Die Neue Assekuranz Gewerkschaft (NAG) hat die jüngsten Forderungen des Vorstandsvorsitzenden der Munich Re, Joachim Wenning, zurückgewiesen. Dieser hatte in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ unter anderem eine Aufweichung der Höchstarbeitszeitgrenzen, eine Reform des Kündigungsschutzes, die Streichung von Feiertagen, vor allem in Bayern, und längere Lebensarbeitszeiten gefordert.

Wenning mit grundlegenden Forderungen an Wirtschaft und Politik

Dabei hatte sich der Konzernchef grundlegend zur deutschen Wirtschaft geäußert und auch Forderungen an die Politik gerichtet. Explizit von seinem Unternehmen oder der Versicherungsbranche sprach Wenning nicht. Doch die NAG scheint die Aussagen des 59-jährigen Managers auch als Angriff auf die eigenen Mitglieder zu werten. So fällt die nun veröffentliche Mitteilung der Gewerkschaft auffallend scharf und polemisch aus. Unter anderen unterstellen die Interessenvertreter Wenning den Verlust der Bodenhaftung,

NAG unterstellt Realitätsverlust

Gaby Mücke, Vorsitzende der Spezialgewerkschaft und Mitglied im Aufsichtsrat der Munich Re sagt: „Offensichtlich ist manch mehrfacher Millionär nicht mehr hinreichend in der Lage, die Arbeits- und Wirtschaftsrealität seiner Beschäftigten wahrzunehmen.“ Während die Beschäftigten in den vergangenen Jahren Reallohnverluste erlitten hätten, seien sowohl die Vorstandseinkommen als auch die Dividenden im Konzern der Munich Re immer weiter gestiegen. „Wasser predigen und Champagner schlürfen steht dem Munich-Re-Vorstand nicht gut zu Gesicht“, so Mücke.

Bei der Munich Re gibt es angeblich Schließungs- und Arbeitsplatzabbaupläne

Und weiter: Neben Reallohnverlusten hätten die Beschäftigten, auch in der Munich-Re-Gruppe, hierzulande mit hohen Krankenständen, Arbeitsrückständen und Arbeitsplatzrisiken zu kämpfen. „Gerade aktuell sind Betriebsräte in der Gruppe mit neuerlichen Schließungs- und Arbeitsplatzabbauplänen konfrontiert. Vielleicht wünscht sich Herr Dr. Wenning eine Abschaffung des Kündigungsschutzes, um zugunsten seiner Aktionäre und des Vorstands künftig Beschäftigte kostengünstiger entsorgen zu können“, so die Gewerkschafterin.

 

Maßnahmen und Dialog wegen sinkender Arbeitgeberattraktivität gefordert

Dabei sende Wenning mit seinem Vorstoß die vollkommen falschen Signale in die Branche. „Die Versicherungswirtschaft kämpft mit dem demographischen Wandel und einer immer weiter abnehmenden Arbeitgeberattraktivität“, sagt Mücke. Ausbildungsplätze und frei werdende Stellen würden nicht oder nur unter größten Mühen besetzt. Das gelte auch für die Munich-Re-Gruppe. „Eine deutliche Steigerung der Wertschätzung der Beschäftigten, etwa durch eine höhere Arbeitsplatzattraktivität und einer wesentlich stärkeren Beteiligung an den Gewinnen des Konzerns, wäre der richtige Weg“.

Sich stattdessen „als Hardliner gegen die Beschäftigten zu positionieren“, lehnt die Gewerkschaft nach eigener Aussage klar ab. Es sei vielmehr ein Dialog von Arbeitgebern und Gewerkschaften geboten, um die Arbeitgeber der Branche wieder attraktiver zu machen. Mücke: „Zu diesem Dialog laden wir auch Herrn Dr. Wenning herzlich ein.“