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Nach Schwächephase
Nebenwerte – darum dürfte 2023 ein gutes Jahr werden
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Nach Schwächephase Nebenwerte – darum dürfte 2023 ein gutes Jahr werden

Lukas Spang
Lukas Spang: Der Gründer von Tigris Capital sieht nach stürmischer See aktuell wieder Sonnenschein für Nebenwerte voraus. | Foto: Tigris Capital/Fotomontage Jessica Hunold mit Canva

Das Börsenjahr 2022 war insgesamt ein sehr schwieriges und über die meisten Asset-Klassen hinweg auch ein schlechtes bis sehr schlechtes Jahr. Insbesondere Nebenwerte (Small & Micro Caps) beziehungsweise illiquidere Wertpapiere haben in der Breite deutlich verloren.

Während der deutsche Leitindex Dax 12,3 Prozent an Wert verlor, waren es beim Small-Cap-Index S-Dax beachtliche 27,3 Prozent. Es hat sich gezeigt, dass Investoren ihr Exposure in diesem Segment entweder reduziert oder gar komplett abgebaut haben. Mit Blick auf das neu begonnene Jahr 2023 gibt es meines Erachtens zahlreiche Indikatoren, die Hinweise auf ein wieder erfreulicheres Jahr an den Kapitalmärkten geben. Und gleichzeitig deutliches Nachholpotenzial bei Nebenwerten aufzeigen.

 

 

Nach dem Ausbruch des Kriegs in der Ukraine hatte sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft und den Unternehmen deutlich eingetrübt. Deutlich wurde dies an den Erwartungen des Ifo-Geschäftsklimaindex, der sich von Februar bis September massiv verschlechterte.

Einher ging dies auch mit einer historischen Verschlechterung beim Konsumklima. Die Unsicherheit im Sommer bestand bei den Unternehmensverantwortlichen einerseits aufgrund der deutlich gestiegenen Energiepreise sowie auf der generellen Energiesicherheit. Allerdings entwickelten sich die Gasvorräte in den Sommermonaten besser als erwartet, und der Winter fiel bislang relativ mild aus. Das hat Befürchtungen, dass Gas knapp werden und Versorgungsengpässe auftreten könnten, sukzessive aufgelöst. Dies zeigte sich zuletzt auch in wieder verbesserten Erwartungen der Unternehmen (in der Tabelle grün markiert).

Tabelle: Ifo-Geschäftsklimaindex (Dezember 2021 – Dezember 2022)

Tabelle Ifo-Geschäftsklimaindex
Quelle: https://www.ifo.de/fakten/2022-12-19/ifo-geschaeftsklimaindex-gestiegen-dezember-2022 © Ifo Institut/Tigris Capital

Infolge des Ukraine-Kriegs hatten sich die Preise für Rohöl und Erdgas erheblich erhöht. Damit trieben sie die Inflationsraten in Deutschland, der EU und in den USA an. Hierbei wurde die Inflationsrate sowohl direkt als auch indirekt, durch erhöhte Inputfaktoren bei den Unternehmen, beeinflusst. Aufgrund der Erhöhung der Gasbestände im Sommer, des milden Winters, einer etwas geringeren Nachfrage sowie einer Normalisierung an den Energiemärkten haben sich auch die Gas- und Ölpreise wieder deutlich von den Hochs entfernt. Während Rohöl der Sorte Brent derzeit wieder auf dem Niveau des Vorjahres liegt, hat sich der Preis für Erdgas auf Jahressicht sogar um rund 18 Prozent reduziert.

Grafiken: Inflationsraten (li.) und Erzeugerpreise 

Grafiken Inflationsraten Erzeugerpreise
Grafiken Inflationsraten Erzeugerpreise © Statista, Eurostat, Bureau of Labor Statistics/Tigris Capital

Damit hat sich der Druck von der Energieseite auf die Inflationsraten und auch Erzeugerpreise sehr deutlich reduziert. Auch die Futures für Gas haben sich von den zwischenzeitlichen Hochs wieder entfernt. Sie zeigen für die kommenden Monate ein stabiles Preisniveau.

Ein weiterer wichtiger Faktor, der die Inflationsrate beeinflusst, ist die Entwicklung der Stundenlöhne. In den USA stiegen die durchschnittlichen Stundenlöhne im Dezember um 4,6 Prozent an. Das lag sowohl unterhalb der Erwartungen (5,0 Prozent) als auch unterhalb des Lohnanstiegs im Vormonat (4,8 Prozent) lag. Damit reduziert sich ebenfalls der Druck auf die Unternehmen, ihre Preise weiter anzuheben.

In Europa wirkt der wieder stärkere Euro gegenüber dem Dollar der Inflation entgegen: Da Rohstoffe hauptsächlich in Dollar eingekauft werden, hat das im vergangenen Jahr zusätzlich zu erhöhten Einkaufskosten geführt.

Tabelle: Niederländische TTF Natural Gas Futures

Tabelle Dutch TTF Natural Gas Futures2
Quelle: https://www.theice.com/products/27996665/Dutch-TTF-Natural-Gas-Futures/data?marketId=5493476&span=3 © Intercontinental Exchange/Tigris Capital

Ein wesentlicher Faktor für die Korrekturen an den Aktienmärkten im vergangenen Jahr war auch die Reaktion der Notenbanken auf die deutlich erhöhten Inflationsraten. Während in Europa die EZB noch verhalten agierte, erhöhte die amerikanische Notenbank ihre Leitzinsen sehr deutlich auf zuletzt 4,25 bis 4,50 Prozent. Wiederholt hat Fed-Chef Jerome Powell das Ziel genannt, die Inflation einzudämmen, „until the job is done“.

Zuletzt hat die Fed eine Inflationsrate von 2,6 bis 4,1 Prozent für 2023 prognostiziert. Im Dezember 2022 reduzierte sich die Inflationsrate in den USA von 7,1 Prozent im Vormonat auf 6,5 Prozent. Die Markterwartungen für den Leitzins liegen für die kommenden Monate bei derzeit 4,87 Prozent.  Daraus abgeleitet ergeben sich für die kommenden beiden Notenbanksitzungen im Februar und März jeweils Zinserhöhungen von 0,25 Prozent auf dann 4,75 bis 5,00 Prozent. Ein Ende der Leizinserhöhungen wäre zugleich ein positives Signal für den Aktienmarkt.

Tabelle: Entwicklung der US-Leitzinsen 

Tabelle Leitzinsen USA
US-Leitzinsen nach Erwartungen von Tigris Capital © Tigris Capital

Nach drei positiven Börsenjahren für Dax und S-Dax war das vergangene Jahr 2022 insbesondere für den S-DAX sehr enttäuschend. Nur in den Jahren 2002 und 2008 verlor der Index für kleinkapitalisierte Unternehmen seit Gründung im Jahr 1999 mehr an Wert. Das verdeutlicht das deutlich verschlechterte Sentiment unter Investoren für dieses Marktsegment. Seit November 2021 hat sich der S-DAX gegenüber dem Dax mit einem Abstand von 18,3 Prozentpunkten deutlich schlechter entwickelt. Dagegen hatte er zwischen März 1999 bis November 2021 eine Outperformance von 319,0 Prozent aufgebaut.

Bereits in der Vergangenheit gab es immer wieder Phasen der Underperformance von Nebenwerten, an die eine längere Outperformance anschloss. Mit Blick auf die aktuelle Phase ergab sich bis zum Tiefpunkt Mitte Oktober 2022 eine Underperformance von 342 Tagen, die bislang drittlängste Phase. Nur in den Zeiträumen August 2018 bis März 2020 (567 Tage) und April 2007 bis Oktober 2008 (566 Tage) waren diese Phasen noch länger. Selbst wenn wir also noch einmal Tiefs wie im Oktober sehen würden und keine längere Phase der Underperformance unterstellen, hätten wir zur Jahresmitte das Ende dieser Phase erreicht.

Ein weiterer auffälliger Aspekt, der für ein besseres Börsenjahr 2023 spricht, ist der Fakt, dass in den Jahren seit 2000 nach einem schwachen Börsenjahr nahezu immer ein positives Jahr im Dax folgte. Lediglich Anfang der 2000er Jahre im Rahmen des Neuen Marktes und des Platzens der Dot-Com-Blase ergab sich für den Dax ein anderes Bild.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang: Nach einem schlechten Börsenjahr sind die Renditen im Dax immer zweistellig ausgefallen.

Tabelle: Index-Performance in Börsenjahren

Tabelle Index-Performance nach Börsenjahren
© Ariva, Darstellung Tigris Capital

Grafik: Delta zwischen S-Dax und Dax

Grafik Delta zwischen S-Dax und Dax
© Ariva, Darstellung Tigris Capital

Die dargestellten Indikatoren zeigen, dass sich die makroökonomische Situation in den letzten Monaten – zum Teil spürbar – verbessert hat. Zugleich ergibt sich ein weniger negatives Bild, als es vielfach wahrgenommen beziehungsweise dargestellt wird: Zwar stellen der Ukrainekrieg und eine mögliche Verschärfung der Situation zwischen China und Taiwan weiterhin geopolitische Risikofaktoren dar. Allerdings ergibt sich aus den aufgezeigten Indikatoren meines Erachtens derzeit ein positives Chance-Risiko-Verhältnis, um in den kommenden Monaten ein Aktien- beziehungsweise Small-Cap-Engagement auszubauen. Dafür sprechen ebenfalls zwei Kennzahlen: Die prognostizierte Free-Cashflow-Rendite für den S-DAX liegt bei 5,2 Prozent für 2023 – der EV/Ebitda (Unternehmenswert im Verhältnis zum Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) bei 10,8.


Über den Autor:
Lukas Spang berät mit seiner Fondsboutique Tigris Capital den Tigris Small & Micro Cap Growth Fund (ISIN: DE000A2QDSH1). Der Fonds für Klein- und Kleinstwerte existierte seit 2014 zunächst als Musterportfolio auf der Social-Investing-Plattform Wikifolio, wo Spang unter dem Namen „Junolyst“ aktiv ist. 2021 gründete der studierte Betriebswirt Tigris Capital und legte die Strategie als Fonds aus. 

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