AB-Inbev-Werksleiter Alexander Soenen, Bob Van de Vondel vom Logistikdienstleister Katoen Natie und Flanderns Ministerpräsident Jan Jambon trinken Bier: Die neue Anleihe von Anheuser-Busch InBev war vierfach überzeichnet. | © imago images / Belga / Kristof van Accom Foto: imago images / Belga / Kristof van Accom

Neuemissionen im Corona-Trubel

Warum Anleihen plötzlich Renditeaufschläge bekommen

Die Corona-Krise hat Schockwellen an den Finanzmärkten ausgelöst und vorübergehend mehr als 10 Billionen Euro an Wertverlusten verursacht. Viele Anleger haben Geld aus Aktien und anderen riskanten Assetklassen abgezogen und suchen sichere Alternativen mit geringer Schwankungsbreite. Das hat dazu geführt, dass insbesondere die ohnehin schon von der EZB im Rahmen des aktuellen Kaufprogramms stark nachgefragten Investment-Grade-Anleihen (also Emissionen guter Schuldner) zusätzlich gekauft wurden. Die steigende Nachfrage hat zu steigenden Kursen geführt und weiteren Druck auf das sowieso schon extrem niedrige Zinsniveau ausgeübt.

Man würde vermuten, dass die meisten großen Unternehmen in dieser Situation an Restrukturierungsprogrammen arbeiten, ihre Prognosen und Planrechnungen aktualisieren und versuchen, die Risiken im eigenen Portfolio zu minimieren. Wer aktuell den Markt für Unternehmensanleihen verfolgt, stellt dagegen mit Überraschung fest, dass die Neuemission von Anleihen aktuell Rückenwind hat. Im März wurden neue Euro-Anleihen mit einem Volumen von fast 50 Milliarden Euro emittiert, im April wurde dieser Wert mit Stand 24. April bereits übertroffen. Tatsächlich nutzen viele Unternehmen die niedrigen Zinsen und die große Nachfrage nach sicheren Anleihen, um sich frische Liquidität zu beschaffen, die möglicherweise im weiteren Verlauf der Corona-Krise sehr wertvoll sein kann. Aber auch für Anleger können die Anleihen interessant sein. Damit die Neuemissionen am Markt das Interesse der Anleger wecken, werden die neuen Titel entsprechend attraktiv gepreist und können oftmals mit einem deutlichen Discount gegenüber bestehenden Anleihen erworben werden.

Dass dies funktioniert, zeigt sich vor allem bei neuen Anleihen gut gerateter Emittenten, die zuletzt reißenden Absatz fanden. Die neuen Anleihen von AirLiquide („A-“ von S&P) waren 20-fach überzeichnet, bei den Anleihen der Brauereigruppe Anheuser-Busch InBev war das Orderbuch um den Faktor 4 größer als das Volumen der Emission und auch bei den Anleihen, der zu knapp 51 Prozent dem französischen Staat gehörenden Aéroports de Paris überstieg die Nachfrage mit zirka 8,75 Milliarden Euro das Emissionsvolumen von 1,5 Milliarden Euro deutlich.

Eine der erfolgreichen Neuemissionen der letzten Wochen waren die Anleihen des Schweizer Lebensmittelriesen Nestlé und der Sanofi, einer der größten Pharmakonzerne der Welt. Beide eint ein langer Kapitalmarkt Track-Record und solide Bilanzen, was sich wiederum in den Top Ratings von AA- und AA durch die Rating-Agentur S&P widerspiegelt.

Am 24. März 2020 um kurz nach halb Zehn, kündigten sowohl Nestlé als auch Sanofi an, Anleihen in Höhe von jeweils einer Milliarde Euro begeben zu wollen. Als „Verhandlungsbasis“ und um das Interesse von Investoren zu gewinnen, nannten sie Renditeniveaus, die zwischen 0,60 und 0,70 Prozentpunkten über den Renditen beziehungsweise Bonitätsaufschlägen vergleichbarer Anleihen zu diesem Zeitpunkt lagen.

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