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Neuer Neobroker am Start
Alternative zu Scalable & Co.: Was Traders Place von den Platzhirschen unterscheidet
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Sven Stoll

Neuer Neobroker am Start Alternative zu Scalable & Co.: Was Traders Place von den Platzhirschen unterscheidet

Traders Place CEO Ernst Huber
Traders Place CEO Ernst Huber: Der neue Neobroker will mit Top-Angeboten am deutschen Markt mitspielen.
© Tradersplace.de / Ernst Kolarik

Börsenhandel fast zum Nulltarif? Das Verbot von Payment for Orderflow (PFOF) setze Neobroker in den vergangenen Wochen unter Stress. Genau deshalb kam die Nachricht ziemlich unerwartet, dass gerade jetzt mit Traders Place ein neuer Neobroker an den Start geht. Immerhin verspricht Ernst Huber, der als Gründer und CEO an der Spitze des neuen Unternehmens steht: „Unser Anspruch ist es, mit dem besten Angebot in Deutschland eine wichtige Rolle zu spielen. Wir sind der Neobroker 2.0, eine Wertpapierhandelsplattform der neuesten Generation.“

Herausforderungen für Traders Place: Ein hart umkämpfter Markt mit etablierten Konkurrenten

Dieses Versprechen einzulösen, dürfte allerdings schwierig werden – denn der Markt ist mehr als voll mit spannenden Wettbewerbern, von Smartbroker über Finanzen.net Zero bis hin zu den beiden bekanntesten Neobrokern Scalable Capital Broker und Trade Republic. Ganz zu schweigen von den immer attraktiver werdenden Angeboten der Full-Service-Direktbanken ING, Comdirect oder Consorsbank, bei denen man vom Girokonto über das Tagesgeld bis zum kostenlosen Depot alles aus einer Hand und übersichtlich in einer App bekommt. Warum also überhaupt wechseln?

Traders Place betritt den Markt spät und zunächst mit einem vertrauten Ansatz, ähnlich dem anderer Broker. Das Unternehmen bietet zunächst ein Gratisdepot inklusive Verrechnungskonto mit einer Verzinsung von 1,3 Prozent und kostenfreien Wertpapierhandel über die Börse Gettex ab einem Ordervolumen von 500 Euro. Dieser Ansatz mag vorerst aufgehen, dürfte aber auf Dauer schwer durchzuhalten sein. Das bevorstehende Verbot von Payment for Orderflow (PFOF) sieht vor, dass Börsenplätze Broker nicht mehr dafür bezahlen dürfen, dass sie als vermeintlich kostenfreier und besserer Handelsplatz bevorzugt werden. Daher werden sich fast alle Neobroker anpassen müssen. Dies könnte zum einen bedeuten, dass sie die Anzahl und Transparenz der Börsenplätze erhöhen und ihre Ertragsmodelle ändern, zum anderen, dass sie ihr Angebot an Investmentdienstleistungen erweitern.

Doch Gründer Huber geht davon aus, dass er damit keine Schwierigkeiten haben wird. „Unser Angebot vereint das Beste aus zwei Welten“, erklärt er. „Einerseits bieten wir alle Leistungen eines Neobrokers, wie den kostenlosen Handel über den Börsenplatz Gettex und den außerbörslichen Handel über die Baader Bank. Zum anderen bieten wir unseren Kunden alle Vorteile eines klassischen Brokers. Das bedeutet weltweiten Handel, ob in New York, London oder Tokio, und das zu einem Drittel der Gebühren herkömmlicher Anbieter“, betont Huber im Gespräch mit dem Online-Portal extraETF.

Mit diesen Features kämpft Traders Place um die Gunst der Kunden

Mit erstklassigen Konditionen, weltweiten Handelsplattformen und einer großen Auswahl an handelbaren Finanzinstrumenten will Traders Place seinen Mitbewerbern Marktanteile abnehmen. Konkret sind alle Orders und Ausführungen von Sparplänen in Aktien, ETFs und Fonds über den Handelsplatz Gettex kostenfrei. Gleiches gilt für den genannten außerbörslichen Handel. Für alle anderen Orders an deutschen Börsenplätzen fallen Gebühren in Höhe von 3,50 Euro pro Order an, während der Handel über internationale Plattformen mit fünf Euro zu Buche schlägt. Trader Place bietet den Handel an über 20 ausländischen Börsenplätzen an. Dazu gehören die New York Stock Exchange, die Nasdaq, London und die Schweiz.

Ein Unterschied zu herkömmlichen Neobrokern besteht darin, dass bei Traders Place auch Anleihen gehandelt werden können. Über Gettex werden den Nutzern keine Gebühren berechnet. Wer sich für Derivate interessiert, zahlt fünf Euro pro Ausführung. Außerbörslich sind Optionsscheine (Derivate) und Zertifikate je nach Premiumpartner (BNP Paribas, Morgan Stanley, Société Générale, Vontobel und UniCredit) entweder kostenlos oder der Handel kostet einen Euro. Ab dem vierten Quartal 2023 soll auch der direkte Handel mit Kryptowährungen möglich sein.

 

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Sparplanmöglichkeiten bei Traders Place im Vergleich

Abstriche müssen Anleger bei den Sparplanoptionen hinnehmen. Wer regelmäßig sparen möchte, kann aus einer Auswahl von Sparplänen wählen, von denen 350 auf Indexfonds entfallen. Im Vergleich dazu bieten andere Neobroker teilweise über 2.000 ETF-Sparpläne an. Traders Place ermöglicht auch das regelmäßige Sparen in Einzelaktien. Allerdings sind hier nur Dax- und M-Dax-Werte sowie 22 US-Aktien und zwei europäische Titel verfügbar.

Die Kunden von Traders Place führen ihre Depots und Abwicklungskonten bei der Baader Bank. Diese Bank mit Sitz in Unterschleißheim bei München gilt als einer der renommiertesten Wertpapier- und Bankdienstleister in Europa. Sie ist auch als Anbieter ähnlicher Dienstleistungen für Scalable Capital und bald auch für den neuen Smartbroker+ bekannt.

Zinsen auf dem Verrechnungskonto: Vergleich zur Konkurrenz

Für Zinsfanatiker sei noch erwähnt, dass Guthaben auf dem kontoungebundenen Verrechnungskonto bei Traders Place ab 1.000 Euro bis 1.000.000 Euro mit 1,3 Prozent verzinst werden. Auch hier wird von der Konkurrenz unter bestimmten Voraussetzungen mehr geboten. Trade Republic zahlt 2 Prozent Zinsen auf nicht investiertes Guthaben. Scalable Capital bietet seit dem 3. August 2,6 Prozent Zinsen für Prime-Plus-Nutzer. Ob das Angebot von Traders Place ausreicht, um sich von der Konkurrenz abzuheben, wird sich zeigen.

Für die Verbraucher ist das neue Angebot sicherlich positiv. Denn wenn es mehr Anbieter gibt, die ähnliche Produkte oder Dienstleistungen anbieten, kommt es in der Regel zu einem verstärkten Wettbewerb um Kunden und zu einem Preiskampf, bei dem die Anbieter versuchen, ihre Preise zu senken, um wettbewerbsfähig zu bleiben und Kunden zu gewinnen.

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