Felix von Buchwaldt, Geschäftsführer bei Nordcapital. Foto: Adele Marschner

Felix von Buchwaldt, Geschäftsführer bei Nordcapital. Foto: Adele Marschner

Nordcapital: Darum bieten wir erstmal keine geschlossenen Publikumsfonds mehr an

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DAS INVESTMENT: Sie trennen sich von großen Teilen Ihrer Vertriebs- und Marketing-Mannschaft. Ziehen Sie bei Nordcapital bald vollends den Stecker?

Felix von Buchwaldt:
Nein. Wir werden lediglich eine gewisse Zeit nicht am Publikumsmarkt für Neuplatzierungen teilnehmen. Der geschlossene Fonds ist in einer massiven Krise, die privaten Anleger halten sich zurück. Und wir sind auch ohne Neuplatzierungen profitabel. Das ermöglicht es uns, die weitere Entwicklung abzuwarten und uns auf das Asset Management zu konzentrieren.

Andere Initiatoren wollen weitermachen.

von Buchwaldt:
Die Entscheidung muss jeder für sich treffen. Und dass in einigen Segmenten viele Fonds im Markt sind, heißt nicht, dass diese auch voll platziert werden können. Bei Schiffsfinanzierungen ist in den kommenden zwei, drei Jahren über traditionelle KG-Publikumsfonds nur wenig möglich. Darum haben wir für uns den Druck rausgenommen, neue Fondsobjekte anbinden zu müssen.

Also sehen Sie komplett schwarz für Schiffsinvestments?

von Buchwaldt:
Nein. Aktuell bieten sich angesichts des niedrigen Preisniveaus sogar sehr gute Investmentmöglichkeiten. Nur lassen sich Schiffe jetzt nicht im nötigen Volumen über Publikumsfonds finanzieren. Aber wir werden weiter Eigeninvestments tätigen – ebenso Private Placements oder Club Deals.

Wie weit sind Sie mit der Restrukturierung Ihrer Schiffsfonds?

von Buchwaldt:
Wir haben 2012 zwei neue Liquiditätssicherungen umgesetzt und 14 ältere Schiffe verkauft. Zum Teil haben diese Fonds in Summe 8 Prozent Rendite für die Anleger erwirtschaftet. Bisher hatten wir noch keine Insolvenz, das ist fast ein Alleinstellungsmerkmal. Ob wir das im fünften Jahr der Krise durchhalten können, wird auch von den Banken abhängen. 2013 wird auf jeden Fall kein leichtes Jahr für Schiffsfonds.

Bei einigen Ihrer Holland-Immobilien- Fonds mussten Sie Auszahlungen für Anleger reduzieren.

von Buchwaldt:
Kosmetische Auszahlungen nehmen wir nicht vor. Die Anleger verstehen, dass wir Reserven schaffen. Für den holländischen Markt sieht es derzeit nicht rosig aus. Wir setzen mit Erfolg auf frühzeitige Gespräche mit den Mietern, um die Verträge zu verlängern.

Es sieht so aus, als ob man bei der Regulierung Ihrer Branche entgegenkommt. Das kann Sie nicht umstimmen?

von Buchwaldt:
Viele Ansätze der Regulierung sind richtig, wenn auch das lange Warten auf ihre konkrete Ausgestaltung die Branche zusätzlich lähmt. Die Regulierung ist aber nur ein Faktor. Noch wichtiger ist die Notwendigkeit der eigenen Vorfinanzierung bei gleichzeitig deutlich gestiegenen Platzierungszeiträumen. Hinsichtlich der Neuauflage von Publikumsfonds schauen wir uns eine Zeit lang das Spiel an. Sobald es möglich ist, wieder ein paar Tore zu schießen, können wir uns wieder einwechseln.

Nordcapital in Kürze

- 1992 gegründet, 70 Mitarbeiter

- gehört zur E. R. Capital Holding von Reeder Erck Rickmers

- 6,8 Milliarden Euro Investitionsvolumen

- 140 geschlossene Fonds emittiert

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