Themen-Experte
Eine dynamische Strategie für die Asset-Allokation

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EZB-Chefin Christin Lagarde Foto: IMAGO / Sven Simon
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Festverzinsliche Wertpapiere

Niedrige Anleiherenditen sind nur eine Seite der Medaille

Eine Vielzahl von Anlegern stellt die Rolle von festverzinslichen Wertpapieren in ihren Portfolios immer mehr in Frage: Die realen Renditen sind gesunken, was zu geringeren Erträgen heute und abnehmenden Kapitalgewinnen morgen führen kann.

Doch trotz niedriger Renditen können Anleihen weiterhin zur Risikodiversifizierung in breiten Portfolios beitragen. Die Zinsen der Notenbanken könnten weiter sinken, was einen Boden unter die Anleihebewertungen ziehen würde. Und einige Segmente des Rentenmarktes – insbesondere Kreditpapiere – bleiben unserer Meinung nach auch im Vergleich zu Aktien attraktiv.

Wir glauben, dass aktives Management der Schlüssel zur Hebung dieses Potenzials bleibt. Unsere Untersuchungen zeigen, dass es sich bei festverzinslichen Wertpapieren eher anbietet als bei Aktien. Hier sind unsere wichtigsten Erkenntnisse:

Anleihen bleiben ein starker Diversifikator

Obwohl die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen in den vergangenen Jahrzehnten insgesamt schwach war, waren die Renditen von festverzinslichen Wertpapieren in fast allen Rezessionen seit 1952 positiv. Das galt sogar in Zeiten, in denen Aktien und Anleihen starkkorrelierten. Letztlich hängt die Beziehung zwischen diesen beiden Anlageklassen entscheidend von der Höhe der Marktbewertung ab, wie unsere Untersuchungen zeigen.

Die Zinsen könnten weiter sinken

Hand aufs Herz: Glauben Sie, dass die Zinsen nicht weiter fallen? Ist Ihre Antwort ein klares Nein? Denken Sie noch einmal nach. Demografische Entwicklungen und Produktivitätssteigerungen, steigende Ungleichheit, höhere Sparquoten und eine akkommodierende Geldpolitik sprechen für niedrigere Zinsen. Obwohl die Inflation ein langfristiges Risiko bleibt, neigen niedrige Zinsen dazu, noch niedrigere Zinsen hervorzurufen. Und sobald die Zinsen sinken, fließt das Kapital dahin, wo noch Erträge zu erzielen sind: Die Preise von Risiko-Assets ziehen an und die Wirtschaft wird abhängiger von Vermögenseffekten, die etwa durch Aktienbesitz entstehen. Portfolios mit größerem Exposure gegenüber Risiko-Assets reagieren empfindlicher auf höhere Zinsen und nachfolgende Ausverkäufe. Diese Dynamik hat sich in verschiedenen Varianten abgespielt – von den Aktienmärkten in den USA über Immobilien in China und Südeuropa bis hin zu Industriemetallen in Australien.

Digitale Währungen würden Flucht ins Bargeld stoppen

Weil die wichtigsten Zentralbanken rund um die Welt zudem über digitale Währungen nachdenken, besteht die Möglichkeit, dass die Zinsen tief in den negativen Bereich fallen: Absehbar ist, dass die Notenbanken zur zukünftigen Stimulierung der Konjunktur die Zinsen noch weiter senken werden. Die Flucht in Bargeld würde sich massiv beschleunigen, da Geld auf dem Konto dann nicht einmal mehr Niedrigzinsen abwirft, sondern im Gegenteil auf das Ersparte noch eine Gebühr bezahlt werden muss. Wer auf dem Sparbuch spart, verliert Geld aufgrund des Negativzinses – und Bargeld ist in einer Welt mit ausschließlich digitalen Währungen nichts mehr wert.

Anleihen sind im Vergleich zu Aktien fair bewertet

Festverzinsliche Wertpapiere, insbesondere Anleihen, sind daher im Vergleich zu Aktienwerten, die sich in der Nähe historischer Höchststände befinden, weiterhin attraktiv bewertet: Zwar liegen die Renditen von Staatsanleihen in allen G7-Ländern in der Nähe von Allzeittiefs. Aber basierend auf einer langen Zeitreihe scheinen Staatsanleihen im Vergleich zu Aktien fair bis günstig zu sein.

Insbesondere für Anleger, die in der Lage sind, das zusätzliche Risiko zu tragen, erscheint unserer Ansicht nach der Kreditmarkt besonders attraktiv. Dieser Trend wird wahrscheinlich durch die fortgesetzte Bankenregulierung unterstützt, die Anreize für eine vorsichtige Kreditvergabe schafft. Die Regulierung hat indes dazu geführt, dass viele potenzielle Kreditnehmer keinen Zugang zu traditionellen Bankkreditlinien haben. Das ist eine Marktlücke, die vorsichtige Investoren besetzen können. Natürlich erhöht der Umstieg vom öffentlichen auf den privaten Markt das Liquiditätsrisiko. Pimco-Untersuchungen und die Studien anderer Marktteilnehmer legen jedoch nahe, dass Investoren im Allgemeinen mit Überschussrenditen von 2 bis 4 Prozent belohnt wurden, wenn sie ihr Kapital zwischen fünf und zehn Jahren fest angelegt haben (obwohl es keine Garantien gibt und Investoren Verluste erleiden können).

Aktives Management ist der Schlüssel

Unseren Beobachtungen zufolge schlug in den vergangenen zehn Jahren die Mehrheit der aktiven Anleihefonds und ETFs in den USA in zwei von drei wichtigen Morningstar-Kategorien den Median ihrer passiven Konkurrenten unter Berücksichtigung der Gebühren. Im Gegensatz dazu gelang es den meisten aktiven Aktienstrategien in allen drei Kategorien nicht, den Median ihrer passiven Pendants zu schlagen.

Zentralbanken, Versicherungsgesellschaften und andere Investoren – für die die Maximierung von Renditen nicht das primäre Ziel ist – machen fast die Hälfte des 100 Billionen US-Dollar umfassenden globalen Anleihemarktes aus. Den größeren Teil des Marktes können sich aktive Fondsmanager zunutze machen: Die Überrendite Alpha lässt sich beispielsweise durch Durationsverlängerung, Versteilerung der Renditekurve und Volatilitätsverkäufe erzielen. Zugleich können auch höher rentierliche Währungen und Wertpapiere wie Hochzinsanleihen, Schwellenländeranleihen und Non-Agency-Hypotheken zur Erzielung von Rendite eingesetzt werden.

 

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