Nico Baumbach zum Goldpreis: "Nun muss etwas Zeit verstreichen"

Für den Kursrutsch im April waren vorwiegend institutionelle Anleger verantwortlich. Der Druck auf den Goldmarkt ging von den US-Futuremärkten aus. Als bei rund 1.500 US-Dollar wichtige charttechnische Widerstände fielen, wurden limitierte Handelsoptionen für Verkauforder (Stop-Loss-Limite) ausgelöst.

Insbesondere der führende börsengehandelte Goldfonds SPDR Gold Trust hat enorme Bestände abgestoßen. Der amerikanische ETF gehört zu den weltweit größten Besitzern des Edelmetalls. Hier engagieren sich unter anderem auch große Hedgefonds, wenn sie auf steigende Goldnotierungen wetten.

Derzeit werden in den USA weiterhin jeden Tag mehrere Tonnen Gold auf den Markt geworfen. Unmittelbar nach dem abrupten Preisrutsch unter die Marke von 1.400 US-Dollar für die Feinunze Gold sei allerdings die Nachfrage der Privatanleger deutlich angestiegen. Vor allem in Asien standen die Verbraucher Schlange, um physisches Gold zu erwerben. Die Händler hätten der Nachfrage nach Krügerrand und ähnlichen Münzen zeitweise überhaupt nicht mehr nachkommen können.

Der Run der Verbraucher auf die Edelmetallhändler hat die Goldnotiz stabilisiert. Diese Nachfrage verfügt aber nicht über die Kraft, um die starken Verkäufe der ETF-Halter zu kompensieren. Es ist daher möglich, dass der Goldpreis auf kurze Frist weiter zur Schwäche neigt. Ein Nachgeben bis auf Werte um 1.200 bis 1.250 US-Dollar würde ihn angesichts der verschlechterten Stimmung für das Edelmetall nicht überraschen.

Fünf bis zehn Prozent Portfoliobeimischung weiterhin sinnvoll

Nach meiner Einschätzung reduzieren momentan viele institutionelle Anleger ihre Goldengagements, weil sie eher wieder Kursgewinne anstreben und sicherheitsorientierte Kapitalanlagen aktuell gering schätzen. Die große Angst ist raus aus den Köpfen der Leute. Daher ziehen risikoreichere Anlagen wie Aktien wieder mehr Kapital an und boomen.

Hier liegt möglicherweise jedoch ein gravierendes Missverständnis. Gold sollte nicht primär unter dem Gesichtspunkt der Spekulation erworben werden. Auch wenn es grundsätzlich stark im Preis schwankt, stellt das Edelmetall ein nicht manipulierbares Zahlungsmittel außerhalb des Papiergeldsystems dar.

Die Beimischung des Edelmetalls in Höhe von fünf bis zehn Prozent zur Stabilisierung des Portfolios gegen einen immer noch möglichen finanzpolitischen „worst case“ ist daher nach wie vor sinnvoll.

Langfristige Stabilisierung wahrscheinlich

Die Argumente für das Halten von Gold haben nichts an Gültigkeit eingebüßt. Man denke nur an die ungelöste Eurokrise und die ultralockere Geldpolitik führender Notenbanken. Momentan sind die hierdurch entstandenen Risiken jedoch in den Hintergrund getreten. Nun muss etwas Zeit verstreichen, bis die Goldnotierung wieder kräftiger anziehen kann. Kurzfristig steht die Marke von 1.400 US-Dollar zur Diskussion. Mittelfristig sei dann die Widerstandszone bei 1.500 bis 1.550 US-Dollar zu überwinden.

In diesem Zusammenhang sollte man sich die prekäre Situation der Goldminen-Unternehmen ansehen. Ein großer Teil der Bergbaugesellschaften arbeitet beim derzeitigen Goldpreis defizitär. Sollte das so bleiben, könnte dies mittelfristig zu einem deutlich niedrigeren Angebot führen. Die Produktionskosten der Förderunternehmen waren in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Eine weitere Stütze für den Goldpreis stellt die Nachfrage durch Notenbanken dar.

Angebotslücken bei Platin und Palladium

Platin und Palladium weisen derzeit bessere Kurschancen auf als Gold. Die Notierungen der beiden Edelmetalle fielen zuletzt nicht so kräftig und erholten sich anschließend stärker. Bei Platin gibt es ein echtes Angebotsdefizit. In Südafrika, dem wichtigsten Förderland, behinderten weiterhin Streiks und Stromausfälle die Produktion.

Palladium und vor allem Platin werden schwerpunktmäßig für Abgas-Katalysatoren benötigt. Neben der Autoindustrie stellen die Schmuckindustrie und Edelmetall-Anleger wichtige Käufergruppen dar. In Südafrika wurde jetzt der erste Platin-ETF aufgelegt, auch das treibt die Nachfrage.

Die beiden Edelmetalle Platin und Palladium sind derzeit mit rund 57 Prozent im Portfolio des Hansawerte gewichtet. Der sicherheitsorientierte Hansagold konnte zuletzt ebenfalls von einer Beimischung beider Edelmetalle in Höhe von rund sieben Prozent profitieren.

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