Neue Freundschaften

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(Quelle: DAS INVESTMENT) Robert Zoellick kann mit den Ergebnissen des Lissabonner Gipfeltreffens europäischer und afrikanischer Staatoberhäupter nicht zufrieden sein. „Auf globaler Ebene muss Europa marktverzerrende Subventionen abbauen und die Märkte öffnen“, hatte der Präsident der Weltbank vor der Konferenz gefordert. „Denn hohe Subventionen in reichen Ländern begrenzen die Exportmöglichkeiten für effiziente Erzeuger in Entwicklungsländern.“ Anfang Dezember 2007 wurden Handelsfragen jedoch ohne handfeste Beschlüsse vertagt, so wie schon beim vorherigen Treffen 2000.

„Das waren sieben verlorene Jahre“, kritisiert Alpha Oumar Konaré, Vorsitzender der Afrikanischen Union. „Doch Afrika ist nicht stehen geblieben.“ Während sich die Europäer vor ausländischer Konkurrenz abschotteten, ist der schwarze Kontinent näher an Asien gerückt. Ein fernöstliches Land ist in wenigen Jahren zum wichtigen Handelspartner vieler der 53 afrikanischen Staaten geworden: China.

Das Reich der Mitte dürfte in diesem Jahr Deutschland von Platz 3 der größten Volkswirtschaften der Welt verdrängen. Noch vor einigen Jahren schien das völlig undenkbar. Bis heute wird China von Deutschland mit Entwicklungshilfe bedacht. Für diesen steilen Weg nach oben brauchen die Chinesen vor allem das, was Afrika im Überfluss zu bieten hat: Rohstoffe.

In Afrika liegt ein Drittel der weltweiten Rohstoffvorkommen unter der Erde. Tansania, Ghana und Südafrika sind für ihren reichen Schatz an Gold berühmt. Aus Botswana stammen wertvolle Diamanten. Und besonders ist Chinas Wirtschaft am Öl interessiert.  Jeder dritte Liter Rohöl in China stammt bereits aus den Ländern entlang der westafrikanischen Atlantikküste, Kenia oder dem Sudan. Das Handelsvolumen aller afrikanischen Staaten mit China steigt seit Anfang des Jahrzehnts pro Jahr durchschnittlich um 30 Prozent. Bis zum Ende der Dekade soll es 100 Milliarden US-Dollar betragen. Doppelt so viel wie heute.

Zwar fließen bislang nur weniger als 2 Prozent der weltweiten ausländischen Direktinvestitionen nach Afrika. Doch allein in den vergangenen vier Jahren verdreifachte sich die Summe der Afrika-Investments. Das schlägt sich auf das Wirtschaftswachstum nieder: Der Internationale Währungsfonds erwartet 2008, dass die afrikanische Konjunktur weiter anzieht. Nach 6 Prozent 2007 dürfte das Bruttoinlandsprodukt der Region 2008 um 6,2 Prozent zulegen.

Das liegt vor allem an den enormen Preissteigerungen für Rohstoffe. Der Ölpreis steigt seit sechs Jahren immer weiter an. Im November 2007 wurde ein neues Allzeithoch erreicht. Ein Barrel Öl kostete zeitweise an die 100 US-Dollar. Die Feinunze Gold wurde in den letzten Monaten 2007 teilweise zu mehr als 800 Dollar gehandelt, so hoch wie seit 27 Jahren nicht mehr.

Auch das edelste aller Metalle wird immer teurer - und das ist ebenfalls gut für Afrika: Der Preis für Platin stieg seit Anfang 2007 um ein Viertel seines Wertes. Im Oktober kostete eine Unze mehr als 1.450 US-Dollar, so viel wie noch nie. Dafür sorgte unter anderem der schwache Dollar. Denn Platin gilt wie Gold als Krisenwährung und Inflationsschutz.