Neue Spielregeln am Bondmarkt: Flexible Rentenstrategien sind gefragt

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Andrew Wilson lässt keinen Raum für Zweifel: „Wir sehen einen nachhaltigen Zinsanstieg, der Jahre anhalten könnte.“ Der Europachef und Co-CEO für Fixed Income bei Goldman Sachs Asset Management kann sich vorstellen, dass die Rendite der 10-jährigen US-Treasuries möglicherweise schon zum Jahreswechsel die Marke von drei Prozent überschreitet. Sollte sich der Aufschwung in Nordamerika so fortsetzen wie prognostiziert, könnte in einigen Jahren durchaus eine Vier vor dem Komma stehen.

Für die Rentenmärkte sind das schlechte Nachrichten. Steigen die Zinsen, fallen die Kurse. Wer in einem solchen Szenario lang laufende Anleihen hält, erleidet bei diesem Marktszenario besonders schmerzhafte Einbußen. Viele Investoren haben in Zinstitel mit langer Restlaufzeit investiert. Diese Papiere brachten schließlich erhebliche Zusatzgewinne, da die US-Notenbank Fed mit ihren monatlichen Anleihekäufen die Renditen in nie gekannte Tiefen führte.

Die Opfer der Zinswende

In den vergangenen Monaten machte sich jedoch Unsicherheit breit. Obwohl die Fed ihre Anleihekäufe nicht wie erwartet bereits im September zurückführte, gehen Beobachter davon aus, dass die Zinswende eingeläutet ist. Dieser Trendwechsel trifft längst nicht nur Staatstitel mit Top-Bonität. Unter anderem weil Investoren aus den Industriestaaten ihr Kapital an die jeweiligen Heimatmärkte zurückholten, fielen zuletzt die Anleihekurse in den zuvor favorisierten Schwellenländern besonders kräftig. Goldman Sachs hält diese Märkte derzeit unter fundamentalen Gesichtspunkten zwar generell für attraktiv. Nach Einschätzung von Andrew Wilson bleiben die Bondmärkte vieler Emerging Markets kurzfristig jedoch anfällig für Korrekturen. Auch Investmentgrade-Unternehmensanleihen, bisher als Ertragsbringer geschätzt und in vielen Depots stark vertreten, seien nicht gegen Rückschläge immun.

In Europa besserten sich in den letzten Monaten unterdessen die Konjunkturaussichten. Staatsanleihen aus den Euro-Peripheriestaaten hielten sich zuletzt auffällig stabil. Andrew Wilson kann sich jedoch auch für dieses Bondsegment noch nicht so recht erwärmen. „Wir denken, dass im zeitlichen Umfeld der Bundestagswahlen in Deutschland politische Unsicherheiten für erhöhte Schwankungen sorgen werden. Vorerst könnte dies weiter auf den europäischen Bondmärkten lasten.“ Der Bankmanager spielt damit unter anderem auf mögliche neue Rettungspakete für Griechenland und andere Euro-Peripheriestaaten an. Die Diskussion hierüber wurde auf die Zeit nach dem 22. September verschoben und könnte für neue Unsicherheit im Euroraum sorgen.

Veränderte Spielregeln am Bondmarkt

Goldman Sachs Asset Management hat in der ersten Augusthälfte Staatsanleihen aus Südeuropa untergewichtet. Diese Aufstellung muss freilich nicht ewig Bestand haben und auch nicht für alle Kundenportfolios so umgesetzt werden. Ändert sich die Situation, schwenken die Anleihemanager wieder um. Andrew Wilson erklärt diesen opportunistischen Ansatz mit den veränderten Spielregeln am Bondmarkt. Seiner Beobachtung nach haben sich die Bondhändler als Intermediäre vom Markt zurückgezogen. „Im Ergebnis werden die Rentenmärkte mal von den Ertragserwartungen der Investoren und mal von den geldpolitischen Zielen der Notenbanken beziehungsweise Regierungen getrieben“, erläutert der Rentenstratege.

Dieses Wechselspiel gilt es zu nutzen. Die Strategie von Wilsons Investmentexperten zielt darauf ob, sich in den volatilen Rentenmärkten gemäß der jeweiligen Markterwartung zu positionieren. Für das Management des GS Global Strategic Income Bond Portfolio (ISIN: LU0609002307) greifen acht Anleiheteams auf das gesamte Anlageuniversum zurück, das die internationalen Bondmärkte bieten. Diese flexible Anlagestrategie erlaubt es dem Fondsmanagement zum einen, in den aktuell jeweils chancenreichsten Segmenten und Einzeltiteln investiert zu sein. Zum anderen nutzen die Portfoliomanager auch Derivate. Mit diesen Instrumenten zielen sie darauf ab das Portfolio zum Beispiel gegen steigende Renditen abzusichern oder vom anziehenden Zinsniveau zu profitieren.

Mit flexibler Rentenstrategie Zinsturbulenzen managen

Überlegungen zu traditionellen Anleihenbenchmarks spielen für das Fondsmanagement des GS Global Strategic Income Bond Portfolio keine Rolle. Gemäß dem Leitmotiv „Gelegenheiten suchen, wo immer sie sich bieten“ verfolgt der internationale Rentenfonds vielmehr einen Total-Return-Ansatz. Das Management investiert dabei auch in Anleiheklassen wie Emerging Market Debt, Hochzinsanleihen und Mortgage Backed Securities, die mit einem höheren Risiko fuer den Anleger verbunden sind. Das Fondsvolumen überschritt kürzlich die Schwelle von einer Millarde Euro. Für hiesige Anleger wurde eine Euro-Tranche aufgelegt. Sie ist darauf ausgelegt, Investoren gegenüber dem US-Dollar abzusichern, ohne grundsätzlich auf Währungsgewinne als zusätzliche Ertragsquelle zu verzichten.

Dieser flexible Rentenansatz von Goldman Sachs Asset Management hat sich auch unter widrigen Marktbedingungen bewährt. Während der Zinsturbulenzen der vergangenen Monate entwickelte sich das Portfolio weitgehend stabil. Auf 12-Monats-Sicht errechnet sich ein Wertzuwachs von 7,5 Prozent. Die meisten konservativen Long-Only Strategien brachten Anleiheinvestoren in diesem Zeitraum kaum Erträge, teilsweise waren sogar Verluste zu verzeichnen.

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