Nebenwerte

Die lieben Kleinen

Eigentlich hat die Aktie von Sky schon Sendeschluss. Jahrelang pendelt der Kurs zwischen einem und 4 Euro. Dann aber: Der Bezahlsender meldet mehr als 3,5 Millionen direkte Abonnenten. Eine neue Online-Videothek, „Snap“. Zweikanalton für internationale Filme und Serien. Und die Champions-League-Rechte für die nächsten fünf Jahre. Das alles ganiert mit einer guten Portion Hoffnung – macht einen Kursanstieg von über 90 Prozent im Jahr 2013.

Sky war damit die stärkste Aktie des M-Dax, Aktienindex für mittelgroße börsennotierte Unternehmen in Deutschland. Einzige Bildstörung: Der Sender schreibt noch immer keine schwarzen Zahlen. Schon warnen einige Skeptiker davor, dass die Aktie deutlich zu teuer sei.

Dieselbe Warnung kann man mittlerweile für den kompletten Markt für Nebenwerte aussprechen. In einer Studie ermittelte Baring Asset Management, dass in Europa von Anfang 2013 bis Ende September 15,5 Milliarden Euro in Nebenwertefonds geflossen waren. Das bisherige Hoch liegt bei 8,2 Milliarden Euro – im gesamten Jahr 2010.

Zuletzt floss jeder vierte Euro aller Aktienfondskäufe in einen Nebenwertefonds. Auch das ist historisch betrachtet viel. Der Markt für Nebenwerte ist deutlich kleiner als der für Standardwerte. Das zeigt ein Beispiel am US-Aktienindex aus dem Hause Russell.

Demnach sind die 1.000 größten US-Unternehmen – aus dem Russell 1000 Index – an der Börse derzeit zusammen 19,8 Billionen Dollar wert. Die 2.000 nächstgrößten Unternehmen – aus dem Russell 2000 Index – bringen es dagegen auf gerade mal 2,0 Billionen Dollar. In anderen Ländern sind die Verhältnisse ähnlich.

Damit passiert das, was immer passiert, wenn viel Geld auf wenig Material trifft: Die Kurse blähen sich auf. „Das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei Small Caps spricht gegenüber den Large Caps je nach Region für eine Überbewertung zwischen 10 und 40 Prozent“, so Kapitalmarktanalyst Stefan Scheurer von Allianz Global Investors gegenüber dem „Manager Magazin“.

Allerdings relativiere sich das beim Vergleich von Buchwert der Unternehmen und Aktienkursen (Kurs-Buchwert-Verhältnis) etwas. Hier lägen Small Caps noch unter ihren Durchschnitten der vergangenen zehn Jahre.

Zocken auf den Aufschwung


Im Vergleich mit Large Caps (siehe Grafik) zeigt sich jedoch das Dilemma. Die Bewertungskennzahlen sind hoch.



Hier kann nur jene Eigenschaft helfen, die Marktteilnehmer Nebenwerten immer wieder zusprechen: Dass sie von Wirtschaftsaufschwüngen überdurchschnittlich profitieren. Weil sie mehr auf den Heimatmärkten aktiv sind. Und der Aufschwung kündigt sich für Europa zumindest in einigen Frühindikatoren endlich an.

Zudem haben Kleine immer die Eigenschaft, einfacher wachsen zu können als Große. Erst wenn sie das stärkste Wachstum hinter sich haben, werden sie zum Standardwert.

Wer nicht auf einen Aufschwung zocken will, hält sich von reinen Indexinvestments in Nebenwerten besser fern. Wenn ganze Märkte im Durchschnitt solche Bewertungen tragen, werden sie zu Stockpicker-Land.

Aktive Manager, die auf Indizes nicht viel geben, finden sicherlich noch günstige Aktien, die nicht mit dem Markt abstürzen. Und zwar gerade hier. „Die Schere zwischen Out- und Underperformern ist im Universum der kleinen und mittleren Werte größer als bei Blue Chips“, sagt Armand de Coussergues, Nebenwertemanager bei Financière de l’Echiquier.

Will heißen: Kennzahlen für einen Index sind letztlich doch nur ein Durchschnitt. Also liegt ein guter Teil der Indexmitglieder weit darüber, der andere weit darunter. Und den gilt es künftig zu finden. Mehr denn je.

Wenn die Kleinen gewinnen

Duelle zwischen Groß und Klein machen Riesenspaß – wenn der Kleine gewinnt. So kriegen Fußballfans noch immer ein Grinsen, wenn sie an das Spiel FC Bayern München gegen TSV Vestenbergsgreuth im DFB-Pokal am 14. August 1994 denken. Der Verein vom Land gewann mit 1:0.

In der Kunst ist Klein gegen Groß ein Klassiker. So ärgerte die Maus Jerry den Kater Tom in Cartoons drei Jahrzehnte lang. Seit 54 Jahren versucht das Römische Reich das kleine gallische Dorf mit seinen Bewohnern Asterix und Obelix zu erobern. Anders im Comic „300“: Hier verloren 300 Spartaner gegen das Heer der Perser.

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