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“Niedrige Zinsen könnten zum Problem für die Versicherer werden”

Tim Ockenga, Fitch Ratings

Tim Ockenga, Fitch Ratings

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DAS INVESTMENT.com: Die EZB hat den Leitzins gerade auf 1,5 Prozent gesenkt – was bedeutet das für die deutschen Versicherer? Tim Ockenga: Wegen der hohen Bedeutung der Zinsanlagen könnten deutliche Zinssenkungen – wie wir sie derzeit erleben – langfristig zu einem Problem für die Gesellschaften werden. Da Zinsanlagen die größte Anlageklasse im Portfolio der Versicherer sind, muss nämlich hauptsächlich über sie der Garantiezins von durchschnittlich 3,5 Prozent im Bestand und die Überschussbeteiligung erwirtschaftet werden. Das wird schwieriger, je niedriger die Rendite dieser Anlagen ist. Allerdings darf man in diesem Zusammenhang nicht nur die Neuanlage betrachten. DAS INVESTMENT.com: Inwiefern? Ockenga: Nach Schätzungen von Fitch verfügen die Gesellschaften zurzeit über einen durchschnittlichen Kupon in den gesamten festverzinslichen Papieren von rund 4,6 Prozent. Die Restlaufzeit beträgt darüber hinaus durchschnittlich noch mehr als acht Jahre. DAS INVESTMENT.com: Heißt das übersetzt, die Versicherer könnten die Niedrigzinsphase noch acht Jahre lang überstehen? Ockenga: So einfach ist das leider nicht. Denn die Neuinvestitionen, die die Versicherer derzeit tätigen drücken natürlich das Durchschnittsniveau beim Kupon. Daher lautet die große Frage: Wie lange dauert die Niedrigzinsphase? Und darauf hat heute noch keiner eine Antwort. DAS INVESTMENT.com: Niedrige Zinsen, Kursstürze an den Börsen – ist das Spektrum an Wertpapieren, in das die Versicherer investieren können, um ihre Garantien zu gewährleisten und Rendite zu erzielen, jetzt kleiner geworden? Ockenga: Während die Verzinsung von Bundesanleihen deutlich gesunken ist, bekommen die Versicherer zum Beispiel für ebenfalls sehr sichere Pfandbriefe immer noch 4 Prozent. Die Zinsen für andere, risikoreichere Anlagen, wie zum Beispiel Unternehmensanleihen, sind in den letzten Monaten deutlich gestiegen. Der hier erzielbare Anlagezins liegt deutlich über dem Garantiezins, geht aber mit höheren Ausfallrisiken dieser Papiere einher. Von daher ist das Anlagespektrum der Versicherer grundsätzlich nicht kleiner geworden. Es hängt aber mehr denn je von der Risikotragfähigkeit und hier besonders von der Kapitalausstattung des Versicherers ab, in welche Papiere investiert werden kann. Nach unseren Beobachtungen hat sich der Großteil der Branche bisher als sehr risikobewusst erwiesen. So lag die Aktienquote auch zum Ende des Boomjahrs 2007 im Durchschnitt nur bei rund 10 Prozent.