Die Künstliche Intelligenz (KI) hat in deutschen Dienstleistungsunternehmen längst Einzug gehalten – doch beim Schutz vor den damit verbundenen Risiken herrscht gefährliche Sorglosigkeit. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Versicherers Hiscox: Während 76 Prozent der befragten KI-Entscheider bereits Künstliche Intelligenz einsetzen, sind nur knapp 25 Prozent der Unternehmen gegen KI-Risiken versichert.

Die Diskrepanz zwischen Nutzung und Absicherung ist alarmierend. Die Führungskräfte, die über KI-Einsatz entscheiden, treiben die Technologie aktiv voran und sehen klare Wettbewerbsvorteile: 81 Prozent erwarten positive Effekte auf die Konkurrenzfähigkeit ihres Unternehmens. Besonders häufig kommt KI in der Datenanalyse (49 Prozent), im Kundenservice (47 Prozent) und im Personalwesen (28 Prozent) zum Einsatz.

Den Reifegrad ihres Unternehmens beim KI-Einsatz schätzen die Entscheider auf einer Skala von 1 („kein Einsatz“) bis 10 („voll integriert“) im Median ziemlich optimistisch auf 6 ein. Doch dieser technologische Fortschritt geht nicht mit entsprechender organisatorischer Reife einher.

Wissenslücken bei Regulierung und Sicherheit - auch bei Entscheidern

Besonders bedenklich sind laut Studie die Wissenslücken bei rechtlichen und sicherheitstechnischen Aspekten. Nur 43 Prozent der KI-nutzenden Unternehmen haben ihre Mitarbeiter zur sicheren KI-Nutzung geschult. Mehr als die Hälfte der Entscheider (53 Prozent) räumt ein, dass es im Unternehmen an grundlegendem KI-Know-how fehlt.

Noch problematischer: Selbst die Führungskräfte, die über KI-Investitionen entscheiden, sind oft schlecht über regulatorische Anforderungen informiert. 42 Prozent haben laut Hiscox-Umfrage große Wissenslücken bezüglich gesetzlicher Vorgaben wie dem AI Act – obwohl diese bereits heute konkrete Pflichten mit sich bringen.

Informationslücken auch bei der Absicherung

Die geringe Versicherungsquote von nur 24,7 Prozent ist jedoch nicht allein auf mangelndes Risikobewusstsein zurückzuführen. Die Umfrage deckt massive Informationsdefizite auf: 14 Prozent der KI-Entscheider wissen schlicht nicht, ob ihr Unternehmen gegen KI-Risiken versichert ist. Weitere 14,7 Prozent glauben fälschlicherweise, dass eine Absicherung gegen KI-Risiken grundsätzlich nicht möglich sei.

 

Diese Zahlen offenbaren eine gefährliche Lücke zwischen technologischem Fortschritt und Risikomanagement, erklärt Marc Thamm, Produktchef Technologie bei Hiscox. Während Unternehmen KI produktiv einsetzen, fehlen klare Prozesse, Verantwortlichkeiten und Schutzmechanismen für den Fall, dass die Technologie Schäden verursacht.

Die Versicherungsbranche müsse Lösungen anbieten, Orientierung geben und Transparenz schaffen, so Thamm weiter. „Sonst besteht die Gefahr, dass sie als Bremsklotz dieser Innovation wahrgenommen wird – statt als Möglichmacher“.