Fondsmanager Armand de Coussergues

Fondsmanager Armand de Coussergues

Nomadisierende Büros: „Finger weg von indischen Regierungs-Unternehmen“

Armand de Coussergues ist Fondsmanager des Echiquier Agenor (WKN: A0JLZE).

Was ist das Resultat aus der Teilnahme an über 70 Meetings und Präsentationen in sechs indischen Städten (Mumbai, Delhi, Bangalore, Hyderabad, Chennai und Pune) innerhalb von fünf Arbeitswochen? Die erste Feststellung ist eine ziemlich klassische: Indien hat gegenüber China zehn Jahre Rückstand.

Das unverkennbare Potenzial des Landes in allen Bereichen wird behindert durch eine schlechte Politik (Konservatismus, Populismus, Dezentralisierung, Reglementierung, Korruption und so weiter), die hohe kulturelle Komplexität und sehr stark ausgeprägte regionale Unterschiede. Das spiegelt sich aktuell in einer starken Verlangsamung des Wirtschaftswachstums wieder. Mit 4,5 Prozent im Dezember 2012 befindet sich das Wachstum des Bruttoinlandprodukts auf dem niedrigsten Stand seit 10 Jahren.

Wachstum: eine Frage der Zeit

Trotz dieses Rückstands rangiert Indien unter den wachstumsstärksten BRIC-Staaten an zweiter Stelle, gleich hinter China. Das Land hat in der Vergangenheit gezeigt, dass es in der Lage ist, ein jährliches Wachstum von nahezu 9 Prozent zu erreichen.

Unter Einbeziehung des demografischen Effekts scheint es sehr wahrscheinlich, dass das potenzielle Wachstum Indiens in 10 bis 15 Jahren das Wachstum der chinesischen Republik deutlich übertreffen wird. Das Timing ist noch nicht sicher, doch eine Sache steht fest: Früher oder später kann kein langfristig orientierter Anleger den indischen Markt außer Acht lassen. Es ist nur eine Frage der Zeit.

Einziger Wermutstropfen: Mit einer Anlage in Indien setzt man sich dem Risiko einer schwachen Währung aus. Die Rupie verzeichnet stetige Verluste. Gegenüber dem US-Dollar lag das Minus bei fast 100 Prozent in den vergangenen 30 Jahren und bei 60 bis 74 Prozent in den vergangenen 5 Jahren.

Dennoch muss man festhalten: Ausländische Investoren starten zwar mit dem Handicap, dass die Rupie jedes Jahr 6 Prozent an Wert verliert. Doch da das Wachstum des Gewinns je Aktie mindestens 15 Prozent beträgt, bleibt das Risiko beherrschbar.

Lokale Marktführer interessant

Auf Unternehmensebene ist das Resultat meiner Besuche vor Ort ein deutliches Interesse für die lokalen Marktführer. Eine starke marktbeherrschende Stellung ist von enormer Bedeutung, denn der Wettbewerb im Land ist hart. Darüber hinaus gebe ich Unternehmen mit soliden Bilanzen den Vorzug, denn die Frage der Finanzierung ist eine echte Herausforderung in Indien, wo die Zinsen 10 Prozent übersteigen können. In diesem Zusammenhang ist die Fähigkeit von Unternehmen, Cash zu generieren, eine Garantie, die als Erstes zu suchen ist.

Demgegenüber mache ich einen großen Bogen um Werte, die in irgendeiner Weise mit der Regierung zu tun haben. Die Immobilienbranche, die Landwirtschaft sowie die Bereiche Infrastruktur und Commodities scheinen ein nicht zu bewältigendes Risiko von Korruption, administrativen Verzögerungen und überstürzten Änderungen von Vorschriften zu bergen.

Und schließlich meide ich Unternehmen, die ihre Geschäftsentwicklung ins Ausland richten, denn viele von ihnen scheitern in Europa und den USA. Für indische Unternehmen liegen die besten Chancen immer noch in Indien.

Den ersten Teil der Serie über die Idee hinter den nomadisierenden Büros können Sie hier lesen.

Den zweiten Teil über einen längeren Asien-Aufenthalt hier.

Den dritten Teil über einen Erlebnisbericht aus den USA lesen Sie hier.

Mehr zum Thema
Anleger aus Schwellenländern rechnen mit 18 Prozent Rendite in den nächsten zehn Jahren „Wir wollen die Entwicklungswelle der aufstrebenden Mittelklasse Indiens reiten“ „Der Süd-Süd-Handel wird der Wachstumstreiber der Schwellenländer sein“