Die Aktienmärkte konzentrieren sich zunehmend auf eine kleine Gruppe von Gewinnern aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz. Doch der durch den Strukturwandel geschaffene Mehrwert kommt selten nur den Unternehmen zugute, die Schlagzeilen machen.

Unter den derzeitigen Marktbedingungen besteht die Herausforderung darin, sicherzustellen, dass die Marktdynamik nicht das Portfolio bestimmt. In diesem Zusammenhang verbindet der Carmignac Investissement das Engagement in einige der weltweit vielversprechendsten Wachstumsgeschichten mit einer disziplinierten Bewertungsstrategie, einer echten Diversifikation über Regionen und Sektoren hinweg sowie der aktiven Suche nach weniger überlaufenen Alpha-Quellen jenseits der Index-Schwergewichte.

Drei Beteiligungen veranschaulichen diese Philosophie besonders gut: das japanische Baustoff-Unternehmen Nitto Boseki, der französische Hochtechnologiekonzern Safran und der in den USA börsennotierte globale Betreiber von elektronischen Börsenmarktplätzen Tradeweb. Obwohl sie in sehr unterschiedlichen Branchen tätig sind, nimmt jedes dieser Unternehmen eine strategisch wichtige Position innerhalb seines Ökosystems ein und bietet Zugang zu starken langfristigen Wachstumsfaktoren, ohne dabei im Mittelpunkt des Anlegerinteresses zu stehen.

Nitto Boseki: Ein heimlicher Marktführer im Bereich Werkstoffe für bahnbrechende KI-Chips

Die Rally im Halbleitersektor hat sich weit über Nvidia hinaus ausgeweitet. Die Logik ist einfach: Die Nachfrage nach Rechenleistung explodiert, das Angebot ist weiterhin begrenzt, und die Engpässe beschränken sich nicht mehr nur auf den Chip selbst. An dieser Stelle wird Nitto Boseki, kurz Nittobo, interessant. Auf den ersten Blick sieht es nicht wie ein KI-Unternehmen aus. Ursprünglich ein japanisches Textilunternehmen, ist Nitto inzwischen zu einem wichtigen Zulieferer in der hochmodernen Halbleiter-Lieferkette geworden.

Sein Hauptprodukt, bekannt als T-Glas, ist ein hochspezialisiertes Glasgewebe, das in Substraten für die Halbleiterverpackung zum Einsatz kommt. Diese Werkstoffe verstärken und stabilisieren die Trägerplatten, auf denen hochmoderne Chips montiert werden. Sie tragen dazu bei, die Wärmeausdehnung zu kontrollieren, Signalverluste zu verringern und die Zuverlässigkeit bei sehr hoher Rechenintensität zu verbessern. Einfach ausgedrückt: Da Chips immer schneller, heißer und komplexer werden, sind die umgebenden Materialien für Performance und Zuverlässigkeit mittlerweile genauso entscheidend wie das Silizium selbst. Es handelt sich um kein Allerweltsprodukt; die Herstellung erfordert jahrzehntelanges Know-how in den Bereichen Glasrezeptur, Faserspinnerei, chemische Zusammensetzung und Fertigungspräzision. Das Ergebnis ist ein Nischenmarkt, in dem Nittobo eine sehr starke Position einnimmt und in den neue Wettbewerber nicht einfach durch höhere Investitionen vordringen können.

Die jüngsten Geschäftszahlen des Unternehmens haben dieses Bild bestätigt. Die Unternehmensleitung hat eine Prognose abgegeben, die auf ein Wachstum des Betriebsgewinns von mehr als 70 Prozent über einen Zeitraum von zwei Jahren1 hindeutet. Noch wichtiger ist, dass sich die Produktionskapazität für T-Glas zwischen März 2024 und März 2028 voraussichtlich2 verdreifachen wird. Doch selbst diese Investitionen reichen möglicherweise nicht aus, um die Versorgungsengpässe vollständig zu beheben. Die Nachfrage nach hochmodernen Halbleitermaterialien ist nach wie vor so groß, dass Vertreter von Apple und Nvidia Berichten zufolge nach Japan gereist sind, um sich direkt zusätzliche Produktionskapazitäten zu sichern.

Dies erklärt zum Teil die bereits in diesem Jahr verzeichnete starke Performance der Aktie, doch wir sind der Ansicht, dass das Unternehmen mittelfristig weiterhin von einem deutlichen Mangel an Hochleistungswerkstoffen profitieren kann, die für Halbleiter der nächsten Generation unverzichtbar werden, sowie von der steigenden Nachfrage nach seinem Spezialglas, da Elektronikgeräte immer kleiner, leistungsfähiger und in der zuverlässigen Herstellung zunehmend komplexer werden.

Nittobo ist daher ein gutes Beispiel für einen „etwas abseits der ausgetretenen Pfade“ liegenden Nutznießer der KI: Im Vergleich zu den Giganten des Halbleiter-Ökosystems ist das Unternehmen zwar relativ klein, strategisch jedoch in einer der am stärksten begrenzten und wertvollsten Schichten dieses Ökosystems verankert.