Der Hamburger Maklerpool und Plattformanbieter Netfonds wird vom Private-Equity-Investor Warburg Pincus übernommen. Gleichzeitig geht Netfonds eine strategische Partnerschaft mit dem Lübecker Pool Blau Direkt ein, der sich bereits seit 2022 im Portfolio von Warburg Pincus befindet. Damit entsteht unter dem Dach Warburg Pincus eine neue Gruppe mit einem kombinierten Umsatz von mehr als 550 Millionen Euro und rund 600 Mitarbeitenden, wie die drei Unternehmen in einer gemeinsamen Mitteilung erklären.

Anlässlich der Übernahme verliert Netfonds auch seinen Status als börsennotiertes Unternehmen: Warburg Pincus unterbreitet den Netfonds-Aktionären ein öffentliches Kaufangebot zu 78,25 Euro je Aktie. Das entspricht laut Unternehmensangaben einer Prämie von 78,3 Prozent auf den volumengewichteten Dreimonatsdurchschnittskurs der Netfonds-Aktie. Anschließend soll Netfonds vollständig von der Börse genommen werden. Das Angebot unterliege nicht dem Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz (WpÜG), da die Netfonds-Aktie nicht an einem organisierten Markt im Sinne des Gesetzes notiert ist.

Zwei Pools, eine gemeinsame Eigentümerstruktur

Die Transaktion bringt zwei der größten deutschen Maklerpools unter ein gemeinsames Dach – mit ausdrücklich komplementärer Aufstellung. Netfonds soll seine Stärken im Investmentbereich, bei Regulatorik und in der hauseigenen Technologieplattform Finfire einbringen, Blau Direkt dagegen seine langjährige Erfahrung im Versicherungsbereich, samt Automatisierungsprozessen und zugehöriger Infrastruktur. Bislang hatte Blau die Investmentabwicklung über den Erftstädter Maklerpool Fondsnet angeboten. 

Netfonds und Blau Direkt sollen auch zukünftig als eigenständige Einheiten erhalten bleiben, dabei behalte Netfonds innerhalb der gemeinsamen Gruppe seine Marke, den Standort Hamburg und seine Unternehmenskultur bei, wie die Unternehmen in der  Mitteilung betonen. Das Netfonds-Management beteilige sich an der gemeinsamen Holding unter dem Warburg-Pincus-Dach und bleibe auch in der Führungsverantwortung.

Netfonds-Chef Martin Steinmeyer spricht von einer Partnerschaft, die Netfonds „schneller, stärker und relevanter“ machen solle. Blau-Direkt-Chef Ait Voncke ergänzt, man wolle gemeinsam das „Betriebssystem der Branche“ definieren – mit besonderem Fokus auf KI-Anwendungen.

Konsolidierung im Poolmarkt schreitet voran

Der Deal ist ein weiterer Schritt in einer bereits länger anhaltenden Konsolidierungsbewegung im deutschen Maklerpoolmarkt. Der Münchner Maklerpool Fonds Finanz, nach Rohertrag gemessene Nummer die Nummer eins am deutschen Maklerpoolmarkt, gehört mehrheitlich dem Private-Equity-Investor HG Capital.

Mit Netfonds schließt sich nun auch der drittgrößte Pool – zuletzt mit einem Rohertrag von knapp 48,8 Millionen Euro knapp vor Blau Direkt (48,0 Millionen) – dem Trend zur externen Kapitalstruktur an, wenngleich Steinmeyer die Entscheidung seiner Wettbewerber für Private Equity bislang stets ambivalent kommentiert hatte.

Netfonds war 2018 an die Börse gegangen und hatte sich in der Folge als börsennotierter, gleichwohl gründergeprägter Anbieter positioniert. Der Vorstand und sein Umfeld hielten zuletzt noch mehr als die Hälfte der Anteile. Auf die Frage nach einem möglichen Verkauf hatte Steinmeyer in der Vergangenheit stets auf die Notwendigkeit einer strategischen und kulturellen Passung zwischen Investor und Unternehmen verwiesen.

Technologie und KI als Wachstumsmotoren

Strategisch wollen Netfonds und Blau Direkt ihre IT-Kapazitäten bündeln und gemeinsam in KI-Anwendungen investieren. Blau Direkt hatte zuletzt mit dem Thema Agentic AI auf sich aufmerksam gemacht und KI-Agenten für die Maklerverwaltung angekündigt; Netfonds verfolgt eigene Entwicklungen rund um die Finfire-Plattform. Bereits zuvor hatten beide Häuser im Rahmen der Brancheninitiative rund um den Vergleichsrechner „Comparit“ kooperiert.

Auch die von Blau Direkt aufgebaute Infrastruktur rund um die Unternehmenstochter „Tjara“, Spezialist für Bestandskäufe, soll zukünftig auf Netfonds ausgedehnt werden. Die Unternehmen kündigen an, „marktführende Lösungen für die Bestandsnachfolge im Investment- und Versicherungsbereich“ entstehen zu lassen. Das Thema Bestandskäufe ist in der alternden deutschen Vertriebsbranche aktuell ein besonderes Fokusthema. Netfonds hatte erst jüngst angekündigt, ab der ersten Jahreshälfte 2026 auch selbst Maklerbestände zu übernehmen.