Sorglos im ALter geht im aktuellen Niedrigzinsumfeld nicht ohne selbstverantwortliche Vorsorge. Bild: Fotolia

Sorglos im ALter geht im aktuellen Niedrigzinsumfeld nicht ohne selbstverantwortliche Vorsorge. Bild: Fotolia

Neue Wege in der Vorsorge

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Die Rentenkasse ist gut gefüllt. So gut, dass schon erste Spekulationen aufkamen, dass der Beitragssatz zum Jahreswechsel erneut sinken könnte. Reicht das gesetzliche System doch, und private Vorsorge ist gar nicht nötig?

Mitnichten. Die gesetzliche Kasse baut keine langfristigen Rücklagen auf. Sie arbeitet mit dem Umlageverfahren. Es wird immer nur das von Arbeitnehmern, Arbeitgebern und Staat eingesammelt, was gerade gebraucht wird. Eine heute gut gefüllte Kasse nützt späteren Rentnern gar nichts.

Schon jetzt wird das Rentensystem an die eklatanten demografischen Veränderungen in Deutschland angepasst und darauf vorbereitet, dass immer weniger Einzahler auf immer mehr Rentenempfänger treffen.
>>>vergrößern Das Rentenniveau, das die Durchschnittsrente im Vergleich zum Durchschnittseinkommen widerspiegelt, sinkt bereits und wird in den kommenden Jahren weiter sinken. Das ist in der Berechnung der jährlichen Rentenanpassungen verankert. Zusätzliche individuelle Vorsorge tut also dringend not – ist aber zurzeit gar nicht so einfach.

Niedrigzins bedroht Altersvorsorge

Im anhaltenden Niedrigzinsumfeld ist eine halbwegs einkömmliche Vorsorge nur möglich, wenn der Anleger bereit ist, gewisse Risiken einzugehen. Wer das nicht will, muss sich meist mit mickriger Rendite zufriedengeben, die vielleicht noch nicht einmal den inflationsbedingten Wertverlust des Kapitals ausgleicht.

Dass die Zinsen für Sparer in naher Zukunft wieder stärker steigen, ist aus heutiger Sicht eher unwahrscheinlich. Die Europäische Zentralbank (EZB) hält den Leitzins am Boden. Ein Ende der Lockerungspolitik ist angesichts der angespannten wirtschaftlichen Situation in Europa noch nicht absehbar. Das hat EZBChef Mario Draghi im Juni noch einmal betont. Erst im Mai hat er den Leitzins auf historisch tiefe 0,5 Prozent gesenkt.
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Alexander Erdland, der Präsident des Versicherer-Verbands GDV, kritisiert die Politik der Notenbank scharf: „Wenn die Zinsen nicht bald wieder auf ein marktgerechtes Niveau steigen, entsteht ein riesiges Folgeproblem: große Lücken in der privaten Altersversorgung der künftigen Rentner. Das ist ein hoher Preis für die Niedrigzinspolitik der EZB.“ Erdlands Missmut ist nicht überraschend, ist seine Branche doch hart von der Situation betroffen.

Deutschlands Lieblingsvorsorgeprodukt, die klassische Lebensversicherung, hat schwer zu kämpfen. Auslaufende Policen können nicht die Beträge liefern, die den Kunden einst zwar nicht direkt versprochen, aber über Hochrechnungen avisiert wurden. Für Neuabschlüsse gibt es seit Anfang 2012 nur noch einen maximalen Garantiezins von 1,75 Prozent auf die Sparbeiträge. Umgerechnet auf die Gesamtbeiträge liegt der Garantiezins im Schnitt sogar unter einem Prozent. Überzeugende Verkaufsargumente klingen anders.

Karo einfach reicht nicht mehr


Auch einige Versicherer trauen dem Produkt nicht mehr viel zu. Die Zurich etwa hat zu Jahresbeginn das Geschäft mit klassischen Lebensversicherungen eingestellt und konzentriert sich auf Fondspolicen.

In einer Umfrage der auf Versicherungen spezialisierten Rating-Agentur Assekurata zum Jahresende 2012 beurteilten die deutschen Versicherungsgesellschaften die Wachstumsaussichten für das Geschäft mit konventionellen Policen negativ. Insgesamt sehen sie allerdings durchaus Wachstumschancen für ihre Vorsorgeprodukte (siehe Grafik unten).

Für die Lebensversicherer gilt es, jetzt auf die Zinssituation zu reagieren. Die alten Verpflichtungen belasten sie in ihrer Flexibilität fürs Neugeschäft. Immer noch rund ein Viertel der ausstehenden klassischen Lebensversicherungen muss einen Garantiezins von 4 Prozent erwirtschaften, heißt es von Assekurata.

Die durchschnittliche Höhe nimmt jedoch dank des gesunkenen Höchstrechnungszinses von Jahr zu Jahr ab. 2012 mussten die deutschen Lebensversicherer die Sparbeiträge ihrer Kunden im Schnitt mit mindestens 3,15 Prozent verzinsen (siehe Grafik). 2013 wird die Last weiter sinken.
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Wollen die Versicherer ihre Kunden behalten, muss das Thema Sicherheit allerdings im Vordergrund bleiben. Gerade in den vergangenen Jahren ist Sicherheit bei der Geldanlage für die deutschen Anleger noch wichtiger geworden, als sie ohnehin schon war (siehe Grafik).
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Zentraler Ansatzpunkt ist daher die Neugestaltung von Garantien. Die klassische Garantieverzinsung, die Jahr für Jahr, meist über eine sehr lange Zeit, sichergestellt wird, ist zurzeit einfach zu teuer – und könnte zum Auslaufmodell werden.

Gleich mehrere Versicherer haben angekündigt, Produkte mit neuen Garantiemodellen auf den Markt zu bringen. Flexibler sollen die Zusagen sein und kürzer. Für die Rentenphase könnten andere Garantiezusagen gelten als für die Ansparphase.

Neue Konzepte mit mehr Flexibilität

Auch die Allianz erweitert ihre Produktpalette um ein Garantieprodukt, bei dem die Beiträge zwar klassisch in das Sicherungsvermögen des Lebensversicherers fließen. Statt des jährlichen Garantiezinses gibt es aber eine Garantie, die erst zum Rentenbeginn greift. So verschafft die Allianz ihren Kunden mehr Spielraum für Rendite.

Standard Life setzt hingegen auf eine flexible Garantieverzinsung. Ihre Höhe passt sich an den Marktzins an. Für Rendite soll ein aktiv gemanagtes Portfolio sorgen, das weltweit und über mehrere Anlageklassen gestreut ist.

Ganz anders will der Volkswohl Bund seine Rentenversicherung für Kunden attraktiv machen. Der Versicherer verbindet die Pflegefall- mit der Altersvorsorge. Kunden können zu Rentenbeginn oder in der Rentenphase bei Pflegebedürftigkeit ganz oder teilweise auf die Hinterbliebenenabsicherung verzichten und sich stattdessen eine höhere Rente auszahlen lassen.

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