Nordea-Kommentar zur EZB-Ratssitzung

Überrascht die EZB morgen?

Sollte die EZB morgen wieder Erwarten die Zinsen senken oder unkonventionelle Maßnahmen ergreifen, gäbe es dafür wohl nur einen Grund: Man hat sich im EZB-Rat erst jetzt darauf einigen können und deshalb die Gelegenheit Anfang März verstreichen lassen. Äußerungen verschiedener Mitglieder des EZB-Rates könnten darauf hindeuten. Die gesamte Watcher-Gemeinde – jedenfalls die gefühlten 98 Prozent, die offiziell nichts erwarten – wird dann morgen schreiben, die EZB habe unter Draghi einen Hang zu überraschen. Aber es wäre wohl weniger eine Neigung als die eingebaute Langsamkeit der Institution bei kontroversen Entscheidungen.

Der Datenkranz ist nicht viel anders als vor einem Monat: Die Konjunktur berappelt sich langsam; die Aktienmärkte haben sich nach der Krim-Delle stabilisiert; die Kreditvergabe ist schwach; der Euro ist handelsgewichtet einen Hauch fester als vor einem Monat; die Inflationsrate, auch die Kernrate, liegt deutlich unter Ziel und dürfte demnächst nur leicht steigen; wie fest die Inflationserwartungen wirklich verankert sind, darüber lässt sich weiter streiten – es kommt darauf an, worauf man schaut; die Geldmarktbedingungen sind im Ganzen in Ordnung. Eigentlich also kein starker Grund für eine andere EZB-Entscheidung als im März: Nur Worte, keine Taten. Aber vielleicht ist das alles zu rational gedacht und die EZB plant doch etwas. Das ist nicht das Hauptszenario für morgen, aber eine Möglichkeit.

>> Euro area: ECB likely to look through the cyclical inflation low

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