütung; einige sagten allerdings, sie sei wettbewerbsfähig. Während Geld im Fall von Stellenbesetzungen im Investmentbanking entscheidend ist, sagen Personalberater, dass Führungskräfte üblicherweise bei einem Wechsel anderen Faktoren Beachtung schenken. Einige der Interviewpartner baten darum, nicht namentlich zitiert zu werden, weil es ihnen nicht erlaubt ist, sich öffentlich zu äußern. Manche Unternehmen, darunter U.S. Bancorp und SunTrust Banks wollen nicht, dass neue Manager Interviews geben. Es folgen die Aufzeichnungen von jenen, die dazu bereit waren. Für Maria Teresa Tejada war es nach 16 Jahren bei Goldman Sachs klar. Der Weg in den Rang des heißbegehrten Status als Partner in der Wall Street Bank würde ihr verwehrt bleiben. Tejada war für die US-Bank in London in der Risikobewertung tätig, wo es schwierig war, ihren Vorgesetzten in New York klar zu machen, in welchem Umfang sie zum Ergebnis der Abteilung beitrug. Hinzu kam, dass sie Mühe hatte, einen Mentor zu finden, der sie darin unterwies, den Weg zum Partnerstatus einzuschlagen, was ihrer Einschätzung nach als Frau ohnehin schwieriger war. Als Leiterin des Kreditgeschäfts bei KeyCorp. in ihrer Heimatstadt Cleveland fand sie jene Verantwortlichkeit und Rolle in Entscheidungsprozessen, die sie angestrebt hatte. Goldman ist zwar nach Bilanzsumme und Erträgen neun Mal größer. Aber der Wegzug aus dem teuren Londoner Stadtteil South Kensington in die beste Wohngegend Clevelands, Shaker Heights, brachte unerwartete Vorteile mit sich. „Wir können hier unserer Tochter ein besseres Leben ermöglichen. Sie kann mit dem Rad zur Schule fahren und viel Zeit draußen verbringen. Es war nicht nur ein Karriereschritt, sondern auch eine Verbesserung meiner persönlichen Situation“, sagt Tejada.