Dan Sauer, Deutschland-Chef von Nordea

Dan Sauer, Deutschland-Chef von Nordea

Nordea-Deutschland-Chef Dan Sauer

„Das ist das Geheimrezept des Nordea Stable Return“

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Der Nordea Stable Return Fund ist zurzeit in aller Munde: Es gibt kaum ein Fundflow-Ranking, in dem Ihr Mischfonds nicht auf den vorderen Plätzen zu finden ist. Wie erklären Sie sich den Hype um Ihren Flaggschiff-Mischfonds?

Den Nordea Stable Return gibt es bereits seit 2005. Wir versuchen durch aktives Risikomanagement immer gut aufgestellt zu sein, ganz gleich, welche Winde an den Märkten vorherrschen. Wie so oft bei Innovationen dauerte es etwas, bis der Markt das angenommen hat. 2005 war die Mischfonds-Mania noch nicht da. Die kam erst ausgelöst durch die Finanzkrise.  

Was zieht Anleger ganz konkret in den Nordea Stable Return?

Wir haben von Anfang an sehr konservativ zuerst das Risiko in den Blick genommen – während die meisten Mitbewerber eher bei der Rendite angesetzt haben. So erkläre ich mir auch unseren späten vertrieblichen Erfolg: Es ist ein eher langweiliges und technisches Konzept. Wir beantworten nicht die typischen Fragen: Was bringt ein Brexit, wie stehen Sie zu Gold, zu  China, zum Ölpreis? Unser oberstes Ziel ist Kapitalerhalt und Stabilität auf Sicht von drei Jahren. Wir wollen Ertragstreiber finden, die sowohl in Bullenmärkten als auch in Bärenmärkten Erträge bringen.

Wie ist es in diesem Jahr – der Start war schwierig für viele Fonds. Aber der Nordea Stable Return ist daraus sehr gut hervorgegangen. Was haben Sie speziell seit Jahresbeginn 2016 besser gemacht als die Vergleichsfonds?

Wir suchen immer Ertragstreiber, die positive Rendite bringen. Gleich zu Beginn dieses Jahres hat ein massiver Ausverkauf dem Markt zweistellige Minusrenditen beschert. Unsere Morningstar-Vergleichsgruppe hat beinahe den halben Fall mitgemacht, unser Fonds fast überhaupt nicht. Die Philosophie dahinter ist zum Tragen gekommen. Wir haben den Absturz nicht vorhergesehen und das Portfolio darauf ausgerichtet, sondern unsere Ertragstreiber für Bärenmärkte haben voll gegriffen.

Ein Beispiel für Ihre Ertragstreiber?

Ein großer Ertragstreiber für diese Bärenmärkte war zum Beispiel, dass wir US-Schatzbriefe gekauft hatten. US-Treasuries waren höher notiert als deutsche Staatsanleihen. Insofern hatten wir  ein ähnliches Risikoprofil, aber mit höheren Renditen. US-Treasuries waren eine der maßgeblichen Säulen, die Ende Januar für uns nicht allein den Verfall verhindert haben, sondern auch noch eine positive Rendite erbracht haben. Wir setzen auf nur wenige Treiber, die dann, wenn es drauf ankommt, sich in eine positive Richtung entwickeln. Es sind nicht viele Entscheidungen, die wir zueinander gestellt haben, sondern eher pointierte Entscheidungen. Das ist das Geheimrezept des Fonds.

Sie sagten eben „Positionen zueinander gestellt“: Meinen Sie, dass Sie jede Position mit einer Gegenposition ausgleichen?

Wir stellen verschiedene Ertragstreiber für unterschiedliche Szenarien zueinander. Sie sollen nicht miteinander korreliert sein. Und auch in den Untergruppen gehen wir so vor: Zuletzt haben wir long auf den japanischen Yen gesetzt und das britische Pfund geshortet. Um die sicheren Staatsanleihen zu ersetzen, ist dieses Währungspaar eine gute Möglichkeit. Letztes Jahr waren wir in US-Dollar engagiert. Nur ist der Dollar immer teurer geworden. Je teurer die Dinge werden, desto mehr schwinden die Schutzmöglichkeiten.

Sie sagten, oberstes Ziel des Nordea Stable Return sei Kapitalerhalt und Stabilität auf Sicht von drei Jahren. Was meinen Sie ganz genau damit?

Ab jedem beliebigen Zeitpunkt ist das Portfolio so aufgestellt, dass die Ertragstreiber risikooptimiert die entsprechende Rendite erwirtschaften. Wenn Sie versuchen, das auf täglicher Ebene zu gestalten, müssten Sie täglich das Gesamtportfolio umstellen und würden keinen Effekt mehr erzielen. Drei Jahre sind vor allem deshalb festgelegt worden, damit die Ertragstreiber greifen können. Der Kapitalerhalt soll auf Sicht von drei Jahren funktionieren. Wir würden unser Konzept nicht umwerfen, nur weil wir beispielsweise innerhalb eines Quartals mal unter Wasser liegen.

Eine Frage zum Risikomanagement: Wie definiert das Fondsmanagement Risiko, welche Kennzahlen stehen im Vordergrund, wie werden sie gewichtet, zum Beispiel Schwankungsbreite, maximaler Verlust oder auch Value at Risk?

Die Risikobeiträge bemessen sich in der Gesamtschau des Portfolios. Die einzelnen Risikobeiträge werden durch die Diversifikation reduziert. Wir gehen davon aus, dass in der Diversifikation der einzige Free Lunch liegt, den man noch haben kann. Das versuchen wir bestmöglich zu nutzen. Dahinter liegen sehr viele Risikokennzahlen. Wir haben aber keine feste Wertuntergrenze. Was macht für uns zum Beispiel eine Aktie zu einer stabilen Aktie? Die Stabilität, also das Gegenteil zum Risiko, soll sich im Kursverlauf zeigen, aber auch im Gewinn von Unternehmen und in der Unternehmensführung. Das Geschäftsmodell und auch die Dividendenzahlungen sollen stabil sein.

Gewichten Sie einige Kennzahlen stärker als andere, sind einige wichtiger?

Nein, das ganze Risiko definiert sich unter dem Konzept der Diversifikation. Wir betrachten das gesamte Portfolio: Wie verhalten sich die einzelnen Ertragstreiber zueinander? Das ist das Wesentliche. Value at Risk ist keine Kennzahl, mit der wir arbeiten.

Arbeitet der Fonds mit festen Risikobudgets? Oder anders: Gibt es eine prozentuale Verlustgrenze, ab der das Fondsmanagement sagt: Bis hier her und nicht weiter - jetzt wird in sichere Assets umgeschichtet?

Kritisch wäre, wenn wir den dreijährigen Kapitalerhalt nicht mehr erreichen können. Wir arbeiten aber mit keinen festen Wertuntergrenzen. Wenn Sie sich die letzten drei Jahre anschauen, hat der Fonds 7 Prozent jährlich erwirtschaftet bei einer Vola von 4. Das Ergebnis ist fantastisch. Wir möchten allerdings nicht die Erwartung aufrechterhalten, dass die 7 Prozent Rendite per annum unseren Erwartungen und Zielen entspricht. Unser Dreh- und Angelpunkt ist nicht die Rendite.

Wenn man eine relativ hohe Aktienquote hat und die Märkte fallen, gibt es die Möglichkeit, reaktiv zu sein oder eher an einem Konzept festzuhalten. Würden Sie sich eher als reaktiv oder beständig einordnen?

In dem Begriffspaar gehören wir ganz klar eher zu beständig. Wenn Sie sich unsere Aktienquote anschauen: Rein physisch haben wir immer etwa die Hälfte in Aktien investiert. Das Aktien-Exposure wird aber immer wieder durch Futures gekürzt, um gewisse Ertragstreiber zu bekommen. Diese Art anzulegen ist moderner als einfach zu sagen: 70% in Anleihen und 30% in Aktien – fertig.

Der Nordea Stable Return ist in aller Munde. Ist das Unternehmen nicht zu sehr abhängig von dem einen Produkt?

Nein, wir haben über 70 Produkte, die wir europaweit anbieten. Der Erfolg des Nordea Stable Return ist natürlich sehr prominent in den Vertriebszahlen, aber wir haben auch darüber hinaus sehr viele verschiedene Produkte, die von unseren Kunden eingesetzt werden.

Stört es Sie, dass einige andere Fonds nicht dieselbe mediale Aufmerksamkeit erhalten wie Ihr Flaggship-Fonds?

Als Vertriebschef bin ich natürlich begeistert über jede Art von positiver medialer Aufmerksamkeit. Bei der Geschwindigkeit, mit der wir unterwegs sind, finde ich eigentlich, dass die mediale Aufmerksamkeit noch relativ gering ist. Wir sind im Gegenteil dankbar, dass wir so einen Blockbuster haben und die Anleger dadurch vielleicht auch auf unsere anderen guten Produkte schauen.

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