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Nomadisierende Büros: In der Welt vor Ort und doch in Paris zuhaus‘

Didier Le Menestrel von Financière de l’Echiquier
Didier Le Menestrel von Financière de l’Echiquier
Didier Le Menestrel ist Präsident und Gründer von der französischen Fondsboutique Financière de l’Echiquier

Bei Gründung des Unternehmens im Jahre 1991 hatte Financière de l’Echiquier zunächst einen eingeschränkten Aktionsradius. Die Fondsgesellschaft konzentrierte sich ausschließlich auf französische Midcaps.

Mit wachsendem Erfolg entstand ab den 2000er Jahren der dringende Bedarf, den Investmenthorizont zu erweitern. So haben wir unser Anlagespektrum auf Europa und größere Vermögenswerte ausgedehnt. Heute verfolgen wir denselben Ansatz: Die Globalisierung, die moderne Wirtschaft und die Entwicklung unserer Produkte führen uns rund um die Welt, um den Bedürfnissen der Anleger gerecht zu werden.

Die Idee der nomadisierenden Büros

Diese internationale Öffnung lenkt die Entwicklung unseres Fondsangebots, wie die Auflegung des globalen Aktienfonds Echiquier Global (WKN: A1C3DY) vor drei Jahren deutlich macht. Sie führte aber auch zur Schaffung eines neuen Systems. Wir nennen es nomadisierenden Büros.

Bislang ist es wenigen Fondsgesellschaften gelungen, ein Erfolgsmodell bei der Verteilung der Managementteams auf unterschiedliche Standorte aufzubauen. Deshalb haben wir der Eröffnung dezentraler Außenstellen die Schaffung von nomadisierenden Büros vorgezogen. So sind wir weiterhin in Paris ansässig und haben gleichzeitig die ganze Welt in Reichweite.

Das Konzept dahinter: Mehrmals im Jahr verlassen bestimmte Fondsmanager und Analysten Paris und arbeiten mehrere Monate in anderen wichtigen Finanzzentren. Auf diese Weise können sie weltweit vor Ort nach neuen Anlagechancen suchen – so wie ich es in den 1990er Jahren in Frankreich getan habe.

Die Unternehmensführung kennenlernen

Ob in New York, Schanghai, Salt Lake City, Hongkong, Taiwan, Singapur oder Mumbai – die Teams wenden unsere seit 1991 unveränderte Managementmethode an. Dafür müssen wir ein Unternehmen kennen und das tut man nur, indem man systematisch das Management trifft, prüft und hinterfragt. Aufgrund dieser Überzeugung führen wir mehr als 1.000 Unternehmensbesuche im Jahr durch.

Während ihrer Auslandsaufenthalte treffen sich unsere nomadisierenden Mitarbeiter mit Managern unserer Zielunternehmen – wo auch immer sie sich befinden. Dies ermöglicht unseren Fondsmanagern und Analysten, ihr Vertrauen in bestimmte Unternehmen zu bestätigen – etwa in Bezug auf die taiwanesische TSMC – oder neue Perlen zu entdecken, wie das amerikanische Unternehmen Varian, ein Hersteller von Medezintechnik.

In die lokale Kultur und Dynamik eintauchen

Dank der nomadisierenden Büros können wir gleichzeitig unsere Marktanalysen vor Ort vertiefen, neue Entwicklungen beobachten und  voraussehen. Ob neue Konsummuster, aufkommende Trends, attraktive Chancen – es gibt viele Aspekte, die man vor Ort mit der Zeit besser verstehen kann.

Hinzu kommt die kulturelle Komponente, die ebenfalls von Bedeutung ist. Einer unserer Analysten kehrte von seinem ersten Chinaaufenthalt mit der festen Überzeugung zurück, dass ein westliches Unternehmen ohne chinesisches Management in China nicht Fuß fassen kann. Die Beobachtung beruht darauf, dass es große Unterschiede zwischen westlichem und chinesischem Kommunikationsverhalten gibt, insbesondere in der Art und Weise „nein“ zu sagen.  Eine Formulierung, die in China kaum gebraucht wird – was eine Verhandlung und den Abschluss einer Handelsvereinbarung mit Westlern erschweren, ja sogar zum Scheitern bringen kann.

Wachstum und Unabhängigkeit in Einklang bringen

Wir halten die Augen weiterhin weltweit offen und profitieren von der Nähe zu den Volkswirtschaften, die die Wachstumstreiber von morgen sein werden. Diese Internationalisierung der Teams darf jedoch in keinem Fall zulasten des Zusammenhalts, der starken Unternehmenskultur und der Unabhängigkeit von Financière de l’Echiquier gehen.

Durch die nomadisierenden Büros haben wir die Möglichkeit, uns intern über unsere internationalen Erfahrungen auszutauschen. Ausgehend von dem Grundsatz, dass Wissen ebenso wichtig wie der Austausch von Wissen ist, legen wir großen Wert darauf, dass unsere Mitarbeiter nach ihrem Auslandsaufenthalt über die gesammelten Erfahrungen berichten und die gewonnenen Erkenntnisse weitergeben – so profitieren alle Teams.

Und ich persönlich schenke jedem Mitarbeiter, der ins Ausland geht, ein Exemplar des Buchs von Jim Rogers mit dem vielsagenden Titel: Investment Biker. Rund um die Welt mit Jim Rogers.


In den nächsten Beiträgen der Serie werden einzelne Manager und Analysten von ihren Reisen berichten.

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