Guinness, Cadbury, Unilever – Felsen in der Brandung
Ein Paradebeispiel für ein solches Unternehmen ist Guinness Nigeria – die Afrika-Tochter des weltbekannten Bierbrauers. Das Unternehmen produziert nicht nur schon seit den 1960er Jahren Guinness-Bier vor Ort in Nigeria, sondern verfügt über die britische Konzernmutter Diageo auch über ein großes Portfolio beliebter Spirituosen. Zu den bekanntesten Marken zählen Smirnoff Wodka, Johnnie Walker Whisky, Gordon ́s Gin oder den Likör Baileys, die sich allesamt auch in Afrika wachsender Beliebtheit erfreuen. Die Aktie von Guinness Nigeria ist in den letzten zwei Jahren um über 200 Prozent gestiegen. Dennoch wirft sie immer noch eine Dividendenrendite von über 10 Prozent ab.
Nicht weniger interessant ist zurzeit die Aktie von Cadbury Nigeria. Die Gesellschaft ging aus dem britischen Keks- und Schokoriegel-Hersteller Cadbury hervor, der mittlerweile von Mondelez aus den USA übernommen wurde. Die Dividendenrendite ist hier mit 4,2 Prozent niedriger, dafür ist die Aktie aber auch nur mit dem Vierfachen des für dieses Jahr erwarteten Gewinns bewertet. Im vergangenen Jahr konnte Cadbury Nigeria seinen Umsatz um weitere 20 Prozent steigern, der operative Gewinn zog um 74 Prozent auf 491 Millionen Naira an.
Seit Jahrzehnten bewährt
Der dritte im Bunde unserer afrikanischen Markenartikler ist die Aktie von Cussons Nigeria – eine Tochter des hierzulande wenig bekannten britischen Konsumgüter-Anbieters Cussons. Der Konzern ist vor allem durch sein breites Sortiment an Seifen, Hygieneprodukten und Babypflegemitteln bekannt. Nigeria ist inzwischen der wichtigste einzelne Markt der Gesellschaft. Sie hat dort außerdem mittlerweile den Vertrieb von Haushaltsgeräten des chinesischen Elektronikriesen Haier übernommen, die bei den preisbewussten nigerianischen Kunden gut ankommen. Die Aktie weist
aktuell eine Dividendenrendite von fast 9 Prozent auf, das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt lediglich bei 4,1.
Und Unilever Nigeria verschafft den Verbrauchern in Nigeria und einigen benachbarten Ländern den Zugriff auf das umfangreiche Produktportfolio des britischen Konsumgüterriesen, das viele renommierte Marken wie Rexona, Omo und Sunlight, aber auch Knorr oder Lipton Eistee umfasst. Im Gegensatz zu den oben genannten Wettbewerbern hat sich das Unternehmen von den Belastungen der Corona-Krise bisher noch nicht erholt, und ist zurzeit defizitär – was unter anderem an vergleichsweise hohen Kosten liegt. Wir gehen aber davon aus, dass auch Unilever Nigeria über gute Langfrist-Perspektiven verfügt.
Die Afrika-Töchter traditionsreicher Weltklasse-Konzerne bieten unseres Erachtens eine elegante Möglichkeit, an den Wachstumschancen Afrikas teilzuhaben, ohne damit allzu große Risiken einzugehen. Die Muttergesellschaften dieser Unternehmen verfügen über hohe Finanzmittel, einen ausgesprochen langen Atem und über jahrzehntelange Erfahrung bei der Expansion in neue Märkte. Dennoch sind die Aktien ihrer afrikanischen Tochterunternehmen von den Anlegern in den letzten Jahren nahezu vergessen worden. Auf US-Dollar-Basis notieren sie heute fast durchgehend 80 bis 90 Prozent unter ihren früheren Höchstständen.
Value: Gerade in Krisenzeiten attraktiv
Die Gesamtmarktlage kann auch im neuen Jahr schwierig bleiben. Die Börsianer haben auch 2023 gute Gründe dafür, sich vorsichtig zu verhalten. Unabhängig von allen Mutmaßungen über die Marktdynamik stellt sich für den Investor somit im Grunde nur eine einzige Frage: Gibt es zurzeit Anlagen und Vermögenswerte, die trotz gestiegener Zinsen und eines unsicheren wirtschaftlichen Umfelds noch attraktiv sind?
Unsere Antwort auf diese Kernfrage ist heute die gleiche, wie sie es schon in den letzten Jahren war. Wir kaufen Aktien von Unternehmen, von denen wir überzeugt sind – und dies zu so niedrigen Kursen wie möglich. Es mag Strategen geben, die diese strikte Value-Orientierung vielleicht für unzureichend oder sogar für naiv halten. Doch gerade in Zeiten großer Herausforderungen zeigt sich immer wieder: Es ist vor allem die Substanz, die am Ende allen Unsicherheiten und Verwerfungen standhält.
Über den Autor: Axel Krohne verwaltet seit 2003 Emerging Markets-Aktienfonds. Zuvor arbeitete er als Anlageberater bei Morgan Stanley in den USA. In Deutschland ist er als Schwellenländer-Experte und Fondsmanager des AvH Emerging Markets Fund bekannt.