Natixis-Experte warnt „Portfolio-Sicherungsstrategien können Verluste noch verstärken“

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Eigentlich sind viele dieser Produkte für ein durchdachte Portfolioplanung sinnvoll: Sie erschließen neue Ertragsquellen, diversifizieren das Portfolio und integrieren das Risikomanagement. Allerdings sollte Anlegern der mögliche Dominoeffekt zu denken geben: Zu viele Assets könnten zum selben Zeitpunkt in ähnliche Strategien fließen.

Die Schöpfer heutiger Modellrechnungen wollen uns zwar glauben machen, dass Risikomanagement-Modelle und -Ansätze den damaligen Modellen weit überlegen sind. Wir wollen auch nicht in Abrede stellen, dass sich Modelle weiterentwickelt haben. Anleger sollten dennoch skeptisch bleiben. Denn es ist unwahrscheinlich, dass die Modellrechner und ihre Produktentwickler Mutter Natur und ihre willkürlichen Ereignisse gänzlich unter ihre Kontrolle gebracht haben.

Noch weitere Faktoren des aktuellen Marktumfelds weisen Ähnlichkeiten mit damals auf: Die US-amerikanische Fed hatte gerade begonnen, ihre lockere Geldpolitik umzukehren, die Volkswirtschaft in den USA war schon geraume Zeit auf Wachstumskurs und Anleger sorgten sich um ungebührlich hohe Bewertungen ihrer Vermögenswerte. Wie Ende der Achtziger lenkt die Stärke der Weltwirtschaft von ein paar Schwachstellen des Marktes ab.

Wir erwarten nun keine Wiederholung der Ereignisse von 1987. Ereignisse, die einen Paradigmenwechsel einleiten, bleiben aber definitionsgemäß unvorhersehbar. Der auch als „Angst-Indikator“ bekannte Volatilitätsindex VIX ist absurd niedrig und lässt damit gerade das Potenzial künftiger Schocks vermuten.

Was immer der Auslöser sein könnte: Der wachsende quantitative und algorithmische Handel könnte Verluste unserer Ansicht nach in Zukunft noch ausweiten. Wie im Jahr 1987 steckt der Markt heute in der Klemme. Privatanleger verfügen heute über mehr Steuerelemente, um Vermögenswerte angesichts hoher Bewertungen und zunehmend restriktiver Zentralbanken zu schützen. Der Wunsch sich abzusichern und entsprechende Autopilot-Strategien könnten allerdings Verluste in Zukunft sogar noch verstärken.

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