Adrien Dumas, Fondsmanager von Financière de l’Echiquier

Adrien Dumas, Fondsmanager von Financière de l’Echiquier

Nomadisierende Büros: „VW dürfte künftig zur Nummer 1 der Autobauer werden“

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Wir waren zu Gast bei zwei Verwaltungsgesellschaften, zu denen wir enge Beziehungen pflegen. Zum einen bei Wasatch Advisors, unserer Schwestergesellschaft aus Salt Lake City. Zum anderen besuchten wir International Value Advisers, eine New Yorker Vermögensverwaltungsgesellschaft, die von unserem französischen Landsmann Charles „Chuck“ de Lardemelle gegründet wurde. Ziel der Reisen war es, sich noch intensiver mit der Funktionsweise des Marktes vertraut zu machen, in dem wir bereits seit 2005 aktiv sind.

Cash is King

Die Mechanismen der amerikanischen Finanzwelt unterscheiden sich stark von dem, was wir aus Europa kennen. Die Finanzinformationen sind in den USA sehr viel detaillierter, werden aber auch besser kommuniziert, und die Überlegungen der Anleger folgen nicht zwangsläufig denselben Strukturen wie bei uns.

Der Ansatz von Wasatch beispielsweise beruht auf einem speziellen Instrument der Finanzanalyse: dem DuPont-Kennzahlensystem. Mit diesem Verfahren zur Analyse von Finanzkennzahlen lassen sich in Rekordzeit Aussagen über die wirtschaftliche Situation der wichtigsten börsennotierten Unternehmen treffen.

Trotz der enormen Marktgröße ist so ein zusammenfassender Marktüberblick möglich. In den USA gibt es Tausende börsennotierter Unternehmen, sodass die Managementteams nicht jedes einzelne von ihnen im Detail kennen können. Umso wichtiger ist es daher, einen aussagekräftigen Marktüberblick zu erhalten, um die Suche nach neuen Anlageideen zu erleichtern.

Eine weitere Stärke des DuPont-Systems: Das Modell bietet ein schnelles Screening der interessantesten Wachstumsunternehmen und zeigt die Fähigkeit jedes Unternehmens, Cash zu generieren. Hierin liegt auch der Unterschied im Ansatz unserer amerikanischen Pendants auf der Suche nach „Value“. In drei Worten: Cash is king.

US-Unternehmen auch in Asien erfolgreich

Wir nutzten unsere Aufenthalte bei IVA und Wasatch, um ihre Teams bei Unternehmensbesuchen quer durchs Land zu begleiten. Von New York bis Salt Lake City, über Chicago, Miami und Wisconsin haben wir an Einzelgesprächen, Konferenzen, Ergebnispräsentationen, Standortbesuchen und so weiter teilgenommen.

Der Besuch des Volkswagen-Werks in Chattanooga beispielsweise bestätigt unseren Optimismus für diesen Autobauer. Das Werk vermittelt den Eindruck sehr hoher Qualität und dürfte mit einer Kapazität von 250.000 Fahrzeugen im Jahr bereit sein, die Produktionsleistung weiter zu steigern.

Das Konzernziel, im Jahr 2018 eine Milliarde Fahrzeuge in den USA zu produzieren, erscheint uns realistisch. Wir sind überzeugt, dass Volkswagen künftig zur weltweiten Nummer eins aufsteigt und dass die Automobil- und Reifenbranche insgesamt noch sehr attraktive Anlagechancen bietet.

Ebenso enthusiastisch sehen wir Starbucks und Yum! Brands. Dies sind zwei sehr attraktive Unternehmen, die auch außerhalb ihres Kernmarktes eine hohe Rentabilität erreichen – mitunter sogar eine höhere als auf ihrem Heimatmarkt.

Yum! Brands, führendes Unternehmen für Systemgastronomie (Pizza Hut, KFC, Taco Bell et cetera), erzielt in China die Hälfte seines EPS-Wachstums (earnings per share, deutsch: Gewinn je Aktie), und auf China entfällt jede zweite seiner Neueröffnungen. Starbucks, die größte internationale Café-Kette, setzt zwar auf eine starke Wachstumsdynamik in den USA, hat aber auch große Ambitionen in Asien. Auf den asiatischen Kontinent entfallen 13 Prozent des Umsatzes, bei einer Rentabilität, die bereits höher als in den USA ist.

Koloss mit solider Grundlage

Diese beiden Beispiele scheinen uns umso interessanter, als die meisten US-Unternehmen den asiatischen Märkten im Allgemeinen eher misstrauisch gegenüberstehen. Ihr Interesse an den Schwellenländern ist keineswegs mit dem der Europäer vergleichbar und richtet sich in jedem Falle hauptsächlich auf Lateinamerika.

Mit Ausnahme von Branchen mit engem Bezug zur amerikanischen Kultur, wie zum Beispiel die Systemgastronomie, ist es ebenfalls sehr selten, dass US-Unternehmen den Erfolg, den sie auf ihrem Heimatmarkt haben, in Asien wiederholen.

Und dies nicht ohne Grund: Trotz der Krise bietet die amerikanische Wirtschaft alleine sehr attraktive Chancen. Die USA sind im Hinblick auf Innovationen nach wie vor der interessanteste und mit ihren mehr als 300 Millionen Einwohnern gleichzeitig immer noch der größte erreichbare Markt der Welt.

Jedes neue Konzept kann in den USA schnell zum Erfolg werden, wenn es im ganzen Land zur Anwendung kommt. Einem Land, das noch größer ist, als Europa ohne Grenzen wäre. Ein enormer Markt, der dennoch eine solide Grundlage hat. Die amerikanische Fähigkeit, sich von Schwierigkeiten zu erholen, ist schlichtweg beeindruckend. Die Unternehmer vertrauen noch den politischen Kräften und sind vor allem mehr als anderswo auf der Welt bereit, Opfer zu bringen, um wieder zum Wachstum zurückzufinden.

Den ersten Teil der Serie über die Idee hinter den nomadisierenden Büros können Sie hier lesen.

Den zweiten Teil über einen längeren Asien-Aufenthalt hier.


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