Christoph Eibl, einer der Gründer von Tiberius Asset Management

Christoph Eibl, einer der Gründer von Tiberius Asset Management

Neuer Manager für Antea-Fonds „Auf Sicht von zwölf Monaten sehen wir definitiv höhere Rohstoffpreise“

Welche Freiheiten haben Sie für den Antea-Fonds, welche Art von Rohstoff-Investments werden Sie nutzen? Christoph Eibl: Tiberius verwaltet seit mehr als zehn Jahren als aktiver Rohstoffmanager Gelder für institutionelle Investoren. Neben der Analyse von Rohstoffproduzenten gilt unser Hauptfokus den Rohstoffen. Uns interessiert die Entwicklung des Angebots, der Nachfrage, die Läger oder auch technologische Entwicklungen. Daher werden wir die Portfolio-Positionen mit Futures umsetzen und dieses auf beiden Seiten, sprich long als auch short. Auf der Edelmetallseite liegt unser Fokus primär bei den Platinmetallen, aber es können auch Silber und Gold allokiert werden.   Gibt es denn überhaupt zurzeit gute Chancen an den Rohstoffmärkten? Wir sehen den jüngsten Abverkauf als Chance. Rohstoffe haben auf Sicht von einem Jahr mehr als 30 Prozent verloren und das von einem schon relativ niedrigen Niveau. Die Investorenseite hat sich vollständig von Rohstoffen abgewandt und Positionen verkauft. Spekulanten sind in größerem Stil in den fallenden Markt mit sich verstärkenden Short-Positionen eingestiegen. Diese einseitige Positionierung birgt eine große Chance für eine Short-Covering-Rallye, wenn Investoren die Werte kaufen müssen, die sie zuvor verkauft haben. Insgesamt ist das Rohstoffbild aber eher getrübt, vor allem aufgrund von Überkapazitäten und der schwachen Nachfrage in China. Gibt es Rohstoffbereiche, die Sie ganz meiden? Wir meiden nicht grundsätzlich besondere Bereiche, sondern stellen uns tagtäglich die Frage, ob ein Markt fair bewertet ist und wie dies andere Marktteilnehmer interpretieren. Dieses Denken hilft uns neben strategischen und längerfristigen Positionen auch taktische Entscheidungen treffen zu können. Wie werden Sie den Rohstoffbereich im Fonds aufstellen? Im aktuellen unsicheren Marktumfeld sind wir primär durch Spread-Trades positioniert, sprich Terminkurven-Arbitrage oder auch Relative Value Trades in Form von Intra-Commodity Spreads. Wir handeln also zum Beispiel zwei Futures des gleichen Rohstoffs gegeneinander. Grundsätzlich glauben wir aber, dass wir nach vier Jahren Bärenmarkt an einem Punkt angekommen sind, an dem man strategische Long-Positionen aufbauen sollte. Tatsächlich? Was spricht für anziehende Rohstoffpreise? In den vergangenen Jahren hatten Investoren wenig Freude. Der Abverkauf, der seit 2011 wie ein Damoklesschwert über den Rohstoffmärkten hängt, hat Investoren in der Tat zu tiefst verstört. Viele haben sich wohl nachhaltig von den Rohstoffen verabschiedet – andere wiederum werden die Zyklik eines Rohstoffinvestments verstanden haben und entsprechend wieder in die Märkte zurückkehren. Rohstoffe werden höchst attraktiv werden, wenn wir durch die niedrigen Preise eine Zerstörung des Angebots sehen sollten. Auf der anderen Seite haben die USA gezeigt, wie man in wenigen Jahren sich vom Saulus zum Paulus wandeln kann und attraktive Wachstumsraten ausweiten kann. Europa und Asien stehen derzeit im Zentrum des Abgesangs. Wie schätzen Sie die Performance-Aussichten des Rohstoffbereichs für die nächsten zwölf Monate ein? Es mag sein, dass wir auf Indexebene noch etwas tiefer fallen, aber nicht mehr signifikant. Auf Sicht von zwölf Monaten sehen wir definitiv höhere Rohstoffpreise als heute.
 
Auch bei Gold? Gold wird immer seine Anhänger haben. Es wird Phasen geben, in denen man Gold allokieren kann und muss. Wichtig aber ist, dass man Gold im Kontext von Aktienmärkten, dem Euro-Dollar-Wechselkurs und den Rohstoffmärkten bewerten muss. Deshalb ist es wichtig, Gold nicht stoisch als das Perpetuum mobile zu bewerten, welches in jeder Krise helfen kann und wird. Auf Sicht der nächsten Monate bleibt Gold weitestgehend unspektakulär. Ich sehe keine Fantasie für höhere Preise – eher das Gegenteil, sollte der Dollar nochmals an Fahrt gewinnen.

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