Gunnar Dittmann

Gunnar Dittmann

Nahaufnahme: Gunnar Dittmann

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„Dem biblischen Bild von den sieben guten und sieben schlechten Jahren kann man viel abgewinnen, wenn man sich die Entwicklungen in der Beteiligungsbranche anschaut“, sagt Gunnar Dittmann. Gemeinsam mit vier Gesellschaftern hat er 2006 das Hamburgische Emissions Haus, kurz HEH, gegründet. „Als der Marktabschwung mit dem Lehman-Crash als Auslöser 2008 begann, hoffte ich noch, dass es nach zwei, drei Jahren vorbei sein könnte“, so Dittmann. „Doch war vom ersten Moment an klar, dass es unsere Pflicht ist, diese heftige Krise zu überstehen. Ganz egal, wie lange sie noch dauern wird.“ Er und seine Mitstreiter bei HEH bewältigen die Aufgabe bislang vorbildlich. Alle 15 an den Markt gebrachten Flugzeugfonds laufen im oder über Plan, keiner der vier emittierten Schiffsfonds ist in der Insolvenz, kein Mitarbeiter musste gehen. „Natürlich haben auch unsere Schiffsfonds Probleme“, so Dittmann. „Doch zumindest auf das Restrukturierungskapital gab es für die Anleger Rückflüsse, und die Banken zogen mit, die Schiffe am Leben zu halten.“ Der gelernte Immobilienkaufmann Dittmann bringt eine Menge Erfahrung mit wechselhaften Märkten mit. Von 1993 bis 1996 war er für den Vertrieb bei der Norddeutsche Vermögen verantwortlich, danach hat er das Emissionshaus Lloyd Fonds mit aufgebaut.

Aber ohne die Flugzeugfonds gäbe es auch Dittmanns Haus heute nicht mehr. Die Regionalflieger vom Typ Bombardier oder Embraer sind die tragende Säule. HEH entwickelte das Prinzip, während der Laufzeit des Erstleasingvertrags das Fremdkapital vollständig zu tilgen. Dittmann: „Wir haben zudem mit dem Leasingnehmer Flybe ausgehandelt, einen Leasingratenanteil in Euro an den Fonds zu zahlen. Zumindest bis das Flugzeug entschuldet ist, haben wir bei den Auszahlungen kein Euro-Risiko.“ HEH hat die britische Airline Flybe in Deutschland bekannt gemacht, sie ist heute mit 70 Fliegern die größte europäische Regionalfluggesellschaft.

Für zwei weitere Flugzeugfonds mit konservierter Vor-AIFM-Regelung hat HEH die Bafin-Vertriebszulassung in der Schublade. „Da warten wir aber, bis Flybe den konkreten Zeitpunkt bestimmt, wann sie die Flieger übernimmt“, so Dittmann. „Wir werden mit der Platzierung erst starten, wenn wir kein Rückabwicklungsrisiko mehr sehen. Das wäre ein absolutes Horrorszenario für uns, das wollen wir auf keinen Fall.“ Denn Fairness und Transparenz sind dem HEH-Chef sehr wichtig. Für ihn darf es nicht auf Kosten anderer gehen, sondern nur gemeinschaftlich. „Gerade wenn der Wind von vorn kommt, muss man zusammenhalten“, ist er überzeugt. „Irgendwann kommt der Moment, wo auch ich den Goodwill der Partner brauche.“ Mit seinem Ansatz gehört Dittmann zur zweiten Generation von Emissionshaus-Chefs, die nicht wie viele Altvordere den Anspruch hat, im Zweifel alles besser wissen und können zu müssen als die Mitarbeiter. „Das gesamte HEH-Team macht das Unternehmen aus, nicht ein einzelner Mensch”, sagt der 50-Jährige.

Kooperation mit dem Wettbewerb

Auch die Zusammenarbeit mit anderen Emissionshäusern ist für Dittmann kein Tabu. So kooperiert er mit Ökorenta im Treuhandbereich, und unlängst hat HEH gemeinsam mit Hesse Newman Capital bekanntgegeben, die Hamburg Asset Management zu gründen, um die neue Ära der regulierten Welt einzuläuten. Beide rufen auch die Vertriebsgesellschaft Hamburg Capital Partners ins Leben, um Kompetenzen zu bündeln. Dittmann: „Wir passen einfach gut zusammen. Das Persönliche muss stimmen, sonst macht für mich die Zusammenarbeit keinen Sinn.“

Hesse Newman bringt neben dem Immobilienschwerpunkt ebenfalls Schiffskompetenz mit. So ist Fantasie im Spiel für Zeiten, in denen der Seeverkehr wieder ins Blickfeld der Anleger rückt. „Das typische Containerschiffe mit Drei-Jahres-Charter wird wohl auf absehbare Zeit nicht platzierbar sein“, sagt Dittmann. „Aber eine Reedereibeteiligung mit Diversifikation über unterschiedliche Schiffsklassen und Charterverträge, dazu kürzere Laufzeiten der Anlage – da könnte man ansetzen.“

Stimmt seine Einschätzung vom biblischen Zyklus, könnte man spätestens in zwei Jahren schon von diesen neuen Produkten hören.

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