Unterirdisches Silber-Lager im chinesischen Pingyao: Neben Gold ist aktuell auch Silber eine lohnenswerte Geldanlage, sagt Edelmetall-Profi Christian Brenner. | © imago images / Imaginechina-Tuchong Foto: imago images / Imaginechina-Tuchong

Nicht nur Gold, das glänzt

Silber liegt im Trend

Christian Brenner
Foto: Philoro

Nach jahrelanger Seitwärtsbewegung hat sich Silber im Zuge der Edelmetallrally in den letzten Monaten stark verteuert: Schwappte noch im Frühling die Verkaufswelle der Aktienmärkte auf Silber über und sorgte binnen weniger Tage für einen Preissturz von fast 50 Prozent auf knapp 10 Euro, notiert die Unze aktuell bei 22,61 Euro – eine Steigerung um gut 120 Prozent. Damit schlägt das Edelmetall in Sachen Performance seinen goldenen Bruder bereits um Längen. Und es kommt noch besser: Auch, wenn das Weißmetall nicht mehr so günstig ist wie noch im März, sehen wir bei Silber weiterhin Potenzial – denn historisch betrachtet ist Silber nach wie vor günstig bewertet.

Gold-Silber-Ratio, Geldflut der Notenbanken und Produktionsengpässe treiben Silber

Will man dem Preissprung bei Silber auf den Grund gehen, erkennt man schnell, dass vor allem drei Faktoren für den rasanten Anstieg sorgen:

  1. Zunächst einmal war Silber deutlich unterbewertet. In der Vergangenheit mussten im Durchschnitt 60 Unzen Silber verkauft werde, um eine Unze Gold zu erwerben. Zu Hoch-Zeiten der Covid-Krise lag diese Gold-Silber-Ratio bei historisch einmaligen 120. Das heißt, dass eine Gold-Unze 120 Unzen Silber gekostet hätte – ein Wert, den es im vergangenen Vierteljahrhundert nicht mehr gab. Diese Verwerfungen, oder genauer, diesen günstigen Silberpreis nutzten entsprechend viele Marktteilnehmer für Investitionen.
  2. Auch die Geldflut der Notenbanken tat ihr Übriges und sorgte dafür, den Einbruch auf den Aktienmärkten zu stoppen. Davon konnte Silber als Industriemetall profitieren, sodass wieder viele Käufer in den Markt kamen. Die fallenden Realzinsen, die mit aufziehender Inflation in den Negativ-Bereich rutschten, ließen den Silberpreis ebenfalls nach oben klettern.
  3. Des Weiteren führte der Frühjahrsstillstand in den Edelmetall-Produktionsbetrieben zu einer physischen Verknappung, die nach wie vor nicht aufgearbeitet ist: Nach den Lockerungen arbeiteten die Scheideanstalten zunächst an der Flut an Goldbestellungen und sind nach wie vor überwiegend mit diesen Aufträgen beschäftigt. Erst danach kommen die Silberforderungen an die Reihe, sodass Silber im Sommer am Markt knapp war.

Run auf Gold lässt Silberpreis anziehen

Mitte August trieben diese drei Faktoren (Unterbewertung, Inflationsangst und Verfügbarkeit) die Preise für eine Unze Silber bis auf 25 Euro und holten neue Akteure auf das Parkett. Einer davon ist der wohl bekannteste Investor Warren Buffett mit seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway. Buffet beteiligte sich Ende August mit einem Milliardeninvestment an japanischen Handelshäusern, welche primär am Silbermarkt aktiv sind. Buffett rechnet also ganz offensichtlich damit, dass diese Unternehmen in der Zukunft Handelsgewinne erzielen. Das wiederum ist nur mit einem hohen Silberpreis möglich.

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