Es beginnt mit einem Rührei. Nena Brockhaus, heute eine der bekanntesten deutschen Journalistinnen, Bestsellerautorin und gefragte Keynote-Speakerin, erinnert sich an einen Morgen in Düsseldorf – sie war 17, hatte die Nacht über in einem Club namens Glow gekellnert, und saß dann mit ihrer Kollegin Fabienne beim Frühstück. „Das Rührei hat auch noch nie so gut geschmeckt und es schmeckt auch bis heute nicht mehr so gut", sagt sie lachend. Der Grund: Sie hatte es selbst bezahlt. Mit ihrem eigenen Geld.

Dieses Bild – das Rührei als Symbol für die erste eigene Leistung, für Stolz und Unabhängigkeit – zieht sich wie ein roter Faden durch das Gespräch, das Malte Dreher beim private banking kongress in Köln mit Nena Brockhaus führte. Es war ein Gespräch über Geld, über Haltung, über Investitionen – und über die Frage, was finanzielle Freiheit für eine junge, erfolgreiche Frau im Deutschland von heute bedeutet.

Vom Kellnergeld zur ersten Investition

Brockhaus wuchs als Tochter eines Handwerksmeisters auf. Ihr Vater gründete seine eigene Firma, wurde damit vermögend und zahlte ihr eine Elite-Universität. Die Lektion, die sie daraus mitnahm: Es kommt nicht darauf an, was du lernst, sondern wie gut du darin wirst. „Wenn du der Beste bist, wirst du immer Erfolg haben", sagt sie. Eine Überzeugung, die sie auch auf den Journalismus anwendet – ein Bereich, dem viele abraten, weil man dort angeblich kein Geld verdienen könne. „Das ist übrigens Bullshit. Wenn man gut ist, kann man da auch Geld verdienen."

Den ersten großen Moment als Moderatorin mit einem mittleren vierstelligen Honorar, dann die erste fünfstellige Gage – da wusste sie: Jetzt kann ich über Investitionen nachdenken. Mit 27 verdiente sie bereits sechsstellig.

Einzelaktien statt ETFs – und ein klares Warum

Wer Nena Brockhaus fragt, wie sie investiert, bekommt eine überraschend klare Antwort: nicht in ETFs. „Ich investiere in Unternehmen, weil ich das irgendwie besser kann", erklärt sie. Ihr Ansatz ist intuitiv und journalistisch zugleich: Sie beobachtet, wer gerade bei einem Unternehmen das Ruder übernimmt, welcher Manager neue Energie bringt.

Daneben hat sie Rheinmetall im Depot, kaufte zuletzt Coca-Cola-Aktien – und investiert in Krypto. Alle zwei Tage schaut sie in ihr Portfolio. Nicht aus Nervosität, wie sie betont, sondern weil sie bei allem, was ihr Leben betrifft, „sehr erfolgsgetrieben" ist.

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Schmuck als Wertanlage – aber keine Handtaschen

Besonders aufhorchen lässt ein weiterer Baustein ihrer Anlagestrategie: Schmuck. Zu ihrem 30. Geburtstag kaufte sie sich hochwertige Diamantohrringe – nicht bei Tiffany, sondern beim Juwelier und mit klarem Blick auf den Werterhalt. „Ich glaube, dass Schmuck den Wert hält", sagt sie. Was sie explizit nicht empfiehlt: Handtaschen. „Die verlieren ganz schnell den Wert." Eine Birkin Bag? Gäbe es nur, wenn man sie wegschließt. Bei ihr käme das sowieso nicht in Frage – „ich gehe so unachtsam mit meinen Sachen um, das Investment mit der Kelly-Bag kriege ich bei meinem Mann nicht durch."

Der Koffer im Kopf

Das eigentliche Herzstück des Gesprächs ist ein Satz, der so simpel klingt und so viel sagt: „Ich finde, du musst die Möglichkeit haben, deinen Koffer zu nehmen und zu sagen: Weißt du was? Ciao."

Brockhaus ist nach eigenen Angaben glücklich verheiratet, liebt ihren Mann, der selbst sehr erfolgreich ist. Und trotzdem investiert sie konsequent in ihre eigene finanzielle Unabhängigkeit. Nicht weil sie der Ehe misstraut. Sondern weil sie grundsätzlich jede Frau in der Lage sehen will, ihr Leben aus eigener Kraft gestalten zu können – ohne auf Unterhalt angewiesen zu sein, ohne erst einen Anwalt anrufen zu müssen. „Finanzielle Freiheit bedeutet für mich: Ich kann morgen gehen. Dann kann ich mir die Wohnung, die ich will, in Düsseldorf anmieten und dann kann ich machen, was ich will."

Das Kindergeld ihres Sohnes investiert sie übrigens ebenfalls – monatlich, in Aktien, für ihn.

Der WOT Award: Leistung fördern, Freiheit ermöglichen

Wer denkt, Brockhaus spreche hier nur über sich, der liegt falsch. Hinter ihrer Überzeugung zur finanziellen Freiheit steckt auch ein konkretes gesellschaftliches Engagement. Gemeinsam mit ihrer Freundin Franca Lehfeldt hat sie den WOT Award ins Leben gerufen: ein Leistungsstipendium, das jungen Frauen am Ende ihres Studiums den Studienkredit zurückzahlt.

Die Inspiration kam aus Amerika, wo viele Familien Studienausgaben talentierter junger Menschen übernehmen. Und aus einer persönlichen Erfahrung: Eine Kindheitsfreundin musste ihr Studium selbst finanzieren, arbeitete nebenbei in der Pflege – und fand keine leistungsbasierten Stipendien, die zu ihr gepasst hätten. Mittlerweile haben Brockhaus und Lehfeldt bereits 150.000 Euro an Studienkrediten zurückgezahlt. Ihr Ziel: eine Million Euro. „Wir wollen erst aufhören, wenn wir eine Million zurückgezählt haben."

Geld als Mittel – nicht als Götze

Was bei allem Ehrgeiz und aller Konsequenz im Umgang mit Geld bleibt, ist eine bemerkenswerte innere Ruhe. Nena Brockhaus sagt offen, dass sie auch in einer Doppelhaushälfte mit 3.500 Euro brutto im Monat glücklich wäre. Dass ihr Glück nicht an ihrem Kontostand hängt. „Wenn man immer nur dem Geld nachrennt, dann ist Geld dein Götze. Und das will ich bei mir nicht haben."

Auf die abschließende Frage, wofür sie spontan eine hohe Summe ausgeben würde, antwortet sie ohne Zögern: „Für Ohrringe."

Diamanten, natürlich. Als Investition.