Nicolas Maduro

Venezuelas Anleihen werden zum größten Schwellenland-Flop

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Venezolanische Anleihe-Investoren lernen gerade auf die harte Tour, dass Nicolas Maduro kein Hugo Chavez ist.

Seit er die Nachfolge seines Mentors im April 2013 angetreten hat, steht Maduro für die schlechtesten Bonds-Erträge in Schwellenländern überhaupt: Die Dollar-Anleihen kommen bis einschließlich Mittwoch auf ein Minus von 8,7 Prozent.

Das ist eine komplette Trendumkehr zu den Zeiten von Chavez, als die Bonds des Landes 14 Jahre lag durchschnittlich einen Jahresertrag von 16 Prozent einspielten. Unterm Strich bescherten sie Investoren in diesem Zeitraum 692 Prozent - verglichen mit einem Plus von 387 Prozent bei Schwellenländern insgesamt, zeigen Daten von J.P. Morgan Chase & Co.

Auf den ersten Blick ist nur schwer festzustellen, was sich in Venezuela eigentlich geändert hat. Maduro gilt wie sein Vorgänger als ein Sozialist, der den Ölreichtum des Landes in eine Vielzahl sozialer Programme steckt und stärker in die Wirtschaft eingreift.

Doch beim genaueren Hinsehen offenbart sich ein Präsident, dem es an politischen Schlagkraft und breit aufgestellter Unterstützung in der Bevölkerung mangelt - also jenen Eigenschaften, auf die sich sein Mentor notfalls verlassen konnte, um soziale oder auch finanzielle Krisen einzugrenzen.

Chavez “hatte eine Menge Charisma”, sagt Bianca Taylor, Analystin für Staatsanleihen bei Loomis Sayles & Co. in Boston, im Interview mit Bloomberg News. “Nicolas Maduro hat das Charisma nicht. Er hat nicht die Unterstützung der Regierung und er hat nicht die Unterstützung des Kongresses. Und ohne all dies ist es schwierig für ihn, die Entscheidungen zu treffen, die er treffen muss. Er ist nicht in der Lage, zu regieren, weil er keine starke Führungspersönlichkeit ist.”

Seit dem Amtsantritt von Maduro hat Loomis Sayles die Bestände an Venezuela-Bonds gesenkt.

Der jüngste Einbruch bei den Anleihen begann Ende Juli, als die in den USA ansässige Citgo Petroleum Corp. bekanntgab, dass ihr Besitzer - die staatliche Ölgesellschaft Petroleos de Venezuela - das Unternehmen zum Verkauf stellen wolle. Die US-Tochter gab Anleihe-Investoren in der Vergangenheit stets Vertrauen in Anleihen aus Venezuela, weil sie bei einem Zahlungsausfall des Landes letztlich die Möglichkeit hätten, venezolanische Aktiva beschlagnahmen zu lassen. Citgo besitzt drei Raffinerien und 6000 Tankstellen auf amerikanischem Boden.

Im laufenden Monat setzten sich die Bonds-Verluste fort, als Maduro den wichtigsten Wirtschaftsberater des Landes vor die Tür setzte und der Harvard-Professor Ricardo Hausmann dem Land indirekt einen Zahlungsausfall nahelegte.

Zusätzlichen Druck bringt der Preisverfall von Öl, dem wichtigsten Exportgut des Landes. Die Sorte Brent ist zuletzt unter 100 Dollar je Barrel gefallen.

Die Inflation lag im August auf Jahressicht bei 63,4 Prozent. So schnell stiegen die Preise in keinem anderen Land, das von Bloomberg beobachtet wird.

Auch Ray Zucaro, Fondsmanager bei SW Asset Management in Newport Beach, ist seit dem Machtwechsel dem Land gegenüber negativ eingestellt. Chavez “war vielleicht verrückt, aber er war nicht dumm. Und ich bin mir nicht sicher, dass man das über die aktuelle Führung auch sagen kann. Hugo Chavez war nicht wundervoll bei der Führung eines Landes, aber diese Jungs jetzt sind sogar noch schlimmer”.

Maduros Unfähigkeit, den wirtschaftlichen Absturz seines Landes zu stoppen, hatte dieses Jahr auch zu Straßenprotesten mit 43 Toten geführt.

“Wenn sie nichts unternehmen, um die wirtschaftliche Instabilität zu reduzieren und die Inflation in den Griff zu bekommen, wird das alles in irgendeiner Form sozialer Unruhen enden”, ist sich Munir Jalil, Chefvolkswirt für Venezuela und Kolumbien bei Citigroup, sicher.

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