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Norbert Betz, hier während eines Vortrags auf dem Vermögenstag der V-Bank, leitet die Handelsüberwachung an der Börse München.

Norbert Betz von der Börse München „Diese typischen Anlegerfehler unterlaufen auch Profis“

DAS INVESTMENT: Sie sagen, dass es einige ganz typische Fehler gibt, die selbst Profi-Anlegern unterlaufen. Was ist das zum Beispiel?

Norbert Betz: Ein häufiger Fehler von Anlageberatern ist, sich zu sehr an anderen zu orientieren. Man will nicht negativ auffallen und schaut erst einmal, was die Konkurrenz macht. Wenn die anderen eine mittlere Rendite von 7 Prozent im Vorjahr erzielt haben, ist es besser, auch 7 Prozent zu machen. Besser als nur 4 Prozent und dies den Kunden begründen zu müssen.

Noch besser wären 8 Prozent.

Betz: Ja, aber erstens gibt es dafür keinen sicheren Weg. Und zweitens bringt 1 Prozent mehr als der Durchschnitt insgesamt weniger Vorteile, als 3 Prozent weniger schaden würden. Berater wollen das Potenzial des Versagens einschränken und handeln deshalb risikoavers. Wer aber hauptsächlich den Gesamtmarkt abbildet und dabei noch Kosten produziert, landet immer unterhalb der Benchmark.

Verraten Sie mal einen weiteren typischen Fehler.

Betz: Sowohl Endanleger als auch Profis hängen viel zu sehr an einem Home Bias. Man kauft, was man zu kennen glaubt. Deutsche Anleger überstrapazieren die deutsche Karte. Man kennt die Namen der Unternehmen und hat sich vielleicht schon eine Meinung zu bestimmten Titeln gebildet.

Was ist so schlimm daran?

Betz: In großen Indizes wie dem MSCI World ist Deutschland nur zu 3 Prozent vertreten. Andererseits sieht man in Deutschland selten ein Depot, das weniger als 20 Prozent Deutschland-Aktien hält. Viele setzen eher zu 60 bis 80 Prozent auf Deutschland. So bildet man nicht die Weltwirtschaft ab. Der Home Bias ist weltweit zu beobachten. Wer aus Brasilien stammt, kauft oft überproportional viele brasilianische Aktien.

Aus Anlegersicht ist das nachvollziehbar. Man kennt den Markt und hat von den Unternehmen schon viel gehört.

Betz: Allerdings denkt man nur, man kenne sich besser aus. Das gibt eine Kontrollillusion. Studien sagen, dass es diesen vermeintlich geglaubten Vorteil im echten Börsenleben nicht gibt. Dasselbe gilt auch bei der Beurteilung von Sektoren: Wer eine Bankausbildung gemacht oder Finanzen studiert hat, meint vielleicht, er könne die Aktien von Finanzdienstleistern besser einschätzen.

Das erscheint zumindest nicht abseitig.

Betz: Niemand kann aber einen Bereich besser einschätzen als die Analysten, die ständig Veröffentlichungen und Bilanzen durchsehen. Sie kennen die Zahlen fast besser als der Vorstand des Unternehmens. Kein Berater kann mehr zahlenbasiertes Wissen haben. Home- und vor allem Sektoren-Bias erhöhen das allgemeine Lebensrisiko: Wer in der Finanzbranche arbeitet und nur auf deutsche Finanztitel setzt, der ist, wenn es der Branche schlecht geht, doppelt getroffen: Sein Job ist eventuell weg und sein Vermögen, das er jetzt notwendig braucht, vermindert sich.

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