Neue Asien-Euphorie: Berechtigte Zuversicht oder Kontraindikator?

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In Asien investieren – diese Aufforderung verhallte 2009 und auch 2010 lange ungehört wie der sprichwörtliche Ruf in der Wüste. Nach dem Absturz 2008 war den meisten Anlegern die Lust auf Ferne vergangen. Angesagt war vielmehr alles, was nach Sicherheit aussah: Staatsanleihen, zumindest bis der Euro ins Schwanken kam, Wohnimmobilien und – als Beimischung – Gold. Noch im Frühjahr 2010 sprangen dem Anleger auf Investmentbörsen an jeder Ecke Goldmünzen oder Waldbeteiligungen ins Auge.

Asieninvestments dagegen waren rar. Der Grund? Deutschlands Anleger teilen sich leider zwei Eigenschaften mit der Finanzbranche und den Medien. Viele haben zum einen ein Elefantengedächtnis für schlechte Börsenerfahrungen und übersehen lange, dass nach einem Tal in der Regel wieder ein Aufschwung kommt. Zum anderen warten sie mit ihren Investitionen ab, bis der breite Herdentross verspätet auf den Börsenzug aufspringt.

Warnende Ähnlichkeit mit der Asienkrise 1997/98

Heute gelten Asiens Wirtschaftsgrößen wie China, Indien, Taiwan oder Korea als potenzielle Retter der Weltwirtschaft mit anhaltend hohen Wachstumsraten und damit einem vermeintlich unaufhaltsamem Börsenaufschwung. Richtig ist: Asien hat eine große, relativ junge, arbeits- und konsumfähige Bevölkerung. Die Staatsschulden sind vergleichsweise gering, und der Kontinent wird vermutlich über viele Jahre weiterhin ein für unsere Maßstäbe außergewöhnlich hohes Wirtschaftswachstum aufweisen.

Doch sind die Euphorie und die Hoffnung auf unaufhaltsame Börsengewinne damit berechtigt? Wer heute einsteigt, übersieht vielleicht, dass Asiens Börsen (ohne Japan) seit dem Tief im November 2008 durchschnittlich bereits 145 Prozent zugelegt haben. Dies reicht allerdings nicht, um den Absturz der Finanz- und Wirtschaftskrise, nämlich einen Verlust von 66 Prozent, bis heute auszugleichen. Anleger, die hoffen, dies lasse noch einiges an Luft, sollten ein Blick in die Vergangenheit zumindest warnen. Die jüngste Entwicklung ähnelt nämlich der Asienkrise von 1997/1998 fast aufs Haar.

Auch damals waren die Kurse zunächst um 66 Prozent eingebrochen. Dann stiegen sie um 155 Prozent (das wären vom heutigen Niveau aus betrachtet nur noch vier Prozent), ohne das Vorkrisenniveau zu erreichen. Und anschließend? Fielen sie erneut um 43 Prozent fast auf das alte Tief zurück, bevor sie zu einem schwankungsreichen Aufschwung ansetzten.

Der typische Anleger kauft hoch und verkauft tief

Viele Anleger, die heute investieren, tun dies mit einem Anlagehorizont von drei bis fünf, vielleicht auch zehn Jahren. Die Erfahrung der Vergangenheit spricht dafür, dass für Asiens Börsen insgesamt in solchen Zeiträumen zwischenzeitliche Rückschläge von 40 bis 60 Prozent zur Normalität gehören. Investitionen in einzelne Länder können auch leicht um 70 Prozent einbrechen.

Die meisten deutschen Anleger werden solche Schwankungen, so gut die Langfristperspektiven sein mögen, nicht durchhalten. Folglich werden sie, wie schon in der Vergangenheit, relativ hoch einsteigen, im Abschwung tief verkaufen und dann erneut ihre Wunden lecken – bevor das Spiel von vorne beginnt.

Börsenefolg in Asien braucht eine intelligente Wertsicherungssystematik

Die Hoffnung, dass die üblichen Investmentfonds dieses Dilemma für den Anleger lösen, dürfte sich kaum erfüllen. 99 Prozent aller Asienfonds, so gut sie auch gemanagt sein mögen, sind sogenannte Benchmarker, die einen Vergleichsindex schlagen wollen.

Im guten Fall fallen sie um 45 Prozent, wenn der Index um 50 Prozent abtaucht. Wer dies weiß, sollte das typische zyklische Anlegerverhalten vermeiden – durch einen aktiven Investmentansatz mit Wertsicherungssystematik.


Zum Autor: Ekkehard Wiek ist Geschäftsführer der W&M Wealth Managers (Asia) Pte. Ltd. in Singapur und der Asia4Europe Investment GmbH in Ettlingen und einer der Experten von www.vermoegensprofis.de. In DAS INVESTMENT.com äußern sich renommierte Vermögensverwalter in regelmäßigen Kolumnen zu aktuellen Finanz- und Kapitalanlagethemen.

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