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Megatrends

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6.000 Räder für Big Apple: Projekte wie das öffentliche Leihradsystem New York Citi Bike sollen den innerstädtischen Verkehr reduzieren und die Lebensqualität erhöhen. | © Getty Images

New York City

Amerikas neues Silicon Valley

Walter Liebe, Senior Investment Advisor, Pictet Asset Management

Anfang 2018 habe ich an dieser Stelle den Megatrend Urbanisierung und die aufkommende Entwicklung zu Smart Cities thematisiert. Eine meiner Kernaussagen war, dass der Zuzug in die Metropolen weltweit weiter voranschreitet, sowohl in den Industrie- als auch den Entwicklungsländern. Das Ziel einer Smart City ist es, durch die Nutzung technologischer Innovationen die Umweltbelastungen, die mit einer hohen Bevölkerungsdichte einhergehen, zu reduzieren und so die Lebensqualität ihrer Bewohner zu erhöhen.

In zahlreichen Metropolen werden große Anstrengungen unternommen, dem Ziel einer intelligenten Stadt näher zu kommen. Vom Entwicklungsstand in einer der größten Metropolen der Welt konnte ich mir kürzlich selbst einen Eindruck machen, New York City.

Aber nicht nur den Megatrend Urbanisierung, den wir als Teilbereich der demographischen Entwicklung ansehen, können Anleger in New York exemplarisch beobachten, sondern auch eine Reihe weiterer Megatrends, welche die Basis für ein thematisches Investment bilden, Stichwort Infrastruktur.

Big Apples vernetzter Nahverkehr

Einer der kritischsten Engpässe für das Funktionieren großer Städte ist die Transportinfrastruktur. Ohne einen leistungsfähigen und effizienten Nahverkehr sind urbane Räume wie New York zum Kollaps verurteilt.

Zwar gilt die New Yorker Subway mit ihren 380 Streckenkilometern und täglich mehr als fünf Millionen Fahrgästen als eines der komplexesten und dichtesten U-Bahn-Netze der Welt. Dennoch ist die dahinterstehende Infrastruktur Zeugnis einer längst vergangenen Epoche. Schließlich wurden die meisten Linien in der ersten Hälfte des 20 Jahrhundert gebaut und seither kaum erneuert, so dass der technische und optische Zustand der Subway angesichts verrotteter Stationen und altem Fuhrpark nicht zeitgemäß erscheint.

Noch eindrücklicher ist die Qualität des Eisenbahnnetzes im Großraum New York, das im Wesentlichen aus dem 19. Jahrhundert stammt. So dauert eine Zugfahrt von New York nach Boston mit dem Hochgeschwindigkeitszug knapp vier Stunden – für 350 Kilometer. Und dennoch sind zahlreiche Apps verfügbar, die eine Vernetzung verschiedener Transportsysteme unter und über der Erde ermöglichen.

New York als demographischer Sonderfall

Der Innenstadtbereich von New York auf der Insel Manhattan ist demographisch gesehen ein Sonderfall. Wenngleich der Großraum New York mit mehr als 20 Millionen Einwohnern weiter ein Anziehungspunkt für neue Bewohner ist, geht die Einwohnerzahl von Manhattan seit einigen Jahren leicht zurück. Das ist nicht nur ein Resultat von teilweise aberwitzigen Immobilienpreisen, sondern spiegelt auch eine veränderte Präferenz der Bewohner für ihren Lebensraum wieder. Jüngere Arbeitnehmer ohne Familien strömen weiter nach Manhattan. Dagegen ziehen Familien aus der Stadt in den Speckgürtel von New Jersey und New York State.

Gleichzeitig wird New York City massiv nachverdichtet. Besonders in Midtown Manhattan werden zahlreiche Gebäude abgerissen und durch Ensembles von Wolkenkratzern ersetzt. So stellt das Gebiet um die Hudson Yards im Westen von Manhattan das aktuell größte Immobilienentwicklungsprojekt der USA dar. Stets werden bei diesen Projekten sowohl Büro- als auch Wohnraum geschaffen, allerdings im Top-Preissegment. Das wiederum hat unerwünschte soziale Nebeneffekte für die weniger kaufkräftige Bevölkerung.

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