„Nicht jeder Anbieter ist in jedem Segment stark“

Der Markt für börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETFs) entwickelt sich in letzter Zeit rasant. DAS INVESTMENT sprach mit Markus Kaiser, Fondsmanager des ETF-Dachfonds  (WKN: 556 167) von Veritas, über Auwahlkriterien, Anbieter und fehlende Produkte

DAS INVESTMENT.com: Exchange Traded Funds folgen anderen Regeln als aktiv gemanagte Fonds. Welche Kriterien sind für Sie entscheidend bei der Auswahl der ETFs?

Markus Kaiser: Der erste Schritt im Investmentprozess ist immer die Auswahl der Märkte. Erst aus der Entscheidung für den Markt heraus wähle ich die passenden ETFs aus. Grundvoraussetzung ist eine stabile Indexorientierung des ETFs. Wir bevorzugen Produkte, die liquide handelbar sind und einen verlässlichen Spread –  das ist die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufspreis – in schwankungsreichen Marktphasen aufrecht erhalten. Wir arbeiten eng mit den Anbietern zusammen, vornehmlich mit I-Shares, Lyxor und DB X-Trackers. Als institutionelle Kunden haben wir bessere Handelsmöglichkeiten. Ergänzend zum klassischen Börsenhandel steht uns zum Beispiel offen, Anteile über den jeweiligen Anbieter zum Substanzwert, dem NAV, zu erwerben und zurückzugeben.

DAS INVESTMENT.com: Sie nennen Liquidität als einAuswahlkriterium. Ab welchem Handelsvolumen ist ein ETF für Sie liquide?

Kaiser: Das ist schwer in Zahlen zu fassen. Wenn wir taktisch kaufen, hat die Liquidität immer Priorität, aber auch die Anzahl der Market Maker, die den jeweiligen ETF aktiv handeln, ist wichtig. Der Fonds sollte so liquide sein, dass taktische Positionen innerhalb eines Tages wieder verkauft werden können. Uns steht aber auch immer der außerbörsliche Handel über den Anbieter als Alternative zur Verfügung.

DAS INVESTMENT.com: Kaufen Sie börslich nur an der Frankfurter Börse oder weltweit?

Kaiser: Für den Börsenhandel nutzen wir vornehmlich die elektronischen Börsenplätze Xetra und Euronext.

DAS INVESTMENT.com: Auf die Standardindizes gibt es ETFs verschiedener Anbieter. Welche Fonds bevorzugen Sie für den Dax und den Euro Stoxx 50?

Kaiser: Derzeit hat beim Dax der I-Shares Dax und beim Euro Stoxx der Lyxor ETF Euro Stoxx 50 die Nase vorn.

DAS INVESTMENT.com: Gibt es grundlegende Unterschiede zwischen den Anbietern, die für Ihre Auswahl relevant sind?

Kaiser: Die Performance-Unterschiede sind insbesondere bei den großen Anbietern nebensächlich. Sie ergeben sich durch die Wahl unterschiedlicher Indizes in einzelnen Marktsegmenten und in der Konstruktion der ETFs. Im Vordergrund steht vor allem die Handelbarkeit der Produkte bei einem möglichst attraktiven Spread. Nicht jeder Anbieter ist in jedem Segment stark. Deshalb ergibt sich im Portfolio des ETF-Dachfonds immer eine Mischung der Anlageklassen und Anbieter.

DAS INVESTMENT.com: Bisher gibt es in Deutschland noch wenige ETF-Anbieter, die Tendenz ist jedoch steigend. Nach der Deutschen Bank steigt jetzt auch Invesco ein. Erwarten Sie weitere Anbieter auf dem deutschen Markt?

Kaiser: Die Deka hat auch angekündigt, in das ETF-Geschäft einzusteigen. Grundsätzlich begrüßen wir neue Anbieter, da sich damit die Vielfalt erhöht. Und der Wettbewerb führt mittelfristig zu noch attraktiveren Handelsbedingungen für Anbieter von Asset-Allocation-Lösungen.

DAS INVESTMENT.com: Auf welche Märkte vermissen Sie ETFs in Deutschland?

Kaiser: Für Schwellenländer kommen gerade neue Produkte auf den Markt. Es fehlen aber noch globale ETFs auf Internetwerte und Biotechnologie. Für die europäischen Märkte gibt es bereits eine Vielzahl von Branchen-ETFs. Globale Rentenindizes und Wandelanleihen regen wir ebenfalls bei den Anbietern an. Auch die neuen Short- und Leverage-ETFs sind sehr interessant. Sie können auf eine Vielzahl von Aktien- und Rentenindizes konstruiert werden.