Richard Middleton

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Nordea Afrika-Fonds-Manager: „20 Prozent in zwölf Monaten sind drin“

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DAS INVESTMENT.com: Mister Middleton, beginnen wir einmal mit einem Vorurteil über Investments in Afrika. Die Länder sind ziemlich korrupt, weshalb man besser keine Aktien dort kaufen sollte.

Richard Middleton: Das kann ich so nicht bestätigen. Wir sind in 17 Ländern als Investoren tätig und haben da noch keine besonderen Korruptionsprobleme erlebt. Der Aktienhandel ist nicht anders als in anderen Ländern. An den Börsenplätzen gibt es detaillierte Standards für den Börsenhandel sowie Regeln gegen Insider-Geschäfte und Marktmanipulationen. Die sind international so üblich. Der einzige Unterschied ist, dass die afrikanischen Börsen mit wenigen Ausnahmen noch sehr klein sind.

DAS INVESTMENT.com: 50 afrikanische Unternehmen lassen sich auch an der Londoner Börse notieren. Nutzen Sie das?

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Middleton: Nein, wir handeln unsere Positionen ausschließlich vor Ort in Afrika und lassen sie auch dort lagern. Dafür nutzen wir internationale Verwahrer wie Barclays oder die Citigroup, die wiederum lokale Unterverwahrer verpflichten. Sie prüfen sie zuvor sehr genau.

DAS INVESTMENT.com: Was können wir von afrikanischen Aktien demnächst erwarten?

Middleton: Sagen wir es mal relativ: Ich bin überzeugt, dass sie in den kommenden fünf Jahren alle anderen Märkte outperformen werden. Sie sind nach langer Zeit endlich wieder defensiver bewertet als die Aktienmärkte der Schwellenländer. Absolut betrachtet dürften in den kommenden zwölf Monaten in Dollar gerechnet noch 20 Prozent drin sein. Südafrika ist zwar als sehr fortgeschrittenes Schwellenland ein Sonderfall. 10 bis 20 Prozent sollten aber auch hier in zwölf Monaten gut erreichbar sein.

DAS INVESTMENT.com: Welche Länder finden Sie interessant?

Middleton: Natürlich Nigeria als einen sehr bedeutenden Markt. Das Land hat sein Bankenproblem aus dem vergangenen Jahr weitgehend gelöst und seine Lektion daraus gelernt. Jetzt notieren die Aktien deutlich unter ihrem Buchwert. Außerdem finden wir das Krisenland Simbabwe interessant. Es dollarisiert seine Wirtschaft, stellt sie also auf Dollar um, was wir für einen guten Weg halten, um die Wirtschaftsprobleme in den Griff zu kriegen. Inzwischen beobachten wir dort schon einige gute Aktien. Noch ist das Land im Nordea 1 African Equity aber nicht gewichtet.

DAS INVESTMENT.com: Gehen Sie bei der Aktienanalyse anders vor als beispielsweise ein Fondsmanager für Europa?

Middleton: Ich glaube nicht. Wir haben sechs Portfoliomanager und fünf Analysten, die jedes Unternehmen zweimal im Jahr besuchen. Anstatt auf Prognosen zu vertrauen, analysieren wir lieber selbst. Ein Unterschied zu etablierten Aktienmärkten ist aber: Die Unternehmens-Managements sind Analysten gegenüber etwas misstrauischer. Sie sind mit solchen Besuchen einfach noch nicht so vertraut.

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