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Nischenprodukte: Die Spreu vom Weizen trennen

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Was es nicht alles in die Ladentheken der Zertifikateemittenten schaffte. In Zeiten kollektiver Glückseligkeit, als die Kurse an den Aktien- und Rohstoffmärkten nur eine Richtung – und zwar gen Norden – zu kennen schienen, verließen zahlreiche Papiere die Produktbänder der Derivateanbieter, die sich in die wohlklingende Kategorie Zukunftsinvestments einordnen ließen. Gedacht waren sie für Anleger, denen die langwierige Hausse an den etablierten Märkten zu eintönig wurde und sich auf die Suche nach einem echten Kick fürs Portfolio abseits der ausgetrampelten Pfade begeben wollten. Wie langweilig kommt ein breit gestreutes Asienportfolio daher, wenn man es einem konzentrierten Kasachstan-, Dubai- oder Vietnam-Aktienbasket gegenüberstellt? Und warum sollte man sich mit einem Index auf die gebräuchlichsten Industriemetalle zufrieden geben, wenn auch Produkte auf noch viel knappere und wichtigere Metalle wie Rhodium oder Molybdän oder auf die Profiteure steigender Urannotierungen zur Auswahl stehen?    All diese bis dato nahezu unbekannten Basiswerte hatten zwei Dinge gemeinsam: Sie blickten auf eine Entwicklung exorbitanter Kurssteigerungen zurück und wurden von einer spannenden Story begleitet, die auf den ersten Blick kaum einen Zweifel am Fortbestand der Aufwärtsbewegung aufkommen ließ. Nur kurze Zeit nach Emission entpuppten sich die Kursraketen als Sturzflieger. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Am meisten hat natürlich das jähe Ende der Aktien- und Rohstoffhausse beigetragen. Nachvollziehbar, dass es hoch bewertete, als riskant geltende und teilweise extrem illiquide Anlagen in einer Phase allgemeiner Börsentristesse besonders hart erwischt.  Aussichtsreiche Themenpapiere Klar ist: Keiner der Produktgeber hat jemals behauptet, das sich derlei exotische Zertifikate als Basisinvestment oder für mehr als eine kleine Depotbeimischung eignen. Klar ist jedoch auch, dass viele dieser heißen Eisen rein gar nichts in einem halbwegs vernünftig ausgerichteten Portfolio zu suchen haben und dass die abgegebenen Warnhinweise nicht alle Anleger davon abhalten konnten, einen nicht unwesentlichen Teil ihres Ersparten auf die definitiv falschen Karten zu setzen. Nicht ausgeschlossen, dass sich einige der abgestürzten Papiere schon bald erholen werden und in einigen Jahren ihre Kursniveaus vom Zeitpunkt der Emission wiedersehen. Ob sie sich damit als Kandidaten für einen Neueinstieg oder einen strategischen Portfoliobaustein qualifizieren, muss jedoch infrage gestellt werden.      Welche Lehre sollte aus dem Debakel der überschätzten Nischenprodukte gezogen werden? Hände weg von Themenzertifikaten und von Aktien-Baskets auf die Regionen von übermorgen? Auf keinen Fall! Neben Kasachstan und Molybdän gibt es eine Reihe von weitaus weniger exotischen Zertifikaten, die mitunter ähnlich hohe Kurseinbrüche hinter sich haben und mit denen sich zukunftsträchtige Branchen und Regionen abdecken lassen.   Wer sich jetzt für ein breit gestreutes Zertifikat auf Aktien aus den Emerging Markets entscheidet, der kann auf Sicht von einigen Jahren nicht allzu viel falsch machen. Die Produktauswahl ist groß (siehe auch: „Bric – preiswerte Super-Märkte“). Das DWS Go Emerging Markets Top Stars Zertifikat (WKN DWS0G9) setzt beispielsweise auf die aussichtsreichsten, gestandenen Unternehmen aus Asien, Osteuropa und Lateinamerika. Regional enger gefasst aber dafür über mehr als 200 Einzeltitel gestreut kommt das Indexzertifikat von Morgan Stanley auf den MSCI Bric Equity Index (WKN: MS8E4Q) daher. Ziel sind die reifen Staaten unter den Schwellenländern Brasilien, Russland, Indien und China. Für die zweite Reihe der aufstrebenden Länder – die sogenannten Next-11-Staaten – bietet sich ein Indexzertifikat von Goldman Sachs an (WKN: GS8N11).   Ein weiteres aussichtsreiches Thema – darüber sind sich alle Experten einig – ist der globale Ausbau der Infrastruktur. Schon seit längerem ganz weit oben auf der Liste, werden die Unternehmen, die sich dem Ausbau von Verkehrswegen, Ver- und Entsorgungseinrichtungen und Kommunikationskanälen verschrieben haben durch die milliardenschweren Konjunkturprogramme der Regierungen in aller Welt schon recht bald einen zusätzlichen Schub erhalten. Geeignete Zertifikate kommen unter anderem von der UBS (WKN: UB2STR), Goldman Sachs (WKN: GS72RX) und DWS Go (WKN: DWS0GF).   Auch Firmen, die Lösungen gegen ein Voranschreiten des Klimawandels anbieten, wurden vom Strudel einbrechender Aktienmärkte mitgerissen, verloren überdurchschnittlich an Wert, sollten aber langfristig zu den Gewinnern gehören. Eine Reihe von Zertifikaten bieten einen, wenn auch oft sehr konzentrierten Zugang zu dem wohl wichtigsten Thema des 21. Jahrhunderts (siehe auch: „Zertifikate für eine bessere Welt“). Mit zirka 70 im Index abgebildeten Titeln ist das Climaflex Zertifikat der DWS Go (WKN: DWS0H5) am breitesten aufgestellt. Eine Alternative ist das Klimaschutz-Zertifikat von Vontobel (WKN: BVT622). Auch Zertifikate, die sich dem Bereich erneuerbare Energien – einem Teilsegment der Klimawandelthematik - widmen, eignen sich als langfristiger Portfoliobaustein. Hierfür kommt zum Beispiel das Indexpapier der Raiffeisen Centrobank auf den S-BOX Alternative Energien Index in Frage (WKN: RCB7JF).   Dieser Artikel stammt aus dem 14-tägigen Online-Magazin DAS DERIVAT. >> Aktuelle Ausgabe herunterladen >> Kostenlos abonnieren

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