Noch vor einem Jahr titelte die „Welt“ euphorisch von „Europas neuer Superaktie“. Von dieser Euphorie um Novo Nordisk ist heute nur noch wenig zu spüren. Der dänische Pharmariese, der durch den Hype um die Abnehmspritze Wegovy zeitweise zum wertvollsten Unternehmen Europas aufstieg, erlebte zuletzt einen dramatischen Absturz.
Der jüngste Schock kam Ende Juli 2025: Eine massive Gewinnwarnung ließ die Aktie um 23 Prozent einbrechen. Der Börsenwert sank innerhalb einer Woche um rund 95 Milliarden US-Dollar – der größte Rückschlag seit über zwei Jahrzehnten. Seit August 2024 hatte das Papier mehr als 60 Prozent an Wert verloren – ein Desaster für Anleger, die auf die vermeintliche Erfolgsgeschichte gesetzt hatten.
Zwar erzielte Novo Nordisk im zweiten Quartal 2025 einen Umsatz von 10,3 Milliarden Euro, verfehlte damit aber die Analystenerwartungen. Noch deutlicher zeigt sich der Einbruch anhand der gekappten Prognose: Statt der ursprünglich avisierten 13 bis 21 Prozent Umsatzwachstum erwartet das Unternehmen für 2025 jetzt nur noch ein Plus von 8 bis 14 Prozent.
CEO-Wechsel als Befreiungsschlag?
Wie schon bei früheren Krisen reagiert Novo Nordisk mit einem Führungswechsel. Ab sofort übernimmt Maziar Mike Doustdar das Ruder. Der Manager ist seit 1992 bei den Dänen und soll nun richten, was sein Vorgänger Lars Fruergaard Jørgensen, der dieses Amt seit dem Januar 2017 bei Novo Nordisk bekleidet hat, nicht mehr schaffen konnte. Marktbeobachter spekulieren bereits, dass unter der neuen Führung verstärkt Übernahmen anstehen könnten. Darüber hinaus sollen Kostensenkungsprogramme aufgelegt und die kommerzielle Ausrichtung geschärft werden.
Konkurrenzdruck und Nachahmer-Medikamente
Doch wie kam es zu dem Kurseinbruch der einstigen Superaktie?
Der Pharmariese kämpft gleich an mehreren Fronten. Besonders im wichtigen US-Markt läuft es alles andere als rund. Rezeptur-Apotheken, sogenannte „Compounder“, machen dem Konzern mit Nachahmer-Präparaten das Leben schwer. Gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerb mit dem US-Konkurrenten Eli Lilly, dessen Abnehmmittel Mounjaro ebenfalls stark nachgefragt wird.
Ausgerechnet die Konkurrenz der Hersteller führt nun allerdings zur nächsten Wendung: Enttäuschende Studiendaten zu Eli Lillys Abnehm-Pille Orforglipron sorgten dafür, dass die Novo-Nordisk-Aktie nach all den Hiobsbotschaften der vergangenen Tage am 7. August zwischenzeitlich zweistellig zulegen konnte.
Mit einem durchschnittlichen Gewichtsverlust von nur 12,4 Prozent in der höchsten Dosierung verfehlte das Präparat des US-Herstellers die Markterwartungen von etwa 15 Prozent deutlich. Die Eli-Lilly-Aktie stürzte daraufhin zweistellig ab. Novo Nordisk nutzte die Gunst der Stunde und konterte mit vielversprechenden Details zu seinem eigenen Abnehm-Kandidaten Amycretin. Die Dänen kündigten ein umfangreiches Phase-3-Programm an, das die Schwäche des Konkurrenten ausnutzen könnte.
Was bedeutet das Auf und Ab für Fondsanleger?
Für Anleger zeigt diese Entwicklung dreierlei:
- Erstens ist der Markt für Abnehm-Medikamente weiterhin hart umkämpft und voller Überraschungen.
- Zweitens könnte Novo Nordisk nach dem dramatischen Kursverfall langsam wieder interessant werden. Einige Marktbeobachter empfehlen bereits, bei den Dänen erste Positionen aufzubauen.
- Drittens ist die Geschichte von Novo Nordisk geradezu ein Lehrstück über die Gefahren von Hype-Aktien. Was gestern noch als unaufhaltsame Wachstumsstory galt, kann morgen schon zur Enttäuschung werden. Gerade im Pharmabereich, wo Patente auslaufen und Konkurrenz schnell aufholen kann, sind vermeintlich sichere Gewinne trügerisch. Zudem sollten die Gefahren möglicher Nebenwirkungen nicht vergessen werden.
Anleger, die die Novo Nordisk Aktie nicht direkt gekauft, sondern über Fonds und ETFs auf den Pharma-Riesen gesetzt haben, haben die Talfahrt der vergangenen Monate zumindest besser überstanden. Dennoch zeigt sich auch hier, dass Fonds mit einer hohen Gewichtung von Novo Nordisk zuletzt teils empfindliche Verluste verbuchten.
Welche ETFs und aktiven Fonds Novo Nordisk besonders hoch gewichten und wie diese zuletzt performten zeigen wir auf den kommenden Seiten. Auffällig dabei: Während Novo-Nordisk im ETF mit der höchsten Gewichtung im vergangenen Jahr noch auf einen Anteil von 30 Prozent kam, liegt dieser aktuell nur noch bei rund 15 Prozent – was zeigt, wie stark die Aktie zuletzt Federn lassen musste.
Stand aller Daten: 7. August 2025