Neue Investmentfonds bringen selten Mehrwert

Das Angebot an neuen Fonds nimmt beständig zu. Aktuell sind in Deutschland 7838 aktiv gemanagte Investmentfonds zum Vertrieb zugelassenen (Hauptklassen für Privatanleger). Zum Vergleich: Vor einem Jahr standen Anlegern noch 360 Fonds weniger zur Auswahl. Vor allem bei vermögensverwaltenden Multi Asset Fonds sieht Scope starkes Wachstum. Hier agieren Fondsmanager über mehrere Asset Klassen und übernehmen neben der Titelselektion auch die Steuerung der Aktienquote.

Scope hat die einjährige Performance der im Zeitraum Februar 2012 bis Juli 2012 neu aufgelegten Fonds analysiert und mit bereits bestehenden Produkten der jeweiligen Fondskategorie verglichen. Im Ergebnis zeigt sich, dass die jungen Fonds die Erwartungen kaum erfüllen konnten. So haben zum Beispiel in der Kategorie „Aktien Global“ die 29 neu aufgelegten Fonds mit durchschnittlich 9,5 Prozent das Ergebnis der etablierten Produkte verfehlt (11,2 Prozent). Ähnlich sieht es bei Fonds mit Fokus auf Europa aus (14,6 Prozent zu 16,9 Prozent). Lediglich neue US-Fonds wiesen mit 17,5 Prozent zu 14,1 Prozent einen Renditevorteil gegenüber älteren Produkten aus.

Ähnliche Ergebnisse zeigen sich bei Multi Asset Fonds. Von den vier Kategorien (Defensiv, Ausgewogen, Offensiv und Flexibel) konnten lediglich die neuen Fonds der Kategorie Ausgewogen mit durchschnittlich 6,4 Prozent zu 3,7 Prozent einen Renditevorteil erwirtschaften. In den übrigen Kategorien lieferten etablierte Produkte höhere Renditen.

Wie sind die vergleichsweise schlechten Performance-Ergebnisse junger Fonds zu erklären? Hierfür gibt es mehrere Gründe. Erstens handelt es sich nicht immer um wirklich neue Konzepte. Gerade in klassischen, etablierten Fondskategorien sind wirklich neue Konzepte kaum möglich. Vielmehr handelt es sich um bereits bestehende, aber sozusagen neu verpackte Ideen.

Zweitens: Neue Fonds müssen ihren Investment- und Selektionsprozess zunächst aufbauen und etablieren. Auch wenn bei diesen Fonds oft erfahrene Manager und Analysten für den Anlageprozess verantwortlich sind, ist dies eine nicht zu unterschätzende Herausforderung.

Und drittens: Neu aufgelegte Fonds haben in der Regel wenig Volumen. Dadurch zehren fixe Kosten einen größeren Teil der Performance auf. Auch müssen neue Fonds aktiv beworben werden, was wiederum die Kosten in die Höhe treibt.

Scope geht auch in den kommenden zwölf Monaten von einer hohen Auflage neuer Investmentfonds aus. Wirklich neue Konzepte sind jedoch nicht zu erwarten. Da nur wenige neue Fonds überzeugen können, sollten Investoren insbesondere bei klassischen Segmenten eine Bewährungszeit der neuen Fonds abzuwarten. Erst ab einem Mindestalter von 12 Monaten ist die Beurteilung der Managerleistung überhaupt sinnvoll.

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