Die Nürnberger Versicherung will 500 Stellen bis Ende 2025 abbauen, um Kosten zu reduzieren. Das wurde aus Mitarbeiterkreisen bekannt, wie die „Nürnberger Nachrichten“ am Freitag vergangener Woche berichteten. Generelle Überlegungen in diese Richtungen bestätigte der Konzern, die konkrete Zahl betroffener Arbeitsplätze jedoch nicht.
75 Millionen Euro sollen eingespart werden
Die Zeitung hatte berichtet, dass der Konzern befristete Verträge nicht verlängern, die Übernahme von Auszubildenden einschränken und teilweise frei werdende Stellen nicht mehr nachbesetzen will. Ziel soll es sein, rund 75 Millionen Euro einzusparen. Auch Marketing- und Sponsoring-Aktivitäten sollen zurückgefahren werden. Die Nürnberger Versicherung ist unter anderem Hauptsponsor des 1. FC Nürnberg und Namenspatron der Multifunktionshalle „Arena Nürnberger Versicherung“.
Belegschaft bereits informiert
Laut des Berichts wurde die Belegschaft der Versicherung im Rahmen der regelmäßigen Veranstaltung „Aus erster Hand“ von Vorstandschef Harald Rosenberger über den aktuellen Stand des Prozesses unterrichtet. Das Vorhaben bestehe aus drei Säulen: einem neuen Geschäftsmodell – dem sogenannten Präventionsversicherer, der Weiterentwicklung der Unternehmenskultur sowie dem Effizienzprogramm „Fit für die Zukunft“. Bei diesem gehe es Einzelmaßnahmen, mit denen die Nürnberger jeden Kostenfaktor auf den Prüfstand stellen wolle, „von der Jalousien-Reinigung des Bürogebäudes bis hin zu IT-Projekten“, wie es in dem Artikel heißt.
Gespräche mit dem Betriebsrat laufen
Auf Nachfrage von DAS INVESTMENT bestätigte der Konzern die Pläne im Kern. Ein Sprecher teilte mit: „Wir sind seit letztem Jahr in einem Strategieprozess, der Veränderungen mit sich bringt.“ Es gehe darum, die Nürnberger zukunftsfest zu machen. Über mögliche Auswirkungen des Effizienzprogramms auf das Personal befinde sich die Geschäftsführung in Gesprächen mit dem Betriebsrat. Es gebe aber noch keine finalen Entscheidungen, daher könnten auch „weder eine Einzelmaßnahme noch ein Gesamtbild kommuniziert werden“, so der Sprecher. Mit dem neuen Geschäftsmodell wolle man auf die verschärften Risiken durch Klimawandel, Demografie und die geopolitische Situation Antworten in Form eines weiterhin bezahlbaren Versicherungsschutzes finden.
Folgen eines stark geschrumpften Konzerngewinns
Hintergrund des Programms dürfte die zuletzt wenig erfreuliche Geschäftsentwicklung der Franken sein. Der erst vor Kurzem veröffentlichte Geschäftsbericht für das Jahr 2023 hatte einen von knapp 70 Millionen auf nur noch 42,8 Millionen Euro geschrumpften Konzerngewinn ausgewiesen. Dabei blieb der Umsatz mit 4,4 Milliarden Euro stabil. Als Grund für den reduziertem Gewinn gab das Unternehmen die negative Entwicklung in der Schadenversicherung an. Die hohe Inflation habe, beispielsweise durch höhere Reparaturkosten, die Aufwendungen in der Schadenregulierung nach oben getrieben. Eine Entwicklung, von der derzeit der gesamte Markt betroffen ist, beispielsweise in der Kfz-Versicherung.
Von den Sparplänen indes nicht betroffen sein soll der geplante Ausbau des Außendienstes. Die Nürnberger hatte schon vergangenes Jahr Pläne bestätigt, die Zahl der Generalagenturen bis zum Jahr 2030 verdoppeln zu wollen. Unter dem Projektnamen „GAx2“ strebt der Konzern an, zusätzliche Vertreter für seine Ausschließlichkeitsorganisation zu gewinnen. Laut eines weiteren Medienberichts bekräftigte der Unternehmenssprecher, dass man am Ausbau des Vertriebsaußendienstes festhalte.



