Noah Leidinger legt eine beeindruckende Karriere hin: Vom autodidaktischen Aktienanalysten im Teenageralter hat er sich zum Host eines der erfolgreichsten deutschen Wirtschaftspodcasts entwickelt.
Heute leitet der 22-Jährige als Geschäftsführer die Beteiligungsgesellschaft OMR X und ist Bestseller-Autor (Lebenslauf siehe Artikelende).
Zeit für einen genaueren Blick auf einen der Shootingstars der deutschen Finanzszene – aufgeteilt in elf Fakten zu Noah Leidinger.
1. Host des erfolgreichen Podcasts „Ohne Aktien wird schwer“
„Ohne Aktien wird schwer gehört“ (OAWS) zu den meistgehörten Wirtschaftspodcasts im deutschsprachigen Raum. „Deutlich über 100.000 Hörer im Monat“ erreiche der börsentäglich erscheinende Podcast, wie Leidinger im Interview mit DAS INVESTMENT verrät.
In ausgetretenen weißen Sneakern der Laufschuhmarke On und mit grauem Sweatshirt – dazu später mehr – sitzt Leidinger in einem der vielen Podcast-Studios des OMR-Gebäudes im hippen Hamburger Schanzenviertel. Zurückgelehnt in einem tiefen Sessel berichtet er über seinen außergewöhnlichen Werdegang.
Das Erfolgsrezept von OAWS? „Ein entscheidender Faktor war das Timing – wir waren der erste tägliche Börsenpodcast in Deutschland“, erklärt Leidinger, der seit Juni 2021 als Host die wichtigsten Börsengeschehnisse analysiert – präsentiert vom Neobroker Scalable Capital.
Doch der nachhaltige Erfolg basiert auf dem inhaltlichen Konzept: „Wir haben nicht nur den News-Teil, den die meisten machen. Jeden Tag gibt es zusätzlich eine tiefgehende Analyse eines Geschäftsmodells, auch unabhängig von der Aktualität.“
Diese Strategie bewährte sich auch nach der Corona-Pandemie: „Als der große Hype vorbei war, blieben die Hörerzahlen stabil und stiegen sogar weiter“, berichtet Noah Leidinger stolz.
Mittlerweile hat sich das Podcast-Format diversifiziert – mit Whatsapp-Newsletter, Youtube-Kanal und Live-Events in Kinosälen mit bis zu 200 Leuten.
2. Seine erste Aktie kaufte Noah Leidinger mit 13 Jahren
Die Faszination für Aktien entwickelte sich bei Noah Leidinger über einen ungewöhnlichen Weg: Fitness-Youtuber, die anfingen, über Business-Themen zu sprechen. „Zum Glück war ich zu jung für deren Multi-Level-Marketing-Angebote“, erinnert sich Leidinger schmunzelnd.
Stattdessen entdeckte er über die Fitness-Influencer seriöse Finanzbildung — etwa die MBA-Vorlesungen des Stern-Professors Aswath Damodaran.
In seinem Elternhaus in Eferding bei Linz ist die Finanzwelt ein Fremdkörper. Der Vater führt ein gemeinnütziges Unternehmen, die Mutter arbeitet als Psychologin, die Schwester als Sozialarbeiterin. „Ich bin das schwarze Schaf“, sagt Leidinger und lacht.
Dennoch unterstützte der Vater die ungewöhnliche Leidenschaft seines Sohnes und eröffnete ein Depot: Seine ersten drei Bayer-Aktien nach der Monsanto-Übernahme hält Leidinger bis heute — „als Erinnerungsstück“.
Die Investition wurde zum Lehrstück: „Ich hatte die Bewertung gesehen und dachte, die Aktie sei total günstig. Aber ich habe unterschätzt, wie lange sich Rechtsstreits ziehen können und welche Folgen die Überschuldung durch die Übernahme hat.“
3. Konservative Strategie: „Bin überhaupt kein Zocker“
Wer bei einem 22 Jahre alten Finfluencer riskante Trading-Strategien vermutet, liegt falsch. „Grundsätzlich habe ich gar nicht dieses Zocker-Gen. Mich hat nie das Chart-Trading interessiert, sondern immer das Verstehen von Geschäftsmodellen“, erklärt Noah Leidinger seine Herangehensweise.
Diese Philosophie spiegelt sich in seinem eigenen Portfolio wider: 90 Prozent ETFs, 10 Prozent Einzelaktien. Dabei schaut er erstaunlich selten ins eigene Depot. „Ich bin da überraschend passiv“, gesteht er.
Seine Begründung ist pragmatisch: In jungen Jahren sei die Optimierung der beruflichen Entwicklung wichtiger als die des Portfolios. „Selbst wenn du als junger Mensch 20 Prozent Rendite schaffst – was schon genial wäre – bringt es dir absolut gesehen bei einem geringen Vermögen nicht so viel.“
Seine Expertise investiert er lieber in die Analyse von Unternehmen. Besonders interessieren ihn Compounder, also Firmen mit kontinuierlichem, überdurchschnittlichem Wachstum.
4. Vom Zivildienst zu OMR
Mit 13 Jahren begann Noah Leidinger, Finanz-YouTubern seine Dienste anzubieten und Aktienanalysen zu schreiben. „Nach der zehnten Mail kam endlich eine Reaktion“, erinnert er sich.
Er recherchierte Unternehmensbiografien, erstellte Analysen und baute sich eine eigene Webseite auf. Parallel dazu schrieb er ein 300-seitiges Aktienlexikon. „Das wurde aber nie veröffentlicht, weil es wirklich nicht so gut war. Aber ich habe mir dadurch alle wichtigen Begriffe selbst beigebracht.“
Nach dem Abitur absolvierte er seinen Zivildienst in einem Krisenzentrum für Roma- und Sinti-Kinder in Bulgarien. Von dort aus bewarb er sich bei den „Online Marketing Rockstars“ (OMR). „Ich war noch drei Monate remote in Bulgarien und kam dann nach Hamburg“, beschreibt er seinen Einstieg.
Nach nur zwei Monaten als Redakteur übernahm er im Juni 2021 die Host-Rolle des Podcasts von OMR-Gründer Philipp Westermeyer.
5. Portfolio-Manager und Geschäftsführer von OMR X
Seit Oktober 2023 führt Leidinger als Geschäftsführer die Beteiligungsgesellschaft OMR X. „Ein großer Teil wird wieder ins Festival und andere Geschäftsbereiche investiert. Aber wenn spannende Start-ups auf uns zukommen und wir gut unterstützen können, investieren wir“, erklärt er die Strategie.
Das Portfolio umfasst Investments in mittlerweile 15 bis 20 Unternehmen. Als Erfolgsbeispiele nennt er Koro und Appinio: „Koro hat gerade wieder 35 Millionen eingesammelt.“
Die Investments erfolgen meist über Wandelanleihen, die später in Eigenkapital umgewandelt werden. „Das macht man nur, weil man die Runde nicht im Handelsregister eintragen muss. Es ist eben einfacher, geht aber dann als ganz normale Equity in die GmbH.“
6. „Gehöre nicht zu den Krypto-Jüngern“
Als Teenager wollte Noah Leidinger in Bitcoin investieren — sein Vater war skeptisch und verhinderte den Einstieg. „Das wäre im Nachhinein ein Millionenvermögen geworden“, schmunzelt er. Doch Verbitterung klingt nicht durch, eher nüchterne Analyse.
„Anders als bei Aktien gibt es bei Krypto keinen Cashflow, der eine Bewertung fundamental festlegen kann“, erklärt er seine zurückhaltende Position. „Theoretisch kann Bitcoin auch wieder null wert sein.“
Dennoch hat er einen kleinen Teil seines Portfolios in Kryptowährungen investiert – als Absicherung: „Ich habe einen fixen Krypto-Anteil, eine Summe, die ich verlieren kann. Wenn sich Krypto als große Assetklasse etabliert, will ich nicht sagen müssen, dass ich das komplett verpasst habe.“
7. Bestseller-Autor wider Willen
„Der Aktienbereich ist so voll besetzt mit Büchern, das macht keinen Sinn“, war Noah Leidingers erste Reaktion auf die Anfrage des Ullstein-Verlags.
Dann entwickelte er mit Co-Autor Florian Adomeit ein besonderes Konzept: Aktienanalyse anhand echter Unternehmen wie Google, Visa oder Adobe, orientiert am Case-Study-Ansatz amerikanischer Business Schools.
Das Buch wurde ein durchschlagender Erfolg. Es erreichte Platz 2 der Spiegel-Bestseller-Liste und verkaufte sich fast 30.000 Mal. Die neue Taschenbuchausgabe, die Ende Oktober 2024 erschien, enthält ein zusätzliches Kapitel über Private Equity.
Besonders freut den Autor die Diversifizierung der Zielgruppe: „Das Buch wird mehr von Frauen gelesen. Bei Börsenpodcasts haben wir einen gigantisch hohen Männeranteil.“
8. Leidingers Vorbild
„Brad Jacobs ist mein Lieblingsunternehmer“, schwärmt Noah Leidinger. Der US-Amerikaner hat sechs Milliarden-Unternehmen aufgebaut – stets nach demselben Muster: Er kauft kleinere Firmen einer Branche auf und bündelt sie zu einem Marktführer.
Von Abfallunternehmen über Industrieausrüstung bis zu Logistikfirmen — Jacobs' Roll-up-Modell funktionierte in verschiedenen Sektoren.
Diese Strategie fasziniert Leidinger auch bei seinen eigenen Investments. Bei OMR X sucht er nach Unternehmen mit ähnlichem Potenzial. „Am Ende sind viele Private-Equity-Modelle auch an der Börse verfügbar“, sagt Leidinger und verweist auf Constellation Software.
9. Was Leidinger von Netzwerker Philipp Westermeyer gelernt hat
„Philipp ist klassisch ein Mentor,“ sagt Leidinger über den umtriebigen OMR-Gründer. „Aber es hat sich auch zu einer kollegialen Zusammenarbeit entwickelt.“
Durch Westermeyer lernte der Österreicher die Bedeutung von Netzwerken kennen – allerdings mit einer wichtigen Erkenntnis: „In meinem Dorf hatte ich kein Netzwerk. Ich hörte immer, wie wichtig das sei, konnte aber nichts damit anfangen“, erinnert er sich.
Bei OMR erlebte er das Gegenteil: Tausende Kontakte, Zugang zu wichtigen Persönlichkeiten. „Aber ein Netzwerk nur um des Netzwerks willen bringt relativ wenig. Es baut sich erst auf, wenn man selbst etwas Spannendes macht.“
Mittlerweile hat er selbst rund 11.500 Kontakte bei Linkedin.
10. Warum Leidinger Abwerbeversuche ausschlägt
Talent, Fachwissen, Reichweite – die persönlichen Assets des 22-Jährigen wecken Begehrlichkeiten. Noah Leidinger bekommt regelmäßig Angebote aus der Finanzwelt, das streitet er nicht ab.
Doch er bleibt bei OMR: „Die Mischung macht es besonders. Einerseits den Aktien-Podcast und das Mediale, was mir schon immer sehr viel Spaß macht. Andererseits den praktischen Einblick, wie Investments wirklich funktionieren.“
Die Kombination sei einzigartig: „Da muss ein Angebot erst mal mithalten können“, sagt Leidinger.
11. Und was bringt die Zukunft?
Seit dem Frühjahr 2024 ist Noah Leidinger auch selbst Investor: „Ich habe mit einer kleineren Summe in LAP Coffee investiert“, verrät er. Das Konzept der kleinen Kaffeekette aus Berlin habe „großes Potenzial, weil die Kunden irgendwann nicht mehr diese hohen Preise wie bei Starbucks zahlen wollen“.
Die enge Zusammenarbeit mit Gründern hat ihm nicht nur ein graues Sweatshirt beschert, sondern ihn auch inspiriert: „Wenn man immer mit Leuten zu tun hat, die Neues aufbauen, findet man das irgendwie spannender, als der zu sein, der nur investiert.“
Und so könnte sich Leidinger gut vorstellen, selbst etwas aufzubauen: „Die Entwicklung in Richtung Unternehmer, das finde ich spannender als Portfolio-Management.“
Bleibt da eigentlich noch Zeit für ein Privatleben, zum Abschalten? Wenn die Zeit es erlaubt, vertiefe er sich in Bücher, berichtet Leidinger: „Bei dem News-getriebenen Podcast-Alltag fehlt oft die Zeit, tiefer in Themen einzusteigen. In Büchern kann man das nachholen.“
Um fit zu bleiben, nutze er die Klimmzugstange oder Langhantel, die es im OMR-Büro gebe. Oder er geht laufen. Den Halbmarathon schaffe er – als ehemaliger Leichtathlet – in immerhin eineinhalb Stunden.
Fazit: Noah Leidinger als Role Model?
Noah Leidinger verkörpert eine neue Generation von Finanzexperten: digital versiert, aber analytisch fundiert. Bodenständig trotz frühen Erfolgs. Ein junger Österreicher, der in der Hamburger Medienwelt seine Berufung gefunden hat.
Seine Geschichte zeigt: Erfolg im Finanzbereich braucht nicht immer den klassischen Finance-Lebenslauf – manchmal reichen ein Jugendzimmer in Oberösterreich, ein paar Bayer-Aktien und der Mut, mit 13 Jahren einfach loszulegen.
Daten und Lebenslauf von Noah Leidinger:
• Geboren am: 1.3.2002 in Wels (Oberösterreich)
• Matura (Abitur): Juni 2020 am Gymnasium Dachsberg
• Controlling-Assistent bei der NeueWege gGmbH (Firma seines Vaters)
• Seit März 2021: Redakteur bei OMR
• Seit Juni 2021: Host des täglichen Börsenpodcasts „Ohne Aktien wird schwer“
• Seit März 2022: Prokurist bei OMR X
• Seit Oktober 2023: Geschäftsführer bei OMR X
• 2023: Co-Autor des Börsen-Buchs „Ohne Aktien wird schwer“ (Ullstein-Verlag)


