Hans Jörg Naumer, Leiter Kapitalmarktanalyse von Allianz Global Investors

Hans Jörg Naumer, Leiter Kapitalmarktanalyse von Allianz Global Investors

Naumer unplugged „Negativzinsen sind eher die Regel als die Ausnahme“

Im März 2015 war es so weit: Die Euro-Zentralbank startete ihre Version des Quantitative Easings (QE, quantitative Lockerung). Bis Ende September 2016 will sie Monat für Monat Anleihen für 60 Milliarden Euro von den nationalen Zentral-banken des Eurosystems über den Sekundärmarkt aufkaufen lassen. Das Zinsgefüge blieb davon nicht unberührt. Negativzinsen sind eher die Regel als die Ausnahme.
Aktuell (Stand: Juli 2015) liegen gut 50 Prozent der Bundesanleiherenditen unter null, im Falle Frankreichs und der Niederlande ist es mehr als jede dritte Anleihe, die nominal negativ rentiert. Die Renditestruktur sollte dabei auch vor dem Hintergrund gesehen werden, dass die Zentralbanken der Welt insgesamt überwiegend im Zinssenkungsmodus sind. Seit der Lehman-Pleite kam es im Saldo zu über 500 Zinssenkungen weltweit. 44 davon alleine im laufenden Jahr. „Unter null“ aber heißt für Investoren, dass sie mit Sicherheit weniger zurückbekommen, als sie angelegt haben. Davon geht dann noch der Kaufkraftverlust namens Inflation ab. Von Steuern auf die Kupons ganz zu schweigen. Im Fall von Anleihen gilt: Investoren werden zu Sponsoren. Sponsoren von verschuldeten Staaten, die dringend von ihren Schuldenbergen herunterkommen müssen. Besser also Kursschwankungen aushalten und in Sachwerte investieren. Und was sind Unternehmensbeteiligungen wie Aktien anderes als Beteiligungen an Sachwerten?

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