Name von EZB-Chef auf Napolitano-Nachfolgeliste

Draghi for President?

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Das Amt hat in den letzten Jahren an Bedeutung in einer zunehmend zersplitterten italienischen Innenpolitik gewonnen. Einem Mann der Statur von Draghi wird eine Rolle als Mediator zwischen den harten parteipolitischen Fronten offenbar zugetraut.

Von Draghi selbst ist immer wieder zu hören, dass er sich zwar geehrt fühle, für den Dienstsitz des Präsidenten im Quirinalspalast auf einem der sieben Hügel von Rom gehandelt zu werden - aber er wolle seinen Sitz in der gläsernen EZB-Zentrale in Frankfurt nicht eintauschen. Auch hier ist schließlich durchaus Geschichte zu machen, etwa wenn in der kommenden Woche über den bislang beispiellosen Ankauf von Staatsanleihen durch die Notenbank entschieden wird.

Ebenso wie der hochgeachtete Napolitano könnte Draghi als Staatspräsident die Glaubwürdigkeit für internationale Investoren verbessern, sagte Ökonom Marco Stringa von der Deutschen Bank AG in London. “Ich halte das aber für eine Fehleinschätzung”, sagt er, “denn als EZB-Präsident kann er eine wesentlich bedeutendere Rolle für die Eurozone und auch für Italien spielen.”

Vom Tisch sind die Gerüchte um den 67-jährigen Ex-Goldman- Banker damit allerdings nicht. Bei Treffen des Ministerpräsidenten Matteo Renzi mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel am 22. und 23. Januar in Florenz solle ein politischer Deal geknüpft werden, der einen sanften Übergang von der EZB in das Amt des Staatspräsidenten absichern soll - hieß es jedenfalls in einer Studie des Chefökonomen Stephen Lewis, von ADM Investor Services in London letzte Woche. Auch die Rolle von Draghi als italienischer Notenbankchef zwischen 2006 und 2011 spricht zumindest beim Blick in die Geschichte für einen Wechsel.

Mit dem Ökonomen Luigi Einaudi wurde der Notenbankgouverneur zwischen 1945 und 1948 zum ersten Präsidenten nach der Verfassungsreform. Und auch der spätere Notenbankpräsident Carlo Azeglio Ciampi war nach einer Phase als Übergangsministerpräsident zum Staatspräsidenten gewählt worden.

“Der Name von Draghi fällt immer wieder, weil er genau die richtige Figur zur Lösung der wirtschaftlichen und sozialen Probleme in Italien verkörpert”, sagte Wirtschaftsprofessor Marcello Messori von der Luiss-Universität in Rom, der auch die staatliche Eisenbahn Ferrovie dello Stato Italiane SpA leitet. Der bestens klingende Name könne Italien zu einem schwierigen Wendepunkt gut tun, sagte er.

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