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Oliver Zastrow (Gastautor)Lesedauer: 4 Minuten

Vermögensverwalter Albrecht, Kitta & Co. Neue Ernährungstrends schmecken auch Anlegern

Kiosk für vegane Produkte in Wien
Kiosk für vegane Produkte in Wien: Vegane Ernährung liegt international im Trend. | Foto: imago images / Manfred Segerer

Bei der Entwicklung neuer Lebensmittel spielt Singapur in der ersten Liga. In dem Stadtstaat hat beispielsweise das Unternehmen Turtletree ein Verfahren entwickelt, mit dem sich ohne Kühe Milch produzieren lässt. Dabei werden Stammzellen von Milch verwendet. Ein Bioreaktor wandelt dann Nährflüssigkeit um. Angeblich ist diese künstliche Milch identisch mit tierischer. Allerdings braucht die Herstellung keine Massentierhaltung, die jede Menge Treibhausgase in die Atmosphäre bläst. Die CO2-Bilanz dieser künstlichen Milch fällt 98 Prozent geringer aus als bei herkömmlicher. Allerdings ist die künstlich hergestellte Milch noch sehr viel teurer als normale Kuhmilch. 

Oliver Zastrow, Foto: Albrecht, Kitta & Co.

Zwar können Anleger nicht in das Start-up in Singapur investieren, aber indirekt über Beyond Meat, welches an Turtletree beteiligt ist. Beyond Meat ist selbst im vergangenen Jahr mit einem Ausgabepreis von 25 Dollar an die Börse gegangen und notiert jetzt im Bereich von 125 Dollar. Das Unternehmen hat mit einem extremen Aufwand vegetarische Hamburger-Patties entwickelt, die im Geschmack und bei der Konsistenz sehr nah an fleischliche Bouletten herankommen. Seitdem hat das US-Unternehmen die Produktpalette schrittweise erweitert. 

Gebot für Konsumenten und Anleger wächst 

Noch sind die Aktien von Beyond Meat für Anleger, die auf vegetarische Fleischersatz-Produkte setzen möchten, ziemlich ohne Alternative. Das könnte sich aber schon bald ändern. Konkurrent Impossible Foods steht angeblich kurz vor einem IPO, sei es klassisch oder per SPAC. So oder so rechnen Analysten mit einer milliardenschweren Emission. Was Impossible Foods noch plant, hat Oatly bereits geschafft. Der schwedische Hersteller von Hafermilch ging im Mai an der Wall Street aufs Parkett, ebenfalls mit einer gigantischen Bewertung. 

Ähnlich wie Turtletree an künstlicher Milch arbeitet, entwickeln rund um den Globus Start-ups In-vitro-Fleisch, also Kunstfleisch, das im „Glas“, also im Labor wächst. Zwar nimmt vor allem in den westlichen Ländern die Zahl der Vegetarier und Veganer permanent zu, aber es wird auch in der Zukunft eine Vielzahl von Menschen geben, die tierisches Fleisch essen möchten.  

Die Unternehmensberatung McKinsey erwartet schon im Jahr 2030 mit Fleisch aus dem Biorektor ein Marktvolumen von circa 25 Milliarden Dollar. Der renommierte Zukunftsforscher Lars Thomsen prognostiziert, dass In-vitro-Fleisch schon in wenigen Jahren nur noch 30 Euro pro Kilo kosten wird. Dann wäre es bereits mit den Konkurrenz-Produkten vom Biofleischer preislich auf Augenhöhe – der technische Fortschritt wird das möglich machen. Schon heute gibt es erste Test-Restaurants, die das künstlich erzeugte Fleisch anbieten. 

Ähnlich wie die Milch- und Fleischproduktion künftig wohl vom Stall ins Labor wandern, wechselt der Anbau von Lebensmittel zumindest teilweise vom Land in die Stadt. Vertical Farming heißt hier das Stichwort. Dabei handelt es sich um spezielle Gewächshäuser, in denen Pflanzen auf mehreren Etagen übereinander wachsen. Künstliche Beleuchtung macht das möglich. 

Vertical Farming bietet gleich mehrere Vorteile. So ist der Anbau auch im Winter möglich. Außerdem fällt der Wasserverbrauch sehr viel geringer als in der herkömmlichen Landwirtschaft aus. Und Pestizide werden gänzlich obsolet, weil es hier keine Schädlinge gibt. Schließlich lassen sich bislang ungenutzte Flächen in den Städten nutzen.  

Die Crux beim Investieren

Allerdings sind die Lebensmittel aus den neuartigen Gewächshäusern wie die künstliche Milch und das Fleisch aus dem Labor noch zu teuer. Der Grund ist vor allem der hohe Stromverbrauch, der durch die Beleuchtung und die konstanten Temperaturen entsteht. Aber auch hier dürfte der technologische Fortschritt für eine zunehmende Kostendegression sorgen. 

Bei Investments in Unternehmen, die in völlig neuen Trends der Lebensmittelproduktion agieren, gibt es allerdings eine Crux. Diese Start-ups sind in der Regel noch gar nicht an der Börse notiert und für den „normalen“ Anleger damit nicht investierbar. Gleichzeitig verfügen die Unternehmen, die den Sprung an die Börse bereits geschafft haben, über ausgesprochen ambitionierte Bewertungen – siehe Beyond Meat oder Oatly.  

Anleger können jedoch auf zwei Arten einen Umweg nehmen. Entweder sie investieren in die Zulieferer, die beispielsweise Öle oder Aromen für vegetarische Bouletten und Co. herstellen. Oder sie greifen bei etablierten Lebensmittel-Konzernen zu, die zwar kein Pure Play darstellen, aber zum Teil über ein breites und stark wachsendes Angebot vegetarischer oder veganer Produkte verfügen. 


Über den Autor:
Oliver Zastrow arbeitet als Direktor beim unabhängigen Vermögensverwalter Albrecht, Kitta & Co. in Hamburg.

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